„Michael“ ist gerade erst unter großem Aufsehen in den Kinos angelaufen. Trotzdem sprechen nicht nur viele Fans bereits von einer Fortsetzung. Das ist im Filmgeschäft natürlich ganz normal, wenn ein Titel erfolgreich ist – worauf alle Anzeichen jetzt schon hinweisen. Aber in diesem Fall gibt es auch noch einen anderen Grund: Regisseur Antoine Fuqua („Training Day“) hat für „Michael“ nämlich sehr viel mehr Szenen gedreht, als jetzt auf den Leinwänden zu sehen sind.
Immer wieder wurde in den US-Medien kolportiert, dass Fuquas erste Schnittfassung des Films zwischen dreieinhalb und vier Stunden lang gewesen sein soll – was ja allein schon für zwei abendfüllende Filme ausgereicht hätte. Doch es wurden dann auch noch ausführliche Nachdrehs angesetzt, um weiteres Material zu filmen.
Das ist eigentlich nichts Außergewöhnliches. Bei vielen Filmen, sogar bei den minutiös vorgeplanten Marvel-Blockbustern und anderen Großproduktionen dieses Formats, gibt es sogenannte Re-Shoots, die oft mehrere Monate nach den eigentlichen Dreharbeiten stattfinden. Dabei sollen in der Regel kleine technische Fehler ausgemerzt, Lücken im Narrativ geschlossen und/oder einfach nur mehr Nahaufnahmen gemacht werden. 22 solcher zusätzlicher Drehtage, wie es diversen Medienberichten zufolge bei „Michael“ der Fall war, sind dann aber doch schon sehr viel.
So wurde schnell klar, dass es sich um deutlich mehr als nur um ein paar kleine kosmetische Korrekturen am Film gehandelt haben musste. Das Resultat dieser Re-Shoots war dann in der Tat nicht nur eine enorme Kostenexplosion bei der Herstellung (der Film soll letztlich 200 Millionen Dollar verschlungen haben), sondern auch die Verschiebung des eigentlich für April 2025 angekündigten Starttermins – zunächst um ein halbes und schließlich um ein ganzes Jahr. Zudem ist der nun fertige Film durch diese Maßnahmen ein deutlich anderer geworden als ursprünglich geplant.
Das Ende von "Michael" musste massiv umgestaltet werden …
„Michael“ startet und endet damit, wie Michael Jackson (gespielt von seinem Neffen Jaafar Jackson) im Londoner Wembley-Stadion für die erste von insgesamt sieben ausverkauften Shows während der Tour zu seinem Megaseller-Album „Bad“ auf die Bühne geht. Das war im Sommer 1988. Zwischen diesen als eine Art Rahmenhandlung dienenden Szenen blickt der Film auf den vorherigen Verlauf der Karriere des Sängers zurück. Diese begann mit Michael (hier noch von Newcomer Juliano Krue Valdi verkörpert) als siebenjährigem (!) Frontmann einer von seinem Vater Joseph Jackson (Colman Domingo) zusammengestellten Band, bestehend aus Michael und seinen vier älteren Brüdern.
In der Folge erleben wir den teilweise sehr emotionalen Aufstieg – von Auftritten in winzigen Clubs und auf Jahrmärkten hin zu nationaler Bekanntheit. Doch das ist nichts gegen den Erfolg, den Michael dann als Solokünstler haben sollte. Neben ausführlichen Bühnenmomenten wird eine Menge der Laufzeit darauf verwendet zu zeigen, wie der Künstler versucht, sich von seinem tyrannischen Vater und Manager abzunabeln, bis es ihm endlich gelingt und der Film mit einer triumphalen Performance endet.
Das Drehbuch von „Gladiator“-Autor John Logan sah allerdings vor, dass die Story nicht nur ganz anders starten sollte, sondern vor allem zeitlich noch viel weiter gegangen wäre. Laut einem Bericht des renommierten US-Branchenblattes Variety sollte „Michael“ mit einer Aufnahme beginnen, in der der „King Of Pop“ traurig in einen vor ihm an der Wand hängenden Spiegel blickt, während hinter ihm die Blaulichter eines Polizeiwagens aufblitzen. Es ist das Jahr 1993, also eine Dekade, nachdem Jackson mit dem Album „Thriller“ zum größten Popstar des Planeten aufgestiegen war. Doch nun wird er des Kindesmissbrauchs beschuldigt, während Ermittler sein gigantisches Privatanwesen, die Neverland Ranch, durchsuchen.
Universal Pictures Germany
… und zwar aus juristischen Gründen!
Danach sollte in der unveröffentlichten Version der Rückblick auf das Leben des „Billie Jean“-Sängers mit viel Musik, aber auch jeder Menge Vater-Sohn-Drama starten. Der Schlusspunkt wäre also nicht der Zenit seines Triumphs, sondern auch der folgende Tiefpunkt seines turbulenten Lebens gewesen.
Und genau so drehte Fuqua das Ganze offenbar auch. Der Regisseur war kurz davor, den Film fertigzustellen, der zu diesem Zeitpunkt intern wohl bereits als Zweiteiler gehandelt wurde, als sich die Erbengemeinschaft des Superstars plötzlich an ein Detail erinnerten, das ihnen vorher anscheinend entfallen war: In der außergerichtlichen Einigung, die Jacksons Anwälte 1994 ausgehandelt hatten, existiert offenbar eine Klausel, die eine Darstellung des damaligen Anklägers im Film verbietet.
Deshalb mussten große Teile des gedrehten Materials herausgeschnitten, das Ende stark überarbeitet und die Handlung massiv gekürzt beziehungsweise abgeändert werden. Die dadurch zusätzlich entstandenen Kosten wurden laut Berichten von der Erbengemeinschaft um Jacksons Manager John Branca übernommen.
In der Realität stand Jackson 2005 sogar noch ein weiteres Mal vor einem kalifornischen Gericht, weil er angeblich ein anderes Kind sexuell missbraucht haben soll. Er wurde jedoch in sämtlichen Anklagepunkten freigesprochen.
Kommt "Michael 2"?
Wird „Michael 2“ wirklich produziert? Und wann kommt er dann in die Kinos? Das ist derzeit noch nicht klar. Aufgrund des sich abzeichnenden Riesenerfolgs am globalen Box-Office werden die Verantwortlichen aber sicher sehr genau darüber nachdenken.
Das produzierende US-Studio Lionsgate („John Wick“, „Die Tribute von Panem“) ließ jedenfalls kürzlich verlauten, dass etwa 30 Prozent der aus der Urfassung von „Michael“ herausgeschnittenen Szenen für weitere Filme (also Mehrzahl!!!) verwertbar wären …
Hier könnt ihr noch FILMSTARTS-Chefredakteur Christoph Petersen mit der Videovariante seiner oben verlinkten Kritik auf dem FILMSTARTS-YouTube-Channel sehen:
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