Heute Abend streamen: Ein packendes und bewegendes Abenteuer vor beeindruckender, historischer Kulisse
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Sidneys Lieblingsfigur ist Donald Duck, sein erster Kinofilm war Disneys „Aladdin“ und bereits in der Grundschule las er eine Walt-Disney-Biografie. Wenn er könnte, würde er ins Disneyland auswandern, aber da das nicht geht, muss ihn seine Disney-Sammlung bei Laune halten.

Mit „High Fidelity“-Star John Cusack und „Lake Placid“-Darstellerin Meredith Salenger: Das Disney-Kleinod „Die Abenteuer der Natty Gann“ ist ein schöner Mix aus sentimentalem Drama und schelmischer Reise durch die USA zur Zeit der Großen Depression.

Zwar bringen die Disney-Studios derzeit primär kostspielige Blockbuster-Ware ins Kino, allerdings blickt die Marke auf eine lange Tradition an weniger bombastischen Abenteuerfilmen zurück, in denen keine Effektgewitter, sondern erstaunliche Naturlandschaften für Schauwerte sorgen. Zu dieser Riege zählen nostalgische 1990er-Favoriten wie die abenteuerliche Tierkomödie „Zurück nach Hause“ oder das verschneite Survival-Abenteuer „Wolfsblut“.

Schon Mitte der 1980er-Jahre brachte Disney mitDie Abenteuer der Natty Gann ein spannendes Abenteuer in die Kinos, das neben seinen Naturaufnahmen einen dramatischen Blick auf das Leben während der Großen Depression wirft. Der in Deutschland auch „Natty Ganns Reise ins Abenteuer“ betitelte Disney-Geheimtipp erhielt eine Oscar-Nominierung für die besten Kostüme und wird von einer engagierten Schauspielleistung der „Das Dorf der Verdammten“-Mimin Meredith Salenger getragen. Wenn ihr euch mit ihr auf Reise begeben möchtet: „Die Abenteuer der Natty Gann“ ist auf Disney+ abrufbar!

Darum geht es in "Die Abenteuer der Natty Gann"

Für Sol Gann (Ray Wise) ist die Situation in Chicago ausweglos. Aufgrund seines Einsatzes für Arbeiterrechte wird er angefeindet, rund um ihn herum werden Familien mit Gewalt aus ihren Wohnungen geschmissen. Als ihm endlich ein Job angeboten wird, mit dem er für seine Tochter Natty (Meredith Salenger) sorgen kann, muss er sich in Windeseile entscheiden.

In seiner Not bricht er nach Washington auf, um dort als Holzfäller zu arbeiten, ohne Natty persönlich Bescheid zu sagen zu. Sol verlässt sich darauf, dass die schroffe Gasthausbesitzerin Connie (Lainie Kazan) Wort hält und sich vorübergehend um seine Tochter kümmert. Stattdessen schert die sich aber einen feuchten Kehricht um die Halbwaise, weshalb Natty ausbüxt, um zu ihrem Vater zu reisen. Daraufhin lernt sie den schnippischen, aber gutmütigen Landstreicher Harry (John Cusack) kennen, gewinnt einen Wolf als tierischen Begleiter und muss immer wieder tückischen Situationen entkommen...

Rührendes Abenteuer, missmutige Hintergründe

Wenn zu Filmbeginn wütende Arbeiter höhere Löhne fordern, um sich einer gerechten Bezahlung zu nähern, sich drei Kinder eine Zigarette teilen und der Vater der Titelheldin als „Roter“ beschimpft wird, bloß weil er sich gegen Ausbeutung ausspricht, ist klar: Dies ist kein alltäglicher Disney-Abenteuerfilm!

Der schwarze Hengst“-Autorin Jeanne Rosenberg und Regisseur Jeremy Kagan bleiben in diesem Geheimtipp aus dem Jahr 1985 insofern der Disney-Formel treu, als dass es um ein aufgewecktes Kind geht und auf die Probe gestellter Familiensinn eine zentrale Rolle spielt. Aber das zeitliche Setting der Großen Depression ist in diesem Film kein rein kosmetischer Aspekt, sondern sickert in Tonalität der Erzählung und ihr erweitertes Themenspektrum hinein: Hinter der bewegenden Story und den spannenden Actioneinlagen von Hundekampf bis Zugunglück verbirgt sich ein zwar familiengerecht verpackter, jedoch unmissverständlich mahnender Rückblick auf die gesellschaftlichen Folgen rüde gescheiterter, zügelloser Wirtschaftsgier.

Die Abenteuer der Natty Gann
Die Abenteuer der Natty Gann
Starttermin 26. September 1985 | 1 Std. 41 Min.
Von Jeremy Kagan
Mit Meredith Salenger, John Cusack, Ray Wise
User-Wertung
3,2
Auf Disney+ streamen

Es ist wohl kein Zufall, dass Sol kurz nach dem Arbeiterrechte verhandelnden Filmauftakt seiner Tochter bei einer kleinen Selbstverteidigungslektion den doppeldeutigen Ratschlag erteilt, sie müsse stets „die linke (Faust)“ oben halten. Und man sieht nur selten Disney-Titelfiguren, die sich einem empörten Protest anschließen und Steine auf Polizeibeamte werfen, die wehrlose Menschen aus ihren Wohnungen boxen. Doch genau das ist das geschichtliche Umfeld, in das diese pikareske Erzählung der findigen, immer neue Risiken meisternden Halbwaisen eingebettet ist.

Nur konsequent, dass die malerischen, Wanderstimmung weckenden Naturaufnahmen des „Victor/Victoria“-Kameramanns Dick Bush regelmäßig auf Impressionen grau-brauner, matschig-staubiger Baracken, überfüllter Notunterkünfte und hungrig-ziellos wuselnder Menschen prallen!

Der Wolf stiehlt (fast) die Schau!

Das macht „Die Abenteuer der Natty Gann“ nicht gleich zu Agitkino: Rosenbergs Skript und Kagans Inszenierung sorgen dafür, dass sich dieser Historienhintergrund prägnant als bittere Zwischennote und dramatisches Echo entfaltet. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf das sentimental-rührende Abenteuer, das mit kleineren narrativen Veränderungen auch zu anderer Zeit und an anderem Ort spielen könnte. Salenger spielt dabei die nimmermüde, der Angst stur (und zuweilen naiv) entgegenlaufende Natty mit solch einer charmant-ruppigen, selbstverständlichen Attitüde, dass ihr nicht einmal „Being John Malkovich“-Star Cusack das Rampenlicht stehlen kann!

Da verdient sich der Wolfshund Jed schon prominenter seine Zeit im Fokus: Der tierische Ausnahmedarsteller, der auch in „Wolfsblut“ und „Das Ding aus einer anderen Welt“ zu sehen ist, strahlt potentielle Gefährlichkeit ebenso glaubhaft aus wie einen Beschützerdrang Natty gegenüber. Zudem besticht er in äußerst riskant aussehenden (vermeintlich aber ungefährlichen) Stunts, etwa wenn er eine Scheibe durchbricht, um Natty Zähne fletschend vor einem Kinderschänder zu schützen.

So rau „Die Abenteuer der Natty Gann“ zwischendurch sein kann: Die eher simple, seichte Filmmusik, die „Titanic“-Komponist James Horner als Ersatz für einen abgelehnten Elmer-Bernstein-Score geschrieben hat, überbrückt die Kluft zwischen der Depressions-Atmosphäre und der Abenteuerromantik – und das mal mehr, mal weniger stabil.

Wenn ihr nach „Die Abenteuer der Natty Gann“ ein weiteres Abenteuer sucht, das mit erstaunlicher Naturkulisse glänzt, dann gebt unserem folgendem Streaming-Tipp eine Chance!

Heute Abend streamen: Zwei Superstars in einem epischen Survival-Abenteuer in atemberaubender Landschaft

FILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.

*Bei diesem Link zu Disney+ handelt es sich um einen Affiliate-Link. Mit dem Abschluss eines Abos über diesen Link unterstützt ihr FILMSTARTS. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren