Heute Abend streamen: In dieser wahren Geschichte wird ein Abenteuer zum Albtraum
Monta Alaine
Monta Alaine
Bereits jung von ihrem Vater an Klassiker wie "Taxi Driver" und "Clockwerk Orange" herangeführt stand fest: Film sollte es sein. Nach diversen Stops in der Branche gilt ihre Liebe auch heute noch Hollywood-Kino à la Nolan und raffinierten Arthouse-Filmen.

Anfang der 1990er schmiss Christopher MacCandless alles hin und machte sich auf eine Reise, die ihn zuletzt in die rohe Wildnis Alaskas führte. Sean Penns Verfilmung seiner Story erlangte zurecht Kultstatus. Unser Streaming-Tipp: „Into The Wild“!

Jede*r von uns hat wohl schon mal davon geträumt, alles hinter sich zu lassen, den Rucksack zu packen und abzuhauen. Christopher MacCandless aka Alexander Supertramp machte seinen Traum vom Aussteigen wahr: Von einem auf den anderen Tag war er einfach von der Bildfläche verschwunden. Seine Geschichte, die nicht gut für ihn ausging, wurde anhand seiner Tagebuchnotizen rekonstruiert und das von Jon Krakauer erschienene Buch avancierte bald zu der Lektüre für Backpacker schlechthin.

14 Jahre später brachte Sean Penn den Stoff auf die große Leinwand, wo er allemal auch hingehört. Penn, bekannt für seine Rollen in „Mystic River“, „Gangster Squad“ oder „Milk“, lieferte als Regisseur sonst eher mäßig ab: Seine letzten Filme „Flag Day“ und „The Last Face“ kamen bei der Kritik nicht sonderlich gut weg. Into The Wild“ aber erlangte bald Kultstatus und ist ein Film, den man sich getrost mehrfach anschauen kann.

Darum geht es in "Into The Wild":

Christopher MacCandless (Emile Hirsch) hat seinen College-Abschluss gerade in der Tasche und die Schnauze voll von der Verlogenheit seiner Eltern wie auch der Gesellschaft im Allgemeinen. Er spendet all sein Erspartes, verbrennt den Rest und macht sich alleine auf die Reise. Auf seinem Weg findet er neue Freunde, darunter ein Hippie-Mädchen (Kristen Stewart) und den alten Ron (Hal Holbrook), der ihn adoptieren möchte.

Doch Chris, der sich nun Alexander Supertramp nennt, schlägt alle Angebote zum Verweilen aus. Sein Traum ist es, noch tiefer in die Wildnis vorzudringen, nach Alaska. Per Anhalter dorthin gelangt, muss er feststellen, dass die absolute Freiheit auch große Herausforderungen mit sich bringt: Er muss jagen und Überleben. Bis ihm eines Tages eine Pflanze zum Verhängnis wird ...

„Into The Wild“ ist für ein paar wenige Euro als Video-on-Demand bei Anbietern wie Amazon Prime Video, Apple TV oder im YouTube-Store zu haben

Solltet ihr Amazon-Prime-Kund*in sein, könnt ihr den Titel unter dem obigen Link übrigens ohne Aufpreis streamen. Dazu müsst ihr euch lediglich für den siebentägigen Gratis-Test des Arthaus-Channels anmelden. Sofern ihr nicht wieder stornieren wollt, werden nach dem Probezeitraum 3,99 Euro pro Monat fällig.

Allen die Interesse an mehr Hintergründen haben, sei allerdings die Blu-ray* ans Herz gelegt: Das Bonusmaterial enthält Interviews mit Sean Penn, Emile Hirsch und Jon Krakauer, in denen die Beteiligten erzählen, was sie zu dem Projekt inspirierte. Außerdem ist umfangreiches Behind-the-Scenes-Material enthalten, das einen Einblick in den Entstehungsprozess des Filmes gewährt.

Poetische Erzählweise und monumentale Naturbilder

„Into the Wild“ wird fragmentarisch, in Rückblenden, erzählt. So erfährt man, während der Film schon Geschehnissen in Alaska vorgreift, von den Zerwürfnissen von Chris mit seinen Eltern und davon, dass seine Schwester Carine (Jena Malone) seine einzige Vertraute ist. Sie ist es auch, die den Film im Voice-Over zu Ende erzählt.

Darüber hinaus wird die Geschichte mit Einblendungen von Chris’ Tagebucheinträgen, mit eingeritzten Buchstaben im Holz, mit Gedichten, die dem Film einen Rahmen geben, geschildert. Noch viel mehr lebt dieser aber durch seine Naturbilder: Die verschneite Landschaft Alaskas, wilde Pferde in South Dakota, der Colorado River, den Chris auf einem Kajak durchpaddelt, ein Güterzug, der durch den Sonnenuntergang schnellt.

Das Erzähltempo ist ruhig, beinahe kontemplativ – doch keinesfalls langweilig. Vielmehr entwickelt die Geschichte einen ganz eigenen Rhythmus, der uns mitträgt. Mitträgt durch die weiten Nordamerikas und doch immer ganz nah am Protagonisten bleibt.

Die Bilder, gerahmt von den Worten, entwickeln eine ganz eigene Poesie, vermitteln ein Freiheits- und „Amerika“-Gefühl, ähnlich wie es sich in „Nomadland“ mit Frances McDormand oder in „The Revenant“ mit Leo DiCaprio finden lässt.

Die große Freiheit wird zur großen Bedrängnis

Wie DiCaprio muss auch Chris sich den Widerständen der Natur stellen: Er muss essen, was sich eben so findet. Wir werden so Zeugen, wie er sich durch das Fleisch eines erlegten Hirsches wühlt. Nachdem er es nicht schafft, es haltbar zu machen, spricht er von „seiner größten Tragödie“.

Merkbar setzt die Einsamkeit ihm weiter zu, seine Notizen und Verewigungen wie ein Memo an sich selbst „Ich bin noch da.“ Immer mehr wird die Natur, die große Freiheit, zur ultimativen Bedrängnis. Als er ausbrechen und zurück in die Zivilisation will, versperrt das Schmelzwasser ihm den Weg...

Was letztlich bleibt, ist die schlichte Erkenntnis, dass Glück nur dann glücklich macht, wenn man jemanden hat, mit dem man es teilen kann. Unser Tipp also: Tut euch einen Gefallen und streamt den Film mit euren Liebsten.

Ihr wollt danach gleich noch einen weiteren Film sehen? Wie wäre es mit diesem hier?

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