"Ich habe mir ein großes Buch über Schafe gekauft": "Last Of Us"-Macher Craig Mazin über seine "Glennkill"-Vorbereitung
Stefan Geisler
Stefan Geisler
-Redakteur
Stefan liebt Film. Er vermisst die wöchentlichen Besuche in der Videothek, denn das ziellose Umherirren in den Gängen hat ihm Seherfahrungen wie "Donnie Darko" oder "Fear and Loathing in Las Vegas" beschert.
Mitarbeit von:
Markus Trutt

Craig Mazin ist das Mastermind hinter den niederschmetternden Serien-Highlights „Chernobyl“ und „The Last Of Us“. Mit „Glennkill: Ein Schafskrimi“ ist er nun in leichtfüßigere Gefilde zurückgekehrt. Uns steht der Autor im Interview Rede und Antwort.

Glennkill: Ein Schafskrimi“ ist nicht nur ein ungewöhnlicher Genrebeitrag, in dem ausgerechnet eine Herde Schafe (!) versucht, den Mord an ihrem geliebten Schäfer (Hugh Jackman) aufzuklären. Der Film ist vor allem auch ein launiges Abenteuer fürs Herz. Dass ausgerechnet „Chernobyl“- und „The Last Of Us“-Autor Craig Mazin für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, mag nur mit Blick auf seine gefeierten jüngeren Arbeiten überraschen, war Mazin zuvor doch vor allem für seine Arbeit im Comedybereich bekannt (u. a. bei „Scary Movie 3 & 4“ und „Hangover 2 & 3“).

Im Interview gibt der Emmy-Preisträger Einblicke in den Adaptionsprozess der Bestseller-Verfilmung und erklärt, warum der Film trotz sprechender Tiere eine tiefgründige Coming-of-Age-Geschichte über Verlust und das Erwachsenwerden ist. Mazin verrät uns, wie er sich durch Fachliteratur zum „Schaf-Experten“ las, warum die Kinofassung familienfreundlicher als die Romanvorlage ausfällt und wie er schließlich den Segen der zunächst „mysteriösen“ Schriftstellerin Leonie Swann erhielt.

Nach Gracie Newman
Nach "Chernobyl" und "The Last Of Us" liefert Craig Mazin mit "Glennkill" mal wieder etwas leichter verdauliche Kost.

FILMSTARTS: Was macht Schafe zu idealen Detektiven?

Craig Mazin: Schafe sind eigentlich keine idealen Detektive. Sie sind extrem naiv, verdrängen oft schwierige Dinge und haben ihre Weide meist noch nie verlassen. Aber genau deshalb macht es so viel Spaß, ihnen bei ihrer Entwicklung zu Ermittlern zuzusehen. Um den Fall zu lösen, müssen sie erwachsen werden und sich bestimmten harten Realitäten stellen … und dabei wachsen sie sowohl als Individuen als auch als Gruppe über sich hinaus.

FILMSTARTS: Welche anderen Tiere würdest du gerne als Ermittler in einer Detektivgeschichte sehen?

Craig Mazin: Ich denke, Maulwürfe könnten interessant sein. Sie sehen zwar nichts, aber ihre anderen Sinne sind sicher außerordentlich scharf ausgeprägt.

FILMSTARTS: Wie bist du zu diesem Projekt gekommen? Warst du bereits ein Fan des Romans?

Craig Mazin: Lindsay Doran, die Produzentin, kam zu mir und sagte: „Hey, ich habe hier ein Buch. Es heißt ,Three Bags Full‘ [der englische Originaltitel der „Glennkill“-Vorlage], und es ist ein Krimi, in dem Schafe den Mord an ihrem Schäfer aufklären müssen.“ Und ich sagte sofort: „Ich bin dabei.“ Daraus resultierend begann ich, das Vertrauen zu finden, eine Geschichte zu erzählen, die so ehrlich wie möglich wiedergibt, wer ich bin und was ich über die menschliche Natur sagen wollte.

Glennkill: Ein Schafskrimi
Glennkill: Ein Schafskrimi
Starttermin 14. Mai 2026 | 1 Std. 50 Min.
Von Kyle Balda
Mit Hugh Jackman, Nicholas Braun, Nicholas Galitzine
User-Wertung
3,4
Filmstarts
3,5
Vorführungen (638)

FILMSTARTS: Wie hast du dich auf die Arbeit am Film vorbereitet? Hast du Schafe studiert?

Craig Mazin: Ich habe mir ein großes Buch über Schafe gekauft und es komplett gelesen, und dann habe ich viel online über Schafe recherchiert. Wir haben ziemlich viel gelesen, sogar die Hintergründe zum Konzept der Winterlämmer und dazu, ob Lämmer innerhalb oder außerhalb der Saison geboren werden. Das war für die Animation sehr wichtig.

FILMSTARTS: Hattest du beim Schreiben bereits eine bestimmte Besetzung im Kopf?

Craig Mazin: Ich stelle mir jedes dieser Schafe so vor, dass es eine bestimmte Funktion erfüllt. Sie brauchen einen Antrieb, einen Zweck. Aus diesem Wesenskern heraus habe ich mich dann gefragt: Okay, wie würden sie wohl klingen?

FILMSTARTS: Hattest du Mitspracherecht bei der Auswahl der Synchronsprecher?

Craig Mazin: Ja. Alle bei Working Title und MGM sowie unsere Produzentin Lindsay Doran waren so freundlich, mich in den Prozess der Auswahl der Sprecher einzubeziehen.

Die "Glennkill"-Autorin gab ihren Segen

FILMSTARTS: Hattest du Kontakt zu Leonie Swann und war sie mit den Änderungen einverstanden?

Craig Mazin: Frau Swann war für mich lange Zeit eine mysteriöse Person, weil es viele Jahre dauerte, bis wir überhaupt die Rechte an dem Buch bekamen. Als es endlich so weit war, erzählte mir unsere Produzentin, dass Frau Swann es vorzog, mich den Roman so frei adaptieren zu lassen, wie ich möchte ... und das tat ich dann auch. Aber als ich sie schließlich traf, war ich sehr dankbar, ihr sagen zu können, wie sehr mich der Roman bewegt hat und wie wichtig die Vorlage natürlich für die Adaption war. Erfreulicherweise liebt sie den Film, sodass dies die bestmögliche Art für unser erstes Treffen war.

FILMSTARTS: Warum hast du die Geschichte familienfreundlicher gestaltet und dich von den düsteren Elementen entfernt?

Craig Mazin: Die Art des Rätsels im Roman ist in Bezug auf den Täter und den Hergang etwas erwachsener, als wir es für einen Film für alle Altersgruppen für angemessen hielten. Der Tod ist Teil von Kindergeschichten. Wir halten uns nicht lange damit auf und zeigen sicherlich nichts Grafisches oder Verstörendes. Es geht vielmehr darum, Dinge über das Leben zu lernen – dass es manchmal okay ist, schlechte Gefühle zu haben, weil damit auch wunderschöne Erinnerungen einhergehen.

Nanu?! In Amazon MGM Studios
Nanu?! In "Glennkill" werden Schafe zu Detektiven.

FILMSTARTS: Glaubst du, dass es wichtig ist, auch in leichteren Filmen Stellung zu beziehen?

Craig Mazin: Wenn mich Leute fragten, worum es in diesem Film geht, sagte ich ihnen, es sei eine Coming-of-Age-Geschichte. Die Dinge, die sie lernen, sind schwierig. Sie lernen etwas über Sterblichkeit, Trauer und Verlust. Man verhindert, dass der Film zu belehrend wirkt, indem man den Fokus auf die Figuren und ihre Beziehungen legt. Es ist keine Botschaft, es geht einfach nur ums Erwachsenwerden.

FILMSTARTS: Wärst du daran interessiert, auch die Fortsetzung zu adaptieren?

Craig Mazin: Das ist möglich! Warten wir erst einmal ab, wie dieser Film ankommt!

„Glennkill: Ein Schafskrimi“ läuft seit dem 14. Mai 2026 in den deutschen Kinos. Den Trailer zum Film könnt ihr euch nachfolgend auch noch mal im englischen Original anschauen:

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