15 Jahre und 15 Staffeln – von solchen Serien-Laufzeiten hört man mit Blick auf die heutige Serienlandschaft mit deutlichem Überangebot und dünnem Geduldsfaden der Streaminganbieter nur noch selten.
Doch die Krankenhaus-Drama-Serie „Emergency Room – Die Notaufnahme“ (1994-2009) hat in den 1990ern vorgemacht, wie sich mit einem hervorragenden Cast, einem guten Skript und empathischem Realismus bis zuletzt hochspannend seriell erzählen lässt.
Wer in den 1990ern noch verhindert war oder einfach zu jung, um sich für „Emergency Room“ zu begeistern, kann dies nun nachholen. Ab sofort gibt es alle 15 Staffeln auf Netflix zu schauen!
Alltäglicher Kampf um Leben und Tod
„Emergency Room“ spielt in der Notaufnahme des fiktiven Krankenhauses County General Hospital in Chicago. Zu Beginn der ersten Staffel wird die Notaufnahme von Dr. Mark Greene (Anthony Edwards) geleitet, der verheiratet, Vater einer Tochter und chronisch überarbeitet ist. Einer seiner engsten Kollegen auf der Station ist der Kinderarzt Dr. Doug Ross, gespielt von George Clooney, der während der Laufzeit von Serie zum umschwärmten Star avancierte.
Ross hatte mal eine kurzlebige Beziehung mit Oberschwester Carol Hathaway (Julianna Margulies), das Verhältnis zwischen ihnen bleibt flirty, doch im stressigen Betrieb der Notaufnahme kehren sie stets zum Ernst zurück. Ganz neu in die Station trifft der junge medizinische Praktikant John Carter (Noah Wyle) ein, den sich der chirurgische Assistenzart Dr. Peter Benton (Eriq La Salle) zur Brust nimmt.
Warner Bros. Television
Dramatisch, nicht melodramatisch
Jede Folge von „Emergency Room“ stellt den fordernden Alltag einer deutlich überlasteten Notaufnahme dar, in die ein allerlei an Patienten mit akuten Beschwerden, Unfall- und Gewaltopfer eintrifft. Unter enormem Zeit- und Entscheidungsdruck werden diese von den Ärzten und Krankenpflegern versorgt und meist geht es um Leben und Tod.
Der Tonfall der Serie ist dramatisch, mitunter sehr lustig und stets mitfühlend, wendet sich aber nie ins Melodramatische. Zugleich wird das Privatleben der Hauptfiguren beleuchtet, das meist von den extremen Anforderungen ihres Berufs, den langen Schichten und den psychischen Belastungen überschattet wird. Beziehungen zu Partnern, Kindern und Freunden leiden merklich, nur wenige kämpfen sich zu einer hinreichenden Balance zwischen Privat- und Berufsleben vor.
Populär, ausgezeichnet – und nachgeahmt?
Die Idee zu „Emergency Room“ stammt vom Bestseller-Autor Michael Crichton, der die Vorlage zu Steven Spielbergs „Jurassic Park“ lieferte und beim von ihm geschriebenen Sci-Fi-Film „Westworld“ selbst Regie führte. Nach Crichtons Tod im Jahr 2008 bewegte sich auch „Emergency Room“ aufs Ende zu, die Quoten hatten ohnehin ab der 11. Staffel spürbar nachgelassen und vom ursprünglichen Cast blieben nur wenige Figuren erhalten.
Mit der letzten 2009 ausgestrahlten Folge konnten die Macher hinter „Emergency Room“ auf 331 Episoden, 23 gewonnene Emmy Awards und einen Golden Globe zurückblicken. Der Ruf als eine hochqualitative, hochspannend inszenierte Serie blieb „Emergency Room“ erhalten – vielen Fans und Kritikern gilt sie gar als beste Krankenhaus-Serie überhaupt.
Vielleicht lag es an diesem Ruf, dass Sherri Crichton, die Witwe von Michael Crichton, einer Neuauflage von „Emergency Room“ skeptisch gegenüberstand und Bestrebungen hierzu 2020 ins Nichts führten. Als dann 2024 bekannt wurde, dass die Serie „The Pitt“ ebenfalls in einer Notaufnahme spielen sollte, noch dazu den „Emergency Room“-Produzenten John Wells als Showrunner und Noah Wyle in einer Hauptrolle hatte, veranlasste das Sherri Crichton zur Klage. Der Vorwurf lautet, „The Pitt“ sei eine Nachahmung von „Emergency Room“ und nur entstanden, weil es zuvor zu keiner Vereinbarung über eine Neuauflage der Original-Serie gekommen war.
Wie dieses Gerichtsverfahren ausgehen wird, ist noch unklar. Thematische und stilistische Parallelen zwischen „Emergency Room“ und „The Pitt“ wird man mit Sicherheit feststellen können – was aber auch daran liegen könnte, dass überlastete und unterfinanzierte Krankenhäuser in einem maroden Gesundheitssystem leider ein zeitloses Thema darstellen.
Wer nach noch mehr überragenden Krankenhausserien brennt, sollte in diese Empfehlung hineinschauen:
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