Mit „Masters Of The Universe“ kommt endlich ein neuer Film um den Cartoon-Helden He-Man in die Kinos. Doch der Weg bis hierhin war lang und steinig – schließlich befindet sich das Projekt seit gut 20 Jahren in der Entwicklung. Unter der Regie von "Bumblebee"- und "Kubo - Der tapfere Samurai"-Macher Travis Knight wird nun die Fantasy-Welt von Eternia auf der großen Leinwand lebendig.
FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler hatte die Möglichkeit, Travis Knight zum Interview zu treffen und ihn nach den Schwierigkeiten zu Fragen, die die Arbeit an so einem Fantasy-Großprojekt mit sich bringt. Schließlich ist He-Man inzwischen etwas in die Jahre gekommen und dürfte gerade jüngeren Zuschauer*innen nicht mehr unbedingt bekannt sein. Außerdem wollten wir wissen, ob es eigentlich noch andere Spielzeugreihen gibt, die unbedingt einmal den Sprung auf die große Leinwand schaffen sollten.
Privat
FILMSTARTS: Mit Bumblebee und He-Man hast du also bereits zwei Figuren aus der Spielzeugwelt auf die Leinwand gebracht. Welches Spielzeug würdest du sonst noch gern zum Leben erwecken?
Travis Knight: Es gibt so viele Werke aus den 80ern, die meiner Meinung nach eine Verfilmung für die große Leinwand verdienen. Ich habe „ThunderCats“ und „M.A.S.K.“ geliebt. Ich weiß gar nicht, ob man die Serien in Deutschland kennt. Und auch auf eine „G.I.-Joe“-Adaption, die der Vorlage und der Cartoonserie gerecht wird, warte ich noch. Aktuell habe ich nicht vor, eine weitere Spielzeugadaption zu machen, aber wer weiß, wohin das Leben einen führt.
FILMSTARTS: „He-Man“ steckte lange Zeit in der Entwicklungshölle fest. In welchem Zustand befand sich das Projekt, als du es übernommen hast? Gab es schon Vorarbeiten, auf die du aufbauen konntest, oder musstest du bei null anfangen?
Travis Knight: Fast 20 Jahre lang wurde versucht, diesen Film zu realisieren. Unglaublich. Das ist wirklich irgendwie verrückt. Dieses Projekt hat etwas ganz Einzigartiges an sich – und bringt gewaltige Herausforderungen mit sich: Man braucht passende Produzenten, die sich dafür engagieren; ein Studio, das bereit ist, dieses Risiko einzugehen; sowie einen Filmemacher, der die Vorlage kennt und liebt. Für mich ist es natürlich gut gewesen, dass sie es vorher nicht umsetzen konnten, denn so hatte ich das Glück, diesen Film zu drehen.
In den 20 Jahren, in denen sich das Projekt in der Entwicklung befand, wurden auch viele Drehbücher geschrieben. Es gab ein bestehendes Skript, das mein Interesse an dem Projekt geweckt hat. Es wurde von David Callaham sowie Aaron Nee und Adam Nee geschrieben. Das war clever, witzig und sehr unterhaltsam. Wir haben einige Teile aus dem Skript übernommen. Dennoch war es nicht die Geschichte, die ich erzählen wollte. Es war nicht meine Version von He-Man. Für mich war es wichtig, eine Geschichte zu erzählen, die dem entsprach, was „Masters Of The Universe“ meiner Meinung nach wirklich ausmacht. Die erste Person, die ich dazu geholt habe, um mir bei der Ausarbeitung der Geschichte und der Figuren zu helfen, war mein kreativer Partner bei Laika, Chris Butler. Wir haben das Ganze über mehrere Monate hinweg gemeinsam ausgearbeitet. Es war eine unglaubliche Reise.
Mattel
FILMSTARTS: „He-Man“ verkörpert wie kaum eine andere Serie den Geist der Zeichentrickfilme der 1980er. War es schwierig, diese Serie in eine neue Ära zu übertragen?
Travis Knight: Das war es definitiv. He-Man und die „Masters Of The Universe“-Serie sind diese pure, ungeschliffene 80er-Jahre-Exzessivität. Es ist abgedreht, es ist verrückt, es ist völlig seltsam, und doch ist es wunderschön. Als Fan möchte man natürlich würdigen, was die Leute wollen, was sie erwarten und was sie an dem Stoff lieben. Und doch wollte ich einen Film machen, der für jeden funktioniert, egal ob man die Vorlage kennt oder nicht. In diesem Fall ist es hilfreich, alles durch die Augen eines Kindes zu betrachten, denn als ich He-Man entdeckte, wusste ich nichts darüber. Es war alles ganz neu für mich. Diese Neuheit, diese Frische und diese Aufregung darüber, eine verrückte Welt zu entdecken, die ich noch nie zuvor erlebt hatte – all das wollten wir auch in den Film einfließen lassen.
FILMSTARTS: Ihr habt euch entschieden, die Kostüme nah am Original zu halten. War es schwierig, alle von dieser Designentscheidung zu überzeugen?
Travis Knight: Nein, tatsächlich nicht. Das hat mich bei jedem Schritt dieses Films am meisten überrascht: Die Produzenten, das Studio und Mattel haben unsere Vision voll und ganz unterstützt. Für mich ist es einfach unglaublich, dass wir diesen Film machen konnten, ohne irgendwo auf größeren Widerstand zu stoßen. Wir haben inzwischen so viele Superheldengeschichten gesehen, in denen die Dinge irgendwie ins Mittelmaß abgleiten. In denen alles ein bisschen farblos wird und die Ecken und Kanten geglättet werden. Ich wollte eine wunderschöne, moderne Filmversion dieser Figuren, Kostüme, Requisiten und Schauplätze schaffen.
Es sollte so werden, wie es mein achtjähriges Ich geliebt hätte. Deshalb mussten die Figuren eindeutig zu erkennen sein – auch wenn wir natürlich leichte Anpassungen vornehmen mussten. Ich konnte mich einfach nicht damit anfreunden, Nicholas Galitzine in pelzige Hotpants und pelzige Stiefeln zu stecken, so sehr ich es auch wollte. Aber wir haben eine Silhouette entwickelt, die die Formensprache des Designs würdigt – mit Gladiatorenrock und Geschirr.
FILMSTARTS: Wie lange hat es gedauert, den perfekten He-Man zu finden?
Travis Knight: Es ging tatsächlich überraschend schnell. Dabei hatte ich mir darum vorab die größten Sorgen gemacht. Bei der Suche nach Adam beziehungsweise He-Man kam es darauf an, einen Schauspieler zu finden, der alle Eigenschaften der Figur verkörpert. Wenn die Leute an He-Man denken, denken sie in erster Linie an den Körper. An diese unglaubliche Statur, die breiten Schultern, an Arme, die glänzen wie Schinken, und die wogenden Brustmuskeln. Ich könnte endlos so weitermachen. Für mich geht es aber um die Seele, um den Geist der Figur. Ich musste jemanden finden, der verletzlich wirkt, witzig, charmant und charismatisch ist und emotional unverfälscht sein kann. Gleichzeitig musste er ein muskulöser Actionheld sein. Das ist eine hohe Hürde.
Als ich Nick zum ersten Mal traf, wusste ich sofort, dass er der Richtige war. Ich hatte ihn schon in einigen Netflix-Romanzen gesehen, aber er hatte noch nie einen Actionhelden gespielt. Er hat sich als großartiger, charismatischer Schauspieler erwiesen. Für He-Man musste er sich natürlich erst einmal in Form bringen. Jeden Tag ins Fitnessstudio, Gewichte stemmen, Cardio-Training absolvieren, eine Diät einhalten und Stunttraining machen. Er hat sich einfach den Arsch aufgerissen, um in Form zu kommen.
FILMSTARTS: Wie bist du auf die Idee gekommen, Adam zu einem HR-Manager zu machen?
Travis Knight: Es fühlte sich einfach so an, als würde das ganz natürlich zu seinen Instinkten und seiner Sensibilität passen. Er wächst ja in dieser sehr machohaften, männlich geprägten Welt auf, in der die Menschen Dinge mit den Fäusten lösen. Die Leute streben dort ständig nach Macht. Es ist eine Art verkörperter Machismo, und das entspricht überhaupt nicht seinem Wesen. Er ist ein sensibler, einfühlsamer Junge. Er sucht gern nach Gemeinsamkeiten, spricht Probleme gern offen an – und deshalb fühlte es sich wie eine natürliche Weiterentwicklung an, ihn in einen Bereich zu führen, in dem seine natürlichen Eigenschaften zur Geltung kommen können. Außerdem war es für uns eine Möglichkeit, ein wenig frech mit der modernen Kultur zu spielen.
Sony
FILMSTARTS: Wie kam es zu der Entscheidung, Jared Leto als Skeletor zu besetzen?
Travis Knight: Jared ist tatsächlich auf uns zugekommen. Er hat mich angesprochen. So etwas passiert so gut wie nie. Aber ich glaube, das lag daran, dass er sich wirklich für das Material begeisterte. Er ist wie ich ein Kind der 1980er. Er ist mit der Liebe zu „Masters Of The Universe“ aufgewachsen. Besonders Skeletor hatte es ihm angetan. Er wollte die Rolle unbedingt spielen, und ihm war auch klar, dass das bedeutet, die Eigenschaften zu würdigen, die wir alle an Skeletor lieben. Er sieht verdammt cool aus, ist witzig, zugleich furchteinflößend und einschüchternd und im Inneren zutiefst unsicher. Dann hat er noch diese unverwechselbare Stimme und dieses schrille Lachen. Wir wollten Alan Oppenheimer [Anm. d. Red.: Sprecher des Original-Skeletor] nicht imitieren, sondern unsere eigene moderne Version der Figur erschaffen.
Jared wollte unbedingt einen ikonischen Bösewicht spielen, und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Es ist eine Kombination aus seinen schauspielerischen Fähigkeiten und der Bescheidenheit zu wissen, dass sein Gesicht niemals auf der Leinwand zu sehen sein würde, denn Skeletor ist nun einmal ein sprechender Totenkopf. Ich hatte nicht erwartet, dass Jared sich für die Rolle die Haut vom Gesicht ziehen würde, also musste es ein computergeneriertes Gesicht werden (lacht).
FILMSTARTS: Ich muss einfach fragen: Was für einen Akzent hat Jared Leto als Skeletor? Ist das Schottisch?
Travis Knight: Es ist ein selbst erfundener Akzent. Ein Akzent, den sonst niemand im Film hat. Alle anderen Figuren sprechen akzentfreies amerikanisches Englisch, aber es passte einfach zu jemandem, der so theatralisch ist und ständig versucht, Aufmerksamkeit zu erregen. Und eine der Methoden, mit denen er das tut, besteht darin, diese Stimme anzunehmen.
„Masters Of The Universe“ läuft seit dem 4. Juni in den deutschen Kinos.
Unbedingt sitzen bleiben: Wir erklären euch die zwei (!) "Masters Of The Universe"-AbspannszenenUnsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.