Viel besser als die "Avatar"-Fortsetzungen: James Cameron zeigt endlich wieder, was er kann – bald auch im Heimkino!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

So gut war „Terminator“-Regisseur James Cameron lange nicht: Sein Konzertfilm „Billie Eilish – Hit Me Hard And Soft: The Tour“ versetzt uns mitten in ein energiereiches Musikerlebnis. Und das bald auch im Heimkino!

Zum jetzigen Zeitpunkt haben nur zwei Regisseure mit ihrer Filmvita für Kinoeinnahmen von alles in allem mehr als zehn Milliarden Dollar gesorgt: Steven Spielberg und der selbsternannte „König der Welt“, James Cameron. Letzterer befindet sich seit „Titanic“ aus wirtschaftlicher Sicht in einer Hochphase: Vier seiner Spielfilme nacheinander knackten an den Kinokassen mühelos die Milliarden-Dollar-Grenze (drei davon nahmen sogar die Zwei-Millarden-Dollar-Hürde)!

Doch zumindest der Verfasser dieses Heimkino-Tipps kann mit Camerons Erfolgslauf wenig anfangen: Die Liebesgeschichte in „Titanic“ überzeugt mich nicht, die „Avatar“-Fortsetzungen finde ich sterbenslangweilig. Und „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ beeindruckt in 3D auf der Kinoleinwand, lässt mich sonst jedoch kalt. Da hat mich Camerons neuster Film deutlich mehr überzeugt:

Billie Eilish – Hit Me Hard And Soft: The Tour“ wird von mir an einem diplomatischen Tag über die „Avatar“-Sequels gestellt, an einem provokanten Tag würde ich sogar behaupten, dass er das Beste ist, was Cameron nach „True Lies“ inszeniert hat. Wer sich im Kino noch nicht davon überzeugt hat, muss etwas Geduld mitbringen: „Billie Eilish – Hit Me Hard And Soft: The Tour“ ist bereits auf Blu-ray vorbestellbar – der konkrete Veröffentlichungstermin steht jedoch noch in den Sternen!

Das ist "Hit Me Hard and Soft"

Die Co-op Live Arena in Manchester: „No Time To Die“-Interpretin Billie Eilish hat vier Auftritte angekündigt. Sie sind komplett ausverkauft – und „Terminator 2“-Regisseur James Cameron ist mit seinem Kamerateam mit von der Partie. Es begleitet die Aufbauarbeiten, stromert hinter den Kulissen herum, braust mit dem Pop-Superstar durch das Labyrinth unter der Bühne, fragt die Fans, was ihnen Eilishs Musik bedeutet, und fängt natürlich das audiovisuelle Musikereignis aus zahlreichen, imposanten Winkeln ein.

Dadurch, wann und wie Cameron die Hinter-den-Kulissen-Einblicke und die Fanstimmen als zusätzliche Pausen ungelenk in die Setlist hebelt, verpasst „Billie Eilish – Hit Me Hard And Soft: The Tour“ den Einzug in die absolute Oberliga des Konzertfilm-Genres. Das bei Seite geschoben, sind die Interview- und Making-Of-Passagen kurzweilig und zuweilen emotional geraten. Und wie Cameron, von Eilishs Feedback angeleitet, das Konzert einfängt, ist eine Wucht: Multiperspektivisches Lichtshow-Spektakel, Impressionen von Eilishs Rampensauqualitäten, kollektives Schluchzen – jede Nummer wird inszenatorisch top unterstrichen.

Und „Billie Eilish – Hit Me Hard And Soft: The Tour“ endet mit dem vielleicht besten, unfreiwilligen Gag des Filmjahres 2026: Viele Minuten, nachdem James Cameron der Chartstürmerin versprochen hat, ihr im Abspann ganz groß und vorrangig den Regie-Credit zu geben und seinen Namen bloß winzig klein als zweites zu nennen, endet der Konzertfilm damit, dass ganz alltäglich Camerons Ego gestreichelt wird. Es ist Billies Tour, aber immer noch James' Welt.

Bleibt nur noch zu hoffen, dass irgendwann auch eine 3D-Blu-ray nachgelegt wird, um das Erlebnis daheim vollständig wieder aufleben lassen zu können. Bis dahin können sich 3D-Fans vielleicht hiermit trösten:

Heimkino-Hammer: Nach drei Jahren Wartezeit könnt ihr dieses bildgewaltige Fantasy-Abenteuer endlich wieder wie im Kino erleben

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