Auch 13 Jahre nach seinem Tod ist Roger Ebert der wahrscheinlich bekannteste Filmkritiker der Welt. Über vier Jahrzehnte prägte er die Filmkritik in den USA, gewann als erster Filmkritiker überhaupt einen Pulitzer-Preis und machte durch seine TV-Auftritte Millionen Menschen mit Filmen vertraut, auf die sie sonst vielleicht nie gestoßen wären. Bis heute gelten seine Texte und Bestenlisten für viele Filmfans als wichtige Orientierungshilfe.
Auf der Seite rogerebert.com (die seit Eberts Tod von seiner Witwe Chaz Ebert und einem Team renommierter Filmkritiker*innen weitergeführt wird) kann man noch immer zahlreiche Artikel und Listen des Journalisten finden – unter anderem die laut Ebert „zehn besten Filme aller Zeiten“.
Dazu zählen kanonisierte Klassiker wie „Citizen Kane“, „Casablanca“, „Der dritte Mann“, „2001: Odyssee im Weltraum“ oder „Wie ein wilder Stier“ – aber auch so manches Werk, das im direkten Vergleich noch immer ein Schattendasein fristet. In diese Kategorie zählt sicherlich „Abschied in der Dämmerung“ (1959) von Yasujirô Ozu, dem großen japanischen Meister der Alltagspoesie.
Zwar wird der ungemein produktive Filmemacher – in seiner 35 Jahre währenden Karriere drehte er 54 Filme, von denen allerdings einige als verloren gelten – von vielen Cinephilen sowie Regie-Größen wie Martin Scorsese, Paul Schrader, Jim Jarmusch, Claire Denis oder Richard Linklater verehrt. Doch gerade in Deutschland ist er noch immer weitgehend unbekannt. Kein Wunder: Aktuelle DVD- oder Blu-ray-Veröffentlichungen seiner Filme sucht man vergeblich, und auch im Streaming findet sich von Ozu kaum eine Spur.
Wer will, kann eine Handvoll seiner Werke (darunter seinen wohl berühmtesten Film, „Die Reise nach Tokio“) kostenlos auf Plex im japanischen Originalton mit englischen Untertiteln streamen. Wir können es nur empfehlen!
Doch zurück zu „Abschied in der Dämmerung“, der zurzeit ebenfalls auf Plex erhältlich ist und mit dem Ozu ein Remake seines eigenen Stummfilms „A Story Of Floating Weeds“ von 1934 drehte: Im Mittelpunkt steht der Schauspieler Komajuro (Ganjirō Nakamura), der mit seiner reisenden Theatertruppe in ein kleines Küstenstädtchen zurückkehrt. Dort besucht er Oyoshi (Haruko Sugimura), mit der ihn seit Jahren eine heimliche Beziehung verbindet. Ihr gemeinsamer Sohn Kiyoshi (Hiroshi Kawaguchi) weiß allerdings nicht, dass Komajuro sein Vater ist. Als eine junge Schauspielerin der Truppe eine Beziehung zu Kiyoshi eingeht, geraten die sorgfältig bewahrten Geheimnisse zunehmend ins Wanken.
Darum liebte Roger Ebert "Abschied in der Dämmerung" und Yasujirô Ozu
„Ich erwarte nicht, dass viele Leser von diesem Film oder von Yasujirō Ozu, seinem Regisseur, gehört haben“, leitet Ebert seinen Text ein – und begründet anschließend, warum er „Abschied in der Dämmerung“ zu einem der zehn besten Filme aller Zeiten gekürt hat. „[...] Dieser japanische Meister, der von 1903 bis 1963 lebte und dessen produktive Karriere die Stumm- und Tonfilmzeit umspannte, sah die Welt durch seine Filme auf eine Weise, wie sie niemand sonst sah. Kinobesucher machen sich gewöhnlich keine Gedanken darüber, was eine Nahaufnahme oder ein Reaction-Shot ist. Sie haben diese Filmsprache bereits in ihrer Kindheit gelernt, und sie wurde von D. W. Griffith systematisiert und populär gemacht, dessen Filme überall auf der Welt studiert wurden – außer in Japan, wo sich zeitweise ein ganz eigener visueller Stil zuz entwickeln schien.“
Ebert fährt fort: „Ozu entwickelte seinen Stil vollkommen eigenständig und änderte ihn nie; seine Filme zu sehen bedeutet, in eine völlig alternative Filmsprache einzutauchen. ‚Abschied in der Dämmerung‘ ist, wie viele seiner Filme, von einer trügerischen Einfachheit. […] Ozu erschafft eine Atmosphäre friedlicher Gelassenheit, voller Musik, Prozessionen und entspannter Gespräche, um dann die verborgenen emotionalen Geheimnisse seiner Figuren aufzubrechen, wodurch sie ihr wahres Wesen offenbaren. All dies geschieht mit hypnotischer visueller Schönheit.“
Dem lässt sich wenig hinzufügen! Also verweisen wir an dieser Stelle lieber auf den folgenden Artikel, der sich ebenfalls um einen der besten Filme aller Zeiten dreht:
Einer der besten (und wichtigsten!) Filme aller Zeiten: Dieses 4-Stunden-Meisterwerk war so brisant, dass es jahrelang aus dem Fernsehen verbannt wurdeUnsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.