Wer ist für euch der bedeutendste Regisseur aller Zeiten? Christopher Nolan, der „Architekt des modernen Kinos“? Oder doch eher Suspense-Meister Alfred Hitchock oder „Pate“-Macher Francis Ford Coppola? Was ist mit Steven Spielberg und Martin Scorsese? Nicht zu vergessen: Quentin Tarantino, das legendäre „Entfant Terrible Hollywoods“.
Fraglos, all diese Filmemacher waren/sind wegweisend für die Entwicklung des Kinos und haben ihren festen Platz in der Filmgeschichte. Doch schaut man sich einmal bei der US-Kritiken-Sammelseite Rotten Tomatoes um, stößt man auf einen Mann mit etlichen Top-bewerteten Filmen. Eine Regie-Ikone, die bei obiger Ausgangsfrage viele wohl nicht auf der Rechnung haben. Die Rede ist vom Japaner Akira Kurosawa („Die sieben Samurai“), der so viele High-Scores auf seine Filme verbuchen kann, wie nur wenige andere.
Kurosawa: Der Liebling der Kritiker
Fünf Kurosawa-Filmen erlangen aktuell (Stand: 7. Mai 2026) den sagenhaften Höchstwert von 100 Prozent positiven Bewertungen: „Sanjuro“, „Die Bösen schlafen gut“, „Ein streunender Hund“, „Kein Bedauern für meine Jugend“, „Die sieben Samurai“. Dahinter folgen acht weitere Arbeiten, die die 90 Prozent zum Teil deutlich überschritten haben – und damit immer noch als Meisterwerke gelten.
An der 100-Prozent-Marke kratzen mit „Rashomon“ (98 Prozent) und „Ikiru“ (98 Prozent) zwei seiner wichtigsten, prägendsten Filme. Der 1998 im Alter von 87 Jahren verstorbene Regisseur war für seine virtuosen, meisterhaft fotografierten Samurai-Epen und Historienfilme („Sanjuro“) sowie tiefgründigen, oft von Shakespeare inspirierten Dramen („Ran“, siehe Artikelfoto) berühmt. Er war hauptverantwortlich dafür, dass Japan ab den 1950er-Jahren als Filmnation bekannt wurde und immer mehr Beachtung erfuhr.
Nun ist es natürlich schwer, die Qualität oder Beliebtheit einzelner Filmemacher und ihrer Werke allein über Rotten Tomatoes aussagekräftig zu untersuchen und glaubhaft abzuleiten. Zumal anspruchsvolle, experimentelle Filme für ein interessiertes Publikum (wie sie Kurosawa oft gemacht hat) mit wenigen Rezensionen in der Regel leichter an die 100 Prozent kommen als ein Mainstream-Popcorn-Movie eines Spielberg, bei dem 200 oder mehr Kritiken ausgewertet werden. Wenn man schon Vergleiche anstellt, dann sollten die jeweiligen Filmemacher mindestens ähnlich lang aktiv gewesen sein und eine halbwegs vergleichbare Anzahl an Filmen realisiert haben.
Einer der besten Western aller Zeiten: Er hat 100 Prozent bei Rotten Tomatoes – und ist trotz dreier Hollywood-Ikonen viel zu unbekannt!Und das trifft bei Kurosawa, Scorsese und Spielberg kurioserweise ziemlich exakt zu. Kurosawa war rund 55 Jahre aktiv und drehte in dieser Zeit 30 Filme. Fast genauso lang ist Blockbuster-Regisseur Spielberg („E.T.“) im Filmbusiness tätig und auch die Anzahl der Filme ist mit denen Kurosawas beinahe vergleichbar (Spielberg drehte bislang 35 Spielfilme).
Scorseses Karriere währt seit fast 60 Jahren und er drehte fast 30 Filme. Beim Rotten-Tomatoes-Vergleich haben Spielberg und Scorsese gegen Kurosawa aber keine Chance: Während, wie oben schon erwähnt, fünf Kurosawa-Filme (darunter natürlich auch der unvergängliche Klassiker „Die sieben Samurai“) den Bestwert erhalten, sind es bei Spielberg und Scorsese: 0. Dokus über die Regisseure oder über die Entstehungsgeschichte einzelner Filme haben wir außen vor gelassen.
Inspiration für Scorsese, Spielberg & Tarantino
Bei derart vielen einflussreichen Filmen verwundert es kaum, dass Kurosawa nachfolgende Generationen sowie etliche Wegbegleiter und Kollegen maßgeblich geprägt hat. Darunter auch Spielberg, Scorsese und Tarantino. Spielberg und Kurosawa waren viele Jahre eng befreundet. Der heute 79-jährige Kinomagier war es, der Kurosawa 1990 den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk überreichte und eine emotionale Laudatio hielt. Im selben Jahr produzierte er zudem Kurosawas Episodenfilm „Träume“.
In „Träume“ wirkte der spätere Oscar-Gewinner Martin Scorsese („The Departed“) in einer Nebenrolle als Maler-Genie Vincent van Gogh mit. Der 83-Jährige nennt Kurosawa in Interviews und Dokus (z.B. in „Kurosawa's Way“) immer wieder als Inspirationsquelle. Scorsese zufolge habe er von Kurosawa gelernt, dass man „als Künstler bis zum letzten Atemzug ein Schüler bleibt und nie aufhören darf, zu lernen und neugierig zu bleiben“ (via Far Out Magazin). Und Quentin Tarantino drückt seine Bewunderung für den asiatischen Meisterregisseur schlichtweg durch seine Filme aus. Sein Debüt „Reservoir Dogs“ und auch der jüngst in der lang ersehnten Extended Version wiederveröffentlichte „Kill Bill“ sind deutlich von Kurosawas Stil und der Ästhetik seiner Filme beeinflusst.
Tarantino ist bekannt für sein gewaltiges Filmwissen und sein Faible für abseitige Genres und experimentelle Filme fern des Mainstreams. Einen solchen Film zeigte er Brad Pitt zur Vorbereitung auf den Oscar-Abräumer „Inglourious Basterds“. Darin treffen Untote auf Haie (!):
Diesen lange verbotenen Horrorfilm mit Haien und Zombies muss man laut Quentin Tarantino gesehen haben: Er hat ihn sogar Brad Pitt gezeigtFILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover, um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.