Nur wenige Schauspieler erzeugen auf der Kinoleinwand eine vergleichbare Sogkraft wie Denzel Washington, der selbst schwächere Filme allein durch sein Charisma zu tragen vermag. Wenn man dem zweifachen Oscar-Preisträger allerdings doch einen Vorwurf machen darf, dann den, dass seine Rollenauswahl fast immer demselben Muster folgt.
Zwar verkörpert der 71-Jährige von Zeit zu Zeit auch Protagonisten mit gewissen Grautönen, wie etwa in „Training Day“ oder „Flight“, doch stehen sie in der überwiegenden Mehrzahl seiner Filme eindeutig auf der guten Seite – was durchaus verwunderlich ist, denn nach eigener Aussage faszinieren Washington vor allem die moralisch komplexeren Geschichten.
Als er nämlich gefragt wurde, ob er nicht auch mal in richtig düsteren oder makaberen Stoffen à la „Taxi Driver“ mitwirken wolle, schwärmte der Schauspieler ausgerechnet von einem der größten Skandalfilme der 1980er-Jahre: David Lynchs surrealem Mystery-Thriller „Blue Velvet“.
Denzel Washington hätte gerne in "Blue Velvet" mitgespielt
Heutzutage gemeinhin als Meisterwerk angesehen, war „Blue Velvet“ zum Zeitpunkt der Veröffentlichung äußerst umstritten. Der Film handelt vom College-Studenten Jeffrey (Kyle MacLachlan), der durch Zufall ein abgetrenntes menschliches Ohr auf einer Wiese findet und beschließt, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Dabei gerät er an den psychopathischen Schwerkriminellen Frank (Dennis Hopper), der ihn in seine albtraumhafte Welt aus Gewalt und ungezügelter sexueller Lust führt.
Besonders kontrovers aufgenommen wurde die Szene, in der sich Frank brutal an einer Frau vergreift und dabei Züge eines wimmernden Kleinkinds annimmt. Jeffrey, der das Geschehen heimlich vom Inneren eines Schranks aus beobachtet, ist von dieser Obszönität zunächst abgestoßen, kann aber doch seine Augen nicht abwenden. Ganz ähnlich erging es offenbar auch Washington:
„Irgendetwas an dem Film hat mich auf schräge, versaute Weise angesprochen“, sagte er 2012 gegenüber dem Magazin Interview. „Ich hätte gerne einige der Rollen darin gespielt.“ Welche genau, verriet er zwar nicht – das große Aufgebot an skurrilen Gestalten in „Blue Velvet“ hätte ihm aber mehr als genug Möglichkeiten geboten, sich schauspielerisch völlig neu auszuprobieren.
Doch auch in den letzten Jahren blieben echte Wagnisse in Washingtons Filmografie aus, abgesehen vielleicht von seiner Verkörperung des süffisant boshaften Macrinus in „Gladiator 2“. Ein Film wie „Blue Velvet“, der tief in die menschlichen Abgründe abtaucht, lässt seine Vita jedoch weiterhin vermissen. Stattdessen gab Washington sogar zu, für drei ganz bestimmte Filme nur wegen des Geldes vor die Kamera getreten zu sein. Mehr dazu im folgenden Artikel:
"Es ging nur ums Geld": Denzel Washington wurde dazu gezwungen, in diesen Filmen mitzuspielenUnsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.
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