Neben den jüngsten Kapiteln etablierter Filmreihen („Scream 7“, „Scary Movie 6“) und Neuerfindungen altbekannter Geschichten („Lee Cronin's The Mummy“) sind es 2026 vor allem für kleines Geld produzierte Horror-Sensationen, die die Kassen mächtig klingeln lassen – und nicht nur die Kritik überzeugen, sondern auch das breite Publikum. Neben „Obsession - Du sollst mich lieben“, der am vergangenen Wochenende bereits vor seinem regulären Kinostart (25. Juni) als Preview in vielen deutschen Kinos lief sowie „Backrooms“ von A24, der ab dem heutigen 18. Juni Angst und Schrecken in den hiesigen Filmtheatern verbreiten soll, konnte die Erfolgsschmiede kürzlich auch noch einen weiteren Low-Budget-Kassenschlager vorweisen …
… der bei Produktionskosten von gerade einmal 500.000 Dollar mehr als beachtliche 22 Millionen Dollar einspielen konnte, in Deutschland bis dato allerdings keine hohen Wellen schlug. Denn lange war gar nicht bekannt, wann und in welcher Form wir den in den USA im März erschienenen Schocker, der bereits im Juli 2025 seine Festival-Premiere feierte, zu sehen bekommen. Bis gestern plötzlich verkündet wurde: „Undertone“ ist ab sofort im Streaming verfügbar, als Video-on-Demand unter anderem bei Amazon Prime Video!
Im selben Atemzug wurde endlich auch der deutsche Trailer zum übernatürlichen Podcast-Terror veröffentlicht, den wir euch am Anfang dieses Artikels eingebunden haben. Aber was erwartet uns nun überhaupt in dem durchaus gefeierten Reißer, der immerhin auf 74 Prozent positive Kritiken bei Rotten Tomatoes kommt?
"Undertone": Das ist die Story
Justin (Stimme: Adam DiMarco) und Evy (Nina Kiri), die gerade ins Haus ihrer im Sterben liegenden Mutter (Michèle Duquet) zurückzog, um diese zu pflegen, gehen in ihrem Podcast „Undertone“ geheimnisvollen Ereignissen auf die Spur. Aktuell beschäftigen sie sich mit rätselhaften Audioaufnahmen, die Justin zugespielt wurden. Darauf zu hören: ein Pärchen, das schon bald ein Kind erwartet – und sich zunehmend merkwürdiger zu verhalten beginnt.
Je länger sich die beiden Podcaster mit den Sprachaufnahmen beschäftigen, desto deutlicher werden für Evy jedoch die Parallelen zu ihrem eigenen Leben...
Ein bisschen was von allem, aber nichts so richtig
Der Autor dieses Artikels sieht in „Undertone“ ganz schön viel Potenzial, das am Ende jedoch ungenutzt bleibt. Dass man lediglich Evy und ihre vor allem reglos im Bett liegende Mutter sieht und ansonsten lediglich Stimmen zu hören kriegt, ist natürlich der klein gehaltenen Produktion geschuldet – und per se auch noch kein Makel. Weniger ist manchmal ja tatsächlich mehr! Rob Savage fabrizierte mit dem gerade einstündigen Zoom-Call-Grusel „Host - Something Dark Has Joined The Meeting“ schließlich auch den offiziell „unheimlichsten Film aller Zeiten“. Und tatsächlich bietet „Undertone“ allerhand Vielversprechendes – einen Cocktail aus diversen Horror-Versatzstücken und Einfällen, die anderswo allesamt schon zu Meisterwerken und Kult-Klassikern zusammengeschustert wurden.
Unheilvolle Geräusche, rückwärts sprechende Menschen, flackernde Lichter, sinistre Kinderlieder und schaurige Zeichnungen, die mit schwarzer Kreide hingekritzelt werden: Das Bullshit-Bingo des Horror 101 knackt Regisseur und Autor Ian Tuason geradezu spielerisch – und für sich genommen können einige jener Elemente auch überzeugen, weil sie schlichtweg stark inszeniert sind. Doch am Ende verliert der Film, weil er dem Publikum in Sachen Suspension of Disbelief immer wieder ein bisschen zu viel abverlangt. Schade, den einzelne Momente für sich genommen entwickeln gehen durchaus an die Nieren – und dürften Zartbesaitete zumindest kurzzeitig den Puls ganz schön in die Höhe treiben.
Man fragt sich, warum Evy, die ohnehin immer alles für fake hält, diesen Podcast überhaupt betreibt – während Justin sowieso stets genau über jenes Wissen zu verfügen scheint, das er gerade gut gebrauchen kann (oder es fällt ihm einfach in den Schoß). „Undertone“ stellt am Ende ein paar Dinge zu viel als gegeben in den Raum, die man als Zuschauer*in einfach so akzeptieren soll – und verliert einen dadurch zunächst immer wieder kurzfristig, bevor es kaum noch möglich ist, wieder ganz und gar in die Geschichte einzutauchen. Und wenn man erst einmal den Punkt erreicht hat, an dem man die Story hinterfragt (etwa wie zum Teufel die Tonaufnahmen teilweise überhaupt entstanden sind), ist die Spannung sowieso dahin…
Ein ungleich größerer Film aus dem Sujet des übernatürlichen Horrors, dessen Worldbuilding aber durchaus überzeugt und der auch in Sachen Terror tatsächlich unter die Haut geht, ist indes der eingangs erwähnte „Lee Cronin's Mummy“, den ihr mittlerweile ebenfalls streamen könnt. Ein Meisterwerk ist zwar auch der nicht, aber immerhin stimmungsvolle, zünftige Genre-Kost à la „Evil Dead“. Und das ist doch auch was!
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