„Supergirl“ folgt zumindest in groben Zügen der Handlung der Comicvorlage „Supergirl: Woman Of Tomorrow“ von Tom King und Bilquis Evely: Die Familie der jungen Ruthye (Eve Ridley) wird von dem Fiesling Krem (Matthias Schoenaerts) ermordet. Auf ihrer Suche nach Rache trifft sie Kara Zor-El alias Supergirl (Milly Alcock), die sich ihr jedoch erst anschließt, als Krem auch ihren geliebten Superhund Krypto vergiftet. Die Beziehung der beiden jungen Frauen im Zentrum des Films dreht sich dabei vor allem um die Frage, ob Ruthye wirklich Krem aus Rache töten sollte. Die von ihrer Vergangenheit traumatisierte Kara glaubt nämlich, dass das Ruthye keine Genugtuung geben, sondern sie nur noch weiter in den Abgrund treiben würde. Doch das Ende von „Supergirl“ wirft diese Figurendynamik komplett über den Haufen:
So anders ist das Ende von "Supergirl" im Vergleich zum Comic
Im Finale von „Supergirl“ gelingt es Supergirl und Ruthye tatsächlich, Krem und seine Briganten zu überwältigen. Ruthye hält ihr Schwert an Krems Hals – doch sie hat im Laufe des Films verstanden, was Kara ihr über Rache, Wut, Trauma und Trauerbewältigung beibringen wollte und verschont den Bösewicht. Ruthye dreht sich um und läuft weg, doch Supergirl ersticht den wehrlos am Boden liegenden Krem mit Ruthyes Schwert – wegen allem, was er Ruthye und zahlreichen anderen Frauen angetan hat.
In der Comicvorlage schaffen es Supergirl und Ruthye zwar ebenfalls, Krem zu besiegen, doch sie verschonen ihn schlussendlich beide. Stattdessen wird der Schurke 300 Jahre lang in der sogenannten Phantomzone eingesperrt und als eine stark gealterte Ruthye und Supergirl ihm viele Jahre später erneut gegenübertreten, bereut er seine Taten und bittet um Vergebung. Ruthye zieht ihm jedoch ihren Gehstock über den Kopf, während gleichzeitig im Erzähltext des Comics (der aus einem Buch-im-Comic stammt, das Ruthye über ihre Abenteuer mit Supergirl geschrieben hat) davon die Rede ist, dass Krem von Supergirl getötet worden sei.
Supergirl tötet Krem: Darum ist das so kontrovers
Das war jedoch nur ein von Ruthye hinzugedichtetes Ende, um sich zu schützen und die Schuld auf Supergirl zu lenken. Wenn Kara in „Supergirl“ nun also tatsächlich Krem mit Ruthyes Schwert tötet, was in der Comicvorlage reine Fiktion ist, dann wirkt es fast ein wenig so, als hätten die Verantwortlichen hinter dem DCU-Film das Ende des Comics falsch verstanden – oder aber die Figur Supergirl.
Denn schon alleine die Tatsache, dass Supergirl in „Supergirl: Woman Of Tomorrow“ so nah an den Abgrund geführt wird und durchaus auch Schattenseiten der Figur gezeigt werden, sorgte und sorgt für Kritik an dem sonst so gefeierten Comic. So ist es auch kein Wunder, dass in den sozialen Medien bereits jetzt sehr kontrovers über das Ende von „Supergirl“ diskutiert wird, das Kara ja also kaltblütige Mörderin zeigt – so abscheulich Krem und seine Taten (Totschlag, Entführung, Menschenhandel, um nur ein paar zu nennen) auch waren. Neben einiger Kritik an dieser Änderung gibt aber auch Stimmen, die das neue Finale als konsequente Entscheidung loben.
Darum hat "Supergirl" keine Post-Credit-Szene
Warum das Ende von „Supergirl“ von Drehbuchautorin Ana Nogueira, Regisseur Craig Gillespie und DCU-Boss James Gunn abgeändert wurde, ist bislang nicht bekannt. Warum der Film im Gegensatz zu so vielen anderen Superheldenfilmen (etwa auch der DCU-Vorgänger „Superman“) keine Abspannszene hat, lässt sich hingegen sehr gut erklären: „Supergirl“ packt eine Szene, die sich wie eine Post-Credit-Szene anfühlt, ganz einfach vor den Abspann – also quasi eine Prä-Credit-Szene.
Am eigentlichen Ende des Films scheinen sich Ruthye und Supergirl zunächst zu verabschieden, bevor Kara ihre junge Freundin dann doch noch einlädt, ihren Geburtstag mit ihr nachzufeiern und die beiden in Supergirls Raumschiff davonfliegen. Das wäre eigentlich das perfekte Schlussbild, doch dann wird noch eine weitere Szene nachgeschoben, die Supergirl (und Krypto) auf einmal auf der Erde zeigt.
Sie trifft auf Superman (David Corenswet) und scheint sich auf der Erde nun endlich zu Hause zu fühlen – ein deutlicher Hinweis darauf, dass Supergirl eine große Rolle im 2027 startenden „Superman 2: Man Of Tomorrow“ spielt, wie James Gunn auch bereits bestätigte. Das neue Setting, der unerklärte Sprung auf die Erde, der Wink in Richtung Zukunft: All das wäre ja typisch für eine Abspannszene, nur dass sie in diesem Fall halt nicht während oder nach, sondern vor dem Abspann gezeigt wird.
Und wenn ihr wissen wollt, wie uns „Supergirl“ gefallen hat, findet ihr hier meine Videokritik zum DCU-Film:
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