Christopher Nolans „Die Odyssee“ ist nicht nur einer der größten Kinoerfolge des Jahres, sondern könnte bald auch abseits der Leinwand für einen gewaltigen Ansturm sorgen. Das hoffen zumindest Orte, die mit Homers berühmtem Epos verbunden sind. So berichtete gerade erst der SPIEGEL, dass die griechische Insel Ithaka auf einen neuen Schub durch den Fantasy-Blockbuster setzt. Man spekuliert, dass Fans künftig selbst auf den Spuren von Odysseus wandeln wollen – auch wenn es diese in Wirklichkeit natürlich nicht gibt und Nolan keine einzige Sekunde vor Ort gedreht hat.
Für die Szenen auf Ithaka nutzte der „Oppenheimer“-Regisseur unter anderem die sizilianische Insel Favignana, wo man sich ebenfalls bereits Hoffnungen auf einen Touristenboom macht. Dafür soll dort mit Unterstützung von Universal Pictures sogar eine dauerhafte Ausstellung zur Entstehung des Films eingerichtet werden. Die Chancen auf einen zumindest kurzfristigen Anstieg stehen gut. Reisebezogene Google-Suchanfragen schnellten nach dem Kinostart nach oben. Und vor allem zeigt ein anderer großer Kinohit des Jahres, dass es solche Effekte gibt.
"Der Teufel trägt Prada 2" lockt Fans nach Mailand
Nur wenige Monate nach dem Kinostart von „Der Teufel trägt Prada 2“ deuten Zahlen an, dass der Disney-Hit offenbar zahlreiche Kinogänger*innen auf die Idee gebracht hat, selbst einmal Miranda Priestleys glamouröse Welt zu besuchen. Der Film mit Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt und Stanley Tucci wurde zu großen Teilen in Mailand gedreht. Zu sehen sind so auch einige der berühmtesten Orte der italienischen Modemetropole. Neben luxuriösen Hotels und Restaurants, die sich wahrscheinlich nicht alle Filmfans leisten können oder wollen, sind unter anderem die Galleria Vittorio Emanuele II, der Duomo, Brera und die Via Montenapoleone Teil des Films. Und überall dort ist seit dem Kinostart einiges mehr los.
Laut der italienischen Zeitung Corriere delle Alpi kommt eine Analyse mittels der Auswertung von Fußgängerströmen zu dem Ergebnis, dass die Präsenz ausländischer Tourist*innen an den im Film gezeigten Orten in den Monaten Mai bis Juli um durchschnittlich 18 Prozent gegenüber den sonst für diesen Zeitraum üblichen Werten gestiegen ist. An einigen Orten fällt der Anstieg sogar noch deutlicher aus. In der Spitze geht es hoch bis zu 28 Prozent, wie zum Beispiel beim Palazzo Clerici, einem der der prominenten Drehorte in der Kino-Fortsetzung.
Die Zahlen unterstreichen, dass „Der Teufel trägt Prada 2“ ein Anlass für den Boom ist. In der Analyse wird zwar darauf hingewiesen, dass der internationale Tourismus im Zentrum Mailands ohnehin wächst und damit eine Steigerung zu erwarten war. Dass die großen Anstiege allesamt bei Drehorten zu verzeichnen sind, ist aber ein Indiz. Zudem gehen sie einher mit einem großen Anteil von Tourist*innen aus den USA.
Die Schattenseiten des Filmtourismus
Diese Entwicklung spiegelt den generellen Trend wider, dass von Filmen und Serien ausgelöster Tourismus massiv zunimmt. Oft befeuern die Orte selbst den Hype zusätzlich, wie die zahlreichen „Game Of Thrones“-Touren in Dubrovnik beweisen, teilweise kann das aber auch Schattenseiten haben.
Das krasseste Beispiel ist wohl das kleine Schweizer Örtchen Iseltwald im Berner Oberland. Nachdem dort eine romantische Highlight-Szene des koreanischen Netflix-Mega-Erfolgs „Crash Landing On You“ entstand, wurde das nur 400 Einwohner zählende Örtchen von tausenden Serienfans überrannt. Es kam zum absoluten Verkehrschaos. Mittlerweile dämmt der Ort das so gut es geht ein. Es gibt hohe Gebühren und Beschränkungen für Reisebusse. Und wenn man an den Steg am See will, auf dem die Schlüsselszene spielt, muss man einzeln durch ein Drehkreuz und Eintritt bezahlen.
Auch rund um die angesprochene Insel Favignana, auf der Teile von „Die Odyssee“ entstanden, gibt es bereits leidenschaftliche Debatten darüber, wie man Gäste anlockt und wirtschaftlich profitiert, aber gleichzeitig den Gefahren des Übertourismus entgegentritt.
Einer der Schauspieler aus „Die Odyssee“ verbindet mit dem Erfolg des Films derweil ganz andere Hoffnungen. Mehr dazu gibt es im folgenden Artikel:
Erfolg von "Die Odyssee" könnte Hollywood verändern: Star aus Christopher Nolans Fantasy-Epos spricht über Hoffnungen für die Zukunft des Kinos