"Es ist großartig, der Film kam genau zur richtigen Zeit": So schwärmte Denzel Washington über einen seiner schlechtesten Filme
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Vor 36 Jahren kam der vielleicht schlechteste Film auf die Leinwand, in dem Denzel Washington je mitgespielt hat. Vor dem Kinostart zeigte sich der „The Equalizer“-Star allerdings regelrecht euphrorisch.

New Line Cinema

Wohl kein Schauspieler beziehungsweise keine Schauspielerin kann von sich behaupten, eine makellose Filmografie zu haben – selbst ein zweifacher Oscar-Preisträger ist nicht davor gefeit, so manche Fehlentscheidung zu treffen. Zum Beispiel Denzel Washington!

Wer an das 71-jährige Hollywood-Schwergewicht denkt, hat womöglich sofort die beiden Filme im Kopf, die ihm jeweils einen Academy Award einbrachten – der Kriegsfilm „Glory“ (1989) sowie den Cop-Thriller „Training Day“ (2001). Andere haben eher seine zahlreichen Action-Hits im Kopf, darunter die „The Equalizer“-Reihe oder „Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit“ (2006).

Doch es gibt auch eine Kehrseite: Filme, die entweder Schiffbruch an den Kinokassen erlitten haben oder von der Fachpresse vernichtet wurden – im schlimmsten Fall sogar beides. Schaut man sich die Durchschnittswertungen auf der US-amerikanischen Kritiken-Sammelseite Rotten Tomatoes an, stechen vor allem der Sci-Fi-Actioner „Virtuosity“ (Kritiker-Score: 30 Prozent), die „Sieben“-Kopie „Der Knochenjäger“ (ebenfalls 30 Prozent) oder das Thriller-Drama „John Q – Verzweifelte Wut“ (26 Prozent) negativ hervor. Doch es gibt einen längst in Vergessenheit geratenen Film, der sie alle unterbietet: „Der Chaoten-Cop“ aus dem Jahr 1990!

Der Chaoten-Cop
Der Chaoten-Cop
1 Std. 40 Min.
Von James D. Parriott
Mit Bob Hoskins, Denzel Washington, Chloe Webb
User-Wertung
2,9

Washington verkörpert in der übersinnlichen Buddy-Komödie den ehrgeizigen Anwalt Napoleon Stone, der nach seiner Ermordung als Geist zurückkehrt und gemeinsam mit dem rassistischen Polizisten Jack Moony (Bob Hoskins) seinen eigenen Mord aufklären muss. Erschwert wird das ohnehin ungleiche Bündnis dadurch, dass Moony nach einem Herzinfarkt (der englische Originaltitel des Films lautet passend „Heart Condition“) ausgerechnet Stones Herz transplantiert bekommen hat...

"Der Chaoten-Cop" wurde als rassistisch kritisiert – doch Denzel Washington war begeistert!

Ausgerechnet Kritiker-Papst Roger Ebert konnte dem Genre-Mix durchaus etwas abgewinnen, was er vor allem den beiden Hauptdarstellern zuschrieb. Ansonsten kam „Der Chaoten-Cop“ aber so schlecht an wie kein anderer Denzel-Washington-Film: Rotten Tomatoes zählt gerade einmal 10 Prozent an überwiegend positiven Rezensionen, während das Publikum mit 33 Prozent nur geringfügig gnädiger ist. Auffallend oft wurde moniert, dass der Film rassistische Stereotype nicht breche, sondern sie vielmehr selbst reproduziere.

Vor diesem Hintergrund ist es durchaus erstaunlich, dass Washington – der in zahlreichen dezidiert antirassistischen Filmen mitgewirkt hat, darunter dem Biopic „Malcolm X“ – vor dem Kinostart von „Der Chaoten-Cop“ kaum aus dem Schwärmen herauskam:

„Das Drehbuch hat Humor, Witz und jede Menge Verrücktheit“, pries der „Mann unter Feuer“-Darsteller das Werk in einem Interview mit der Los Angeles Times an. „Die Leute haben mich bisher noch nie von dieser Seite gesehen. Das ist etwas völlig Neues für mich. Meine Freunde sagen immer, ich sei verrückt und hätte einen guten Sinn für Humor – und jetzt kann ich das endlich zeigen. Es ist großartig, und der Film kam genau zur richtigen Zeit. Ich habe das gebraucht.“

Geholfen hat das dem Film nicht viel. Zu den überwiegend ablehnenden Kritikerstimmen kam ein desaströses Box-Office-Endergebnis – einem Budget von rund 10 Millionen US-Dollar stand ein weltweites Einspiel von 4,13 Millionen gegenüber. Kein Wunder, dass Washington danach kaum noch ein Wort über „Der Chaoten-Cop“ verlor – und sich in den folgenden Jahren und Jahrzehnten vom Comedy-Genre weitgehend fernhielt...

Wenn ihr übrigens wissen wollt, warum Denzel Washington seit 26 Jahren darauf verzichtet, von seinem Oscar-Stimmrecht Gebrauch zu machen, dann lest auch den nachfolgenden Artikel:

"Sie ignorieren mich, ich ignoriere sie": Deshalb stimmt Denzel Washington seit 26 Jahren nicht mehr für die Oscars ab
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Wünscht sich eine schon lange überfällige Renaissance der Kino-Komödie und schaut sich deshalb schon aus Prinzip nahezu jeden neuen Vertreter dieses Genres an, der es auf die Leinwand schafft.
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