Laut eigener Aussage wurde kein Regierungschef der Bundesrepublik Deutschland so oft mit Häme überzogen wie Friedrich Merz. Da ist es bestimmt eine Wohltat, wenn man sich nach einem harten Arbeitstag zurücklehnt, um sich seinen Lieblingsfilm anzusehen. Auf dem offiziellen TikTok-Account des Kanzlers (keine Sorge, lenkt nicht wirklich vom Arbeiten ab) verriet Merz nun, welcher Film sein Favorit ist: „Der Junge muss an die frische Luft“.
In dem kurzen Video (siehe unten) erklärt der Bundeskanzler, dass ihn der Film von 2018 an seine eigene Jugend und Kindheit erinnere. Eine persönliche Verbindung also, keine politische Botschaft. Auch wenn inzwischen jede Wortmeldung eines Regierungschefs von Tausenden Menschen gleichzeitig seziert wird, dürfte hier tatsächlich einfach ein Fan des Films sprechen. Das wirkt im politischen Alltag beinahe ungewohnt bodenständig. Wobei man natürlich nie weiß: Vielleicht gehört mittlerweile auch die Bekanntgabe des Lieblingsfilms zur Regierungsarbeit. Irgendjemand wird dafür bestimmt eine Arbeitsgruppe eingerichtet haben.
Das ist "Der Junge muss an die frische Luft"
Mit „Der Junge muss an die frische Luft“ verfilmte Oscar-Preisträgerin Caroline Link („Nirgendwo in Afrika“) den gleichnamigen Bestseller von Hape Kerkeling („Extrawurst“). Das Buch könnt ihr bei Amazon bestellen*. Im Mittelpunkt steht dessen Kindheit im Ruhrgebiet der 1970er-Jahre. Zwischen Familienfeiern, Alltagsproblemen und schweren Schicksalsschlägen entdeckt der junge Hape sein außergewöhnliches Talent, andere Menschen zum Lachen zu bringen. Humor wird dabei zu einem Anker, der selbst in schwierigen Zeiten Hoffnung spendet und den Blick nach vorne richtet.
Das Ergebnis ist ein ebenso berührendes wie humorvolles Drama, das nie in Kitsch abgleitet. Statt auf große Gesten setzt der Film auf ehrliche Gefühle und fein beobachtete Figuren. Genau das machte „Der Junge muss an die frische Luft“ zu einem der erfolgreichsten deutschen Filme der vergangenen Jahre – und zu einer Produktion, die auch heute noch viele Zuschauer*innen bewegt. Merz nennt ihn so einen „tollen Film [...], der mich sehr berührt hat“.
Zur Besetzung gehören unter anderem Maren Kroymann („Enkel für Anfänger“), Joachim Król („Der bewegte Mann“), Diana Amft („Doctor's Diary“), Ursula Werner („Wolke 9“) und Luise Heyer („In die Sonne schauen“). Den jungen Kerkeling spielt Julius Weckauf mit einer beeindruckenden Natürlichkeit (und nicht Kerkeling selbst, wie von Merz im Video behauptet).
Seine Darstellung zählt zu den größten Stärken des Films und brachte ihm völlig zurecht große Aufmerksamkeit ein. Mittlerweile hat sich Weckauf längst etabliert und war zuletzt unter anderem in „Die drei ??? und der Karpatenhund“ (2025) zu sehen. Leider müssen sich Fans der Reihe gedulden, bis der nächste Fall die Kinos erreicht.
Über 7 (!) Monate länger warten: Die Fortsetzung zu einer der erfolgreichsten deutschen Filmreihen der letzten Jahre kommt viel später ins KinoWarum ausgerechnet dieser Film gut zu Friedrich Merz passt
Dass Merz den Film mit seiner eigenen Kindheit verbindet, macht seine Wahl durchaus nachvollziehbar. Erinnerungen sind schließlich etwas sehr Persönliches. Gleichzeitig steckt darin eine gewisse Ironie. Ausgerechnet ein Film über Mitgefühl, Bescheidenheit und die Fähigkeit, andere zum Lachen zu bringen, ist der Favorit eines Politikers, dessen öffentliche Auftritte eher selten mit den Worten „herzlich“ oder „unkompliziert“ beschrieben werden. Vielleicht zeigt das aber auch, dass Lieblingsfilme weniger verraten, wie Menschen auf andere wirken, sondern vielmehr, welche Erinnerungen sie bis heute begleiten.
Wer weiß, vielleicht entdeckt Merz in dem jungen Hape tatsächlich etwas von sich selbst. Womöglich allerdings vor allem die unbeschwerten Momente einer längst vergangenen Kindheit – und nicht unbedingt dessen entwaffnenden Charme. Aber das Schöne an Lieblingsfilmen ist ja, dass sie niemandem Rechenschaft schulden. Sie müssen weder ins Wahlprogramm passen noch in eine Talkshow-Debatte. Sie dürfen einfach gefallen. Das ist vermutlich die unpolitischste Nachricht aus dem Kanzleramt seit Langem.
Jetzt wissen wir also, dass unser Bundeskanzler, wenn er einmal krank ist (den Krankenschein dann bitte auch sofort holen!), „Der Junge muss an die frische Luft“ einschaltet. Keine schlechte Wahl: Wir von FILMSTARTS vergaben dem Film schließlich vier von fünf Sternen. Ob dieses Wissen Friedrich Merz sympathischer macht? Das wollen wir hier gar nicht entscheiden. Lieber weisen wir euch auf den nachfolgenden Artikel hin, in dem es um ein Meisterwerk geht, das gleich 3 (!) US-Präsidenten zu ihren absoluten Lieblingsfilmen zählten:
Der Lieblingsfilm von gleich 3 (!) US-Präsidenten: Dieses unvergleichliche Meisterwerk sollte jeder Western-Fan kennen*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links erhalten wir eine Provision.