Jesse Eisenberg wird Pole, um mehr in Europa arbeiten zu können: In den USA "werden die Filme, die ich liebe, immer schwieriger zu realisieren"
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Jesse Eisenberg will sich stärker nach Europa orientieren. Dafür nimmt der „The Social Network“-Star nun sogar die polnische Staatsbürgerschaft an. Das habe aber nichts mit der aktuellen US-Politik unter Donald Trump zu tun. Ihm geht es nur um Filme.

Leonine

Für viele Schauspieler*innen ist Hollywood eigentlich das große Ziel für ihre Karriere. Auch einige europäische Stars lassen irgendwann ihre Heimat weitestgehend hinter sich, um in der Traumfabrik zu arbeiten. Dort warten schließlich die größten Budgets, die bekanntesten Namen und die Chance auf Rollen in Blockbustern, die weltweit gesehen werden. Doch es gibt auch Stars, die den umgekehrten Weg einschlagen.

Jesse Eisenberg gehört offenbar dazu. Der aus „The Social Network“, „Zombieland“ und „Batman v Superman: Dawn Of Justice“ bekannte Schauspieler, Autor und Regisseur wird in Kürze nämlich polnischer Staatsbürger – und das unter anderem weil er in Zukunft weniger in Hollywood und mehr in Europa drehen will. Das hat er nun beim Internationalen Filmfestival von Karlovy Vary in Tschechien verraten, wo er mit dem President’s Award ausgezeichnet wurde.

Jesse Eisenberg will mehr in Europa arbeiten

Zum einen ist Eisenbergs Entscheidung für die polnische Staatsbürgerschaft eine für seine eigenen Wurzeln. Seine Familie stammt ursprünglich aus Polen. In seinem preisgekrönten Drama „A Real Pain“ thematisierte er das. Darin spielen Eisenberg und der für seine Performance mit einem Oscar ausgezeichnete Kieran Culkin zwei Cousins, die nach dem Tod ihrer Großmutter gemeinsam durch Polen reisen und dabei nicht nur mit ihrer Familiengeschichte, sondern auch miteinander konfrontiert werden.

Doch bei seiner Entscheidung für Polen geht es dem Schauspieler, Autor und Regisseur auch um seine Karriere. Denn er sieht in Europa offenbar deutlich bessere Möglichkeiten für genau die Art von Kino, die ihn interessiert.

„Es bedeutet mir gerade besonders viel, hier zu sein, weil ich in genau einer Woche meine polnische Staatsbürgerschaft erhalte“, erklärte Eisenberg laut The Hollywood Reporter bei dem Festival. „Ich habe sie wegen meiner Familiengeschichte beantragt, aber auch, weil ich mehr Zeit meines Lebens und meiner Karriere damit verbringen möchte, in Europa zu arbeiten, insbesondere in Mitteleuropa.“

Keine Entscheidung gegen Trump, sondern für Filme

In den USA sei es dagegen immer schwieriger geworden, bestimmte Filme überhaupt noch auf die Beine zu stellen: „Viele der Filme, die ich so sehr liebe – Geschichten mit menschlichem Fokus, seltsame Filme mit mittlerem Budget – werden in Amerika immer schwieriger zu realisieren. Aber in Europa gedeihen diese Filme und werden gefeiert.“ Wie er ScreenDaily verriet, hat er auch bereits ein Meeting mit der polnischen Erfolgsproduzentin Ewa Puszczynska („The Zone Of Interest“, „Vaterland“, „Ida“) geplant, um über eine Zusammenarbeit zu reden. Sie habe ihm bereits ein Drehbuch geschickt.

Die berufliche Entscheidung für Europa sei auch keine Reaktion auf die aktuelle politische Lage, also die Regierung von Donald Trump. Im Gegenteil: Seinen Lebensmittelpunkt will Eisenberg weiterhin in den USA haben. Auf eine entsprechende Nachfrage stellte er laut Variety klar, dass ihm das zu simpel gedacht sei:

„Ich bin ein sehr privilegierter Amerikaner. Ich habe ein schönes Leben. Meine Frau ist Lehrerin und sie unterrichtet viele Schüler*innen, die nicht so viel Glück haben wie wir. Ich denke, wir spüren eher die Verantwortung, in New York zu bleiben und denen zu helfen, die eine schwerere Phase der amerikanischen Geschichte durchmachen. Nein, ich werde nicht gehen, nur weil mir die Politik in Amerika nicht gefällt. Das erscheint mir ein bisschen albern, denn mein Leben ist sehr gut.“

Das ist Jesse Eisenbergs nächster Film "The Debut"

Trotz der von ihm angesprochenen Schwierigkeiten konnte er sein jüngstes Werk allerdings noch in den USA auf die Beine stellen. In „The Debut“ spielt Julianne Moore eine zurückhaltende Hausfrau, die eine Rolle in einem Laientheaterstück ergattert und sich daraufhin immer obsessiver in eine Method-Acting-Performance hineinsteigert. Paul Giamatti verkörpert einen anspruchsvollen Regisseur, der den neuen Schauspielschützling fordert. Eisenberg selbst inszenierte nach seinem eigenen Drehbuch. Dazu übernahm er auch eine Nebenrolle und komponierte die Musik.

Der gefeierte Indie-Verleih A24 wird „The Debut“ Anfang Dezember 2026 in die Kinos bringen und damit mitten in der Oscar-Saison. Bereits vorher soll der Film aber seine Weltpremiere auf einem renommierten Filmfestival im Herbst feiern. Auf welchem wollte Jesse Eisenberg noch nicht verraten, da A24 ihn verklagen würde, wenn er dies ausplaudere, wie er scherzhaft anmerkte. Er verriet aber, dass er begeistert von den Reaktionen bei Test-Vorführungen sei. Der Film sei ein echter „Publikumsliebling“. Er „kommt kommerzieller an, als wir erwartet hatten“, teaserte der Star noch.

Wann „The Debut“ in Deutschland erscheint, ist noch unbekannt. Wir halten es aber für realistisch, dass wir uns etwas länger gedulden müssen und es den Start erst Anfang 2027 gibt. Bei solchen möglichen Oscarfilmen warten lokale Verleiher gerne ab, um dann rund um die Goldjungen-Nominierungen zu starten und den daraus resultierenden Werbeeffekt mitzunehmen. Einen ersten Eindruck können wir euch aber bereits mit dem ersten Trailer hier geben:

Björn Becher
Björn Becher
-Mitglied der Chefredaktion
Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.
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