"Wir haben das ganze Haus zerstört": Wir sprechen mit dem "Evil Dead Burn"-Regisseur über die neue Härte der Horror-Reihe
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Sébastien Vaniček hat mit "Evil Dead Burn" den bislang brutalsten "Tanz der Teufel"-Film gedreht. FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler hat den Filmemacher zum Interview getroffen und mit ihm über die neue Härte der Reihe gesprochen.

Ab dem 9. Juli 2026 dürfen die Teufel wieder über die Leinwand tanzen, denn dann startet „Evil Dead Burn“ in den deutschen Kinos. Nachdem bereits Fede Álvarez („Evil Dead“) und Lee Cronin („Evil Dead Rise“) in die Fußstapfen von Sam Raimi getreten sind, darf nun der französische Filmemacher Sébastien Vaniček dem Franchise seinen Stempel aufdrücken.

FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler hatte die Gelegenheit mit Sébastien Vaniček zu sprechen. Gemeinsam reden sie über die neue Härte des Franchise, französische Vorbilder und eine der besten Szenen in der gesamten „Evil Dead Burn“-Reihe. Doch zuerst wollten wir wissen, was seine ersten Berührungspunkte mit der legendären Horror-Reihe waren – hat er sich die Filme auch wie viele von uns heimlich mit der Bettdecke über dem Kopf in viel zu jungen Jahren angeschaut oder diese doch erst später entdeckt?

KVdS media/Kris Van de Sande
"Evil Dead Burn"-Regisseur Sébastien Vaniček

FILMSTARTS: Was war deine erste Begegnung mit der „Evil Dead“-Reihe?

Sébastien Vaniček: Meine erste Begegnung hatte ich als Teenager mit dem Franchise. Da habe ich Fede Alvarez’ Remake von 2013 entdeckt. Und später wollte ich das Original kennenlernen und verstehen, woher das Ganze stammt. Da habe ich dann angefangen, mir Sam Raimis Filme anzuschauen. Ich war nicht der Typ, den Filme aus den 80ern von Anfang an angezogen haben.

FILMSTARTS: Nachdem du nun alle gesehen hast, welcher ist dein Lieblingsfilm?

Sébastien Vaniček: Für mich ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Fedes Film und „Tanz der Teufel 2“.

FILMSTARTS: Wie kam es dazu, dass du bei „Evil Dead Burn“ Regie geführt hast? Hat Sam Raimi deinen letzten Film gesehen und dich dann angerufen?

Sébastien Vaniček: So in etwa war es. Sein Team hat meinen letzten Film „Spiders – Ihr Biss ist der Tod“ gesehen. Sie dachten, da wäre etwas drin, mit dem sie einen weiteren „Evil Dead“-Film machen könnten. So sind sie also auf mich zugekommen und Sam kam etwas später dazu, als ich schon angefangen hatte, über die Geschichte und meinen eigenen „Evil Dead“-Film nachzudenken.

FILMSTARTS: Wie bist du an „Evil Dead Burn“ herangegangen? Wie wolltest du dich von früheren Filmen abheben?

Sébastien Vaniček: Im Grunde will man seine eigene Geschichte schreiben, also fängt man an, indem man sich zunächst ein wenig von „Evil Dead“ distanziert. Man beginnt mit den Figuren, einem Konflikt, einer Geschichte, und das gesamte „Evil Dead“-Universum kommt erst etwas später ins Spiel. Das kannst du dann in deine Geschichte einbauen und so noch mehr Konflikte für die Figuren schaffen.

FILMSTARTS: Ich habe langsam das Gefühl, dass die „Evil Dead“-Reihe zu einem Spielplatz für junge, talentierte Filmemacher wird, die sich im Franchise mal so richtig austoben dürfen. Durftest du deiner Kreativität freien Lauf lassen oder hast du strenge Vorgaben erhalten, was im Film erlaubt ist?

Sébastien Vaniček: Es gab nie so etwas, woran ich mich halten musste. Man hat mir nie gesagt: „Du musst dies tun, du musst das tun.“ Ich glaube, sie wollen mit Leuten zusammenarbeiten, die das Franchise verstehen. Also habe ich dafür gesorgt, dass ich alles verstanden habe: die Regeln, die Hintergrundgeschichte, das Universum, die Figuren – einfach alles. Und dann habe ich mein eigenes Werk geschaffen.

Natürlich muss man bei „Evil Dead“ die Regeln verstehen, aber man muss sie auch brechen und ihnen eine neue Wendung geben. Und genau das wollte ich unbedingt tun. Und sie haben mir einfach gesagt: „Geh so weit, wie du willst, hab Spaß und genieße es“.

In Warner Bros.
In "Evil Dead Burn" geht es heftig zur Sache

FILMSTARTS: Nicht einmal bei der Szene, bei der einem Deadite mit 24 Schlägen das Gesicht zerschmettert wird?

Sébastien Vaniček: Nein, niemals. Die sagen immer: „Es gibt keine Grenzen.“ Wenn man dreht, gibt es keine Grenzen. Wenn man schreibt, gibt es keine Grenzen. Aber um ehrlich zu sein, Rob Tapert wusste irgendwie, dass diese Szene problematisch sein würde. Und schon ziemlich früh sagte er uns: „Dreht es einfach, schneidet es so, wie ihr es haben wollt, aber ich glaube, wir werden ein Problem mit der MPAA bekommen.“ Und siehe da, er hatte recht.

FILMSTARTS: Gerade bei den Gewaltausbrüchen hatte ich das Gefühlt, dass „Evil Dead Burn“ stark von den Filmen der „Neuen französischen Härte“-Bewegung inspiriert wurde? (Anm. d. Red.: Darunter fallen Filme wie „High Tension“, „Frontier(s) – Kennst du deine Schmerzgrenze?“ und „Martyrs“)

Sébastien Vaniček: Ich weiß nicht, ob es davon inspiriert ist, denn das würde bedeuten, dass ich viele davon in meinen Film eingebaut hätte. Aber definitiv sind das Filme, die ich gesehen habe, als ich noch ein Teenager war. Diese Filme haben mich schockiert, die konnte man körperlich geradezu spüren. Das ist auf jeden Fall etwas, das ich machen wollte, als ich „Evil Dead Burn“ übernommen hatte. Ich wollte etwas machen, das die Leute schockiert und das ziemlich heftig und körperlich ist. Also habe ich mich natürlich stärker von den Filmen der französischen Härte beeinflussen lassen als von irgendwelchen Gore-Filmen aus den USA. Diese Filme haben etwas viel bodenständigeres, das ich beibehalten wollte.

FILMSTARTS: Wann war dir klar, dass du mit Souheila Yacoub die richtige Darstellerin für die Rolle gefunden hast?

Sébastien Vaniček: Ich habe sie 2021 oder 2022 kennengelernt. Ich habe sie auf der Bühne gesehen in einem wunderschönen Theaterstück und es war ziemlich beeindruckend, wie körperbetont sie war und wie sie die gesamte Bühne einnahm. Ich meine, sie war so beeindruckend, und ich hielt sie für eine der körperlich ausdrucksstärksten Schauspielerinnen, die ich je kennengelernt habe.

Zudem sie war Europäerin – und das war genau das, was ich für meinen Film brauchte, denn im Mittelpunkt dieser Geschichte stand eine französische Figur. Als wir uns also in Paris trafen, sagte ich ihr, dass ich von ihr natürlich all ihre Emotionen brauchen würde, aber auch ihre Körperlichkeit, und dass das eine der kompliziertesten Rollen ihrer gesamten Karriere werden würde. Aber sie hat das wirklich perfekt gemeistert.

Die Deadites kennen keine Gnade! Warner Bros.
Die Deadites kennen keine Gnade!

FILMSTARTS: „Evil Dead Burn“ fühlt sich deutlich direkter und härter an als die früheren Filme. Er ist weniger zynisch und setzt den Humor wirklich nur in kleinen Prisen ein. Liegt das auch an dem schweren Thema der häuslichen Gewalt, das den Film ja wie ein roter Faden durchzieht?

Sébastien Vaniček: Wir haben versucht, alles unterzubringen – und natürlich auch ein bisschen Humor. Ich möchte, dass mein Filme wie Achterbahnen sind. Es geht rauf und runter, rauf und runter und man schreit und lacht und jubelt. Das ist es, was ich schaffen möchte. Deshalb gibt es hier und da etwas Humor. Es ist nicht wie bei Sam Raimi, denn Sam Raimi ist der Einzige, der diese Art von Slapstick-Humor in die Filme einbauen kann. Und kein Regisseur möchte in seine Fußstapfen treten. Aber ja, es gibt auch eine ernste Botschaft. Doch ich finde, man darf auch mal lachen. Das bedeutet nicht, dass die Botschaft nicht ernst gemeint ist.

FILMSTARTS: Es gibt eine fantastische One-Shot-Einstellung im Film, die unglaublich komplex wirkt. Ist das wirklich ein One-Shot oder gibt es versteckte Schnitte, die mir nicht aufgefallen sind?

Sébastien Vaniček: Das ist eine echte One-Shot-Aufnahme. Es war ziemlich knifflig, aber es ist eine echte One-Shot-Aufnahme, bis sie den Schrank unter der Treppe erreicht.

FILMSTARTS: Wie viele Takes waren nötig, bis es geklappt hat?

Sébastien Vaniček: Wir hatten die Möglichkeit, 13 Takes zu drehen. Das ist ziemlich viel, weil wir das ganze Haus jedes Mal neu herrichten mussten. Denn wenn man den Film gesehen hat, weiß man, dass wir das ganze Haus zerstört haben. Ich habe die neunte Aufnahme genommen, das dürfen wir Souheila aber nicht sagen, denn im Grunde hat sie vier Takes umsonst gedreht (lacht).

FILMSTARTS: Die „Evil Dead“-Reihe ist ja auch dafür bekannt, Grenzen zu überschreiten. Aber die Szene mit dem Hund war wirklich schwer anzusehen. Warum hat Gewalt gegen Tiere in Filmen immer etwas so extrem Verstörendes an sich?

Sébastien Vaniček: Ich glaube, wenn man so etwas nicht in einem „Evil Dead“-Film macht, dann macht man es überhaupt nicht. Es ist der perfekte Ort, um Dinge zu tun, die Leute verstören und schockieren. So ist „Evil Dead“ einfach. Alles ist erlaubt, es gibt keine Grenzen. Und natürlich gibt es auch noch eine kleine Wendung, die einem klar macht, dass ich einem Tier nicht einfach nur schreckliche Dinge antue.

FILMSTARTS: Wir haben hier das erste Deadite-Tier, oder? Das ist schon irgendwie ziemlich cool.

Sébastien Vaniček: Ganz genau (lacht).

Stefan Geisler
Stefan Geisler
-Redakteur
"Tanz der Teufel 2" und ein manisch-lachender Bruce Campbell haben Stefans Horror-Herz gestohlen. Seitdem kann er nicht mehr ohne: "Der Babadook", "Halloween" und "The Lords of Salem" - Horrorfilme gehören für Stefan einfach zu einem guten Filmabend.
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