Ich beneide alle, die sich im Kino so sehr gruseln, dass sie sich die Hände vors Gesicht halten müssen. Gestern ist mir das auch passiert – nur leider nicht in einem Horrorfilm ...
In ihrem Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ (seit dem 16. Juli im Kino) erinnern sich die TV-Komikerinnen Hella von Sinnen, Maren Kroymann, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins an die Anfänge ihrer Karrieren in den Achtzigern und Neunzigern. Bis dahin waren Frauen in Unterhaltungsshows vor allem als dauerlächelnde Assistentinnen zu sehen – und so ist es keine Überraschung, dass es die Comedy-Vorreiterinnen mit allerlei Sexismus zu tun bekamen: So verließen die männlichen Karnevalsredner bei den ersten Auftritten von Hella von Sinnen geschlossen den Raum.
Der (gar nicht so) liebe Onkel Gottschalk
Parallel zu den ersten TV-Auftritten der fünf Protagonistinnen sehen wir in der ersten Hälfte von „Was haben wir gelacht“ immer wieder Ausschnitte aus der Samstagabendshow schlechthin: Aber selbst wenn Thomas Gottschalk inzwischen längst das Image eines sicherlich charismatischen, aber zugleich auch immer ganz schön schmierlappigen Onkels weghat, bereitet selbst das einen nicht angemessen darauf vor, die schlimmsten Sexismus-Entgleisungen von „Wetten, dass..?“ in derart geballter Form serviert zu bekommen.
Das geht sogar so weit, dass man beim Besuch von „RTL Samstag Nacht“-Legende Esther Schweins erstmal regelrecht aufatmet, als Gottschalk ihr anbietet, sich ihren Platz auf der Couch selbst auszusuchen – und sie sich für einen ganz auf der anderen Seite entscheidet. Allerdings lässt der Moderator das nicht auf sich sitzen: Alle müssen einen Platz weiterrücken, bis der neben ihr für ihn frei wird. Also doch wie im Horrorfilm, wo der Antagonist nur vermeintlich geschlagen ist, bevor er sich plötzlich mit einem Jumpscare zurückmeldet ...
Es geht immer noch schlimmer
Was für Thomas Gottschalk spricht? Eigentlich nur, dass er zumindest im Vergleich zu Harald Schmidt geradezu harmlos wirkt! Bei den Mitschnitten seiner Auftritte in „Schmidteinander“ und der „Harald Schmidt Show“ winden sich die interviewten Frauen auch heute noch auf ihren Stühlen – und dem Publikum von „Was haben wir gelacht“ geht’s im Kinosessel kaum anders.
Nach einer besonders krassen Beleidigung, bei der Harald Schmidt sie mit einer Emma-Zeitschrift, Eierlikör und einem Klodeckel verglichen hat (all diese Dinge würde „kein Mann freiwillig anfassen“), besucht Bettina Bötticher einige Monate später dessen Late-Night-Show – und lässt den Talkmaster nach einer kurzen Ansage einfach allein in seinem Studioset sitzen.
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Zu viel (nicht nur) für Esther Schweins, die auch 30 Jahre später zu weinen beginnt und das Interview mit den Worten „Was für ein Wichser“ kurzzeitig unterbricht. Hella von Sinnen fragt an einer Stelle die Regisseurinnen Isabel Schneider und Eva Müller, warum sie sich eigentlich all diese sexistische Scheiße ansehen soll.
Recht hat sie, schließlich hat sie das alles selbst erlebt (und erlebt es gerade jetzt, wo die allgemeine Stimmung wieder umschlägt, sicherlich noch immer). Aber für mich als Mitglied der nachfolgenden Generation ist „Was haben wir gelacht“ ein echter Augenöffner. Man hat es geahnt, aber jetzt kommt man um die Wahrheit nicht mehr herum – da kann man sich winden, wie man will ...
Neben „Was haben wir gelacht“ hat übrigens auch Atze Schröder ein Hühnchen mit Thomas Gottschalk zu rupfen!