Auch 13 Jahre nach seinem Tod ist Roger Ebert der wahrscheinlich bekannteste Filmkritiker der Welt. Über vier Jahrzehnte prägte er die Filmkritik in den USA, gewann als erster Filmkritiker überhaupt einen Pulitzer-Preis und machte durch seine TV-Auftritte Millionen Menschen mit Filmen vertraut, auf die sie sonst vielleicht nie gestoßen wären. Berüchtigt war Ebert aber auch für seine teils vernichtenden Urteile. Ganz besonders hart traf es einen Western, an dem er gleich zwei (!) Mal gescheitert ist.
Die Rede ist von „Ein Dollar zwischen den Zähnen“ (1967). Der offenkundig an Sergio Leones legendärer Dollar-Trilogie orientierte Italo-Western ist mittlerweile in Vergessenheit geraten, damals war er aber so erfolgreich, dass er sogar eine insgesamt vier Filme umfassende Reihe rund um den von Tony Anthony gespielten, namenlosen „Fremden“ nach sich zog.
Dieser lässt sich im ersten Teil auf ein Geschäft mit einer mexikanischen Banditenbande ein, um an einen Goldtransport zu gelangen. Doch bald muss er feststellen, dass seine Verbündeten ihre ganz eigenen Pläne verfolgen – und er bei Weitem nicht der Einzige ist, der es auf die Beute abgesehen hat...
Roger Ebert fand den Film dermaßen mies, dass er – was er nach eigenen Angaben nur selten tat – vorzeitig den Kinosaal verließ. Daraufhin gab er dem von Luigi Vanzi unter dem Pseudonym Vance Lewis inszenierten Werk eine zweite Chance – und scheiterte erneut.
„Ich war buchstäblich nicht in der Lage, den Film in zwei Anläufen zu Ende zu sehen“, schrieb er später (via Far Out Magazine). Das ist umso beachtlicher, weil „Ein Dollar zwischen den Zähnen“ gerade einmal 86 Minuten lang ist. „Offenbar gibt es einen Markt für diese Art von Müll“, so Ebert. „Warum, kann ich nicht sagen.“
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Ebert war jedenfalls so voller Abneigung, dass er in seiner Abrechnung zwischenzeitlich sogar in die dritte Person wechselte: „Der Filmkritiker lag im Dunkeln und lauschte den Seidenraupen. Er konnte nicht schlafen. Am Abend zuvor hatte er sich schlecht benommen. Sehr schlecht sogar. Er war nicht in der Lage gewesen, den Film bis zum Ende anzusehen. Bereits 20 Minuten nach Beginn hatte er den Saal verlassen. Er hatte bleiben wollen. Aber er konnte den Sumpf nicht länger ertragen.“
Übrigens war „Die Odyssee“-Schöpfer Christopher Nolan ebenfalls einmal kurz davor, ein absolutes Thriller-Meisterwerk beim Schauen abzubrechen. Um welchen Film es geht und was ihn letztendlich vorm Abschalten bewahrt hat, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
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