Quentin Tarantino quälte sich durch einen der besten deutschen Filme aller Zeiten: "Ich habe es gerade so bis zum Abspann geschafft"
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Kult-Regisseur Quentin Tarantino schießt mit seinen Meinungen über das Kino gerne mal quer. Während ein deutscher Film von 1972 gemeinhin als Meisterwerk gilt, konnte er es kaum bis zum Ende schauen!

Quentin Tarantino ist nicht nur für Kult-Meisterwerke wie „Pulp Fiction“, „Kill Bill“ oder „Inglourious Basterds“ bekannt – sondern auch für seine starken, nicht selten kontroversen Meinungen zur Kinogeschichte. So gerät er gerne über allgemein verhasste Filme ins ungezügelte Schwärmen, während er an so manchem anerkannten Klassiker kein gutes Haar lässt. Einen der besten Western aller Zeiten fand er beispielsweise schlichtweg banal, während er mit einem der legendärsten Regisseure überhaupt nur wenig anfangen kann.

Und auch eine deutsche Regie-Legende hat es einmal getroffen: Die Rede ist von Rainer Werner Fassbinder, der zwischen 1969 und seinem viel zu frühen Tod im Jahr 1982 sagenhafte 44 Spielfilme realisierte – viele davon gelten heute als Meilensteine des deutschen Kinos.

Doch bei Tarantino hat der oftmals von vielen als spröde und theatral empfundene, artifiziell-unterkühlte und gleichzeitig melodramatisch überhöhte Stil des Filmemachers offensichtlich keinen Nerv getroffen. In einem Interview erklärte der 63-Jährige: „Ich liebe die Idee von Fassbinder, aber seine Filme sprechen mich nicht unbedingt an. Ich habe ungefähr vier von ihnen gesehen“ (via Far Out Magazine).

Dieses Fassbinder-Meisterwerk konnte Quentin Tarantino kaum zu Ende schauen

Nun muss man fairerweise sagen, dass Tarantino damit nur einen Bruchteil des überbordenden Schaffens von Fassbinder kennt. Mit dem, was er gesehen hatte, wurde er allerdings einfach nicht glücklich: Zwar ging er nicht gesondert auf „Faustrecht der Freiheit“ und „Angst essen Seele auf“ ein, „Lili Marleen“ hingegen fand er „enttäuschend“. Aber besonders mit einem Film hat der „Death Proof“-Schöpfer gefremdelt, obwohl er zu Fassbinders bedeutendsten Arbeiten gezählt wird: „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“. „Ich habe den Film im Kino gesehen – und es gerade so bis zum Abspann geschafft“, so das ernüchternde Urteil von Tarantino.

Die Bitteren Tränen der Petra von Kant
Die Bitteren Tränen der Petra von Kant
Starttermin 5. Oktober 1972 | 2 Std. 04 Min.
Von Rainer Werner Fassbinder
Mit Margit Carstensen, Hanna Schygulla, Irm Hermann
User-Wertung
3,6
Filmstarts
5,0

„Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ spielt ausschließlich in der Wohnung seiner von Margit Carstensen gespielten Titelfigur, einer erfolgreichen Modedesignerin, die sich in das deutlich jüngere Model Karin (Hanna Schygulla) verliebt und zunehmend die Kontrolle über ihre Gefühle verliert. „Es herrscht eine klaustrophobische Atmosphäre, in der das Atmen und das Leben immer schwieriger wird“, heißt es in der die seltene Maximalwertung von fünf Sternen vergebenden FILMSTARTS-Kritik. Gerade seine ausgestellte Künstlichkeit – die theatralischen Dialoge, die durchkomponierten, grellen Bilder von Michael Ballhaus, die präzise Choreografie der Körper im Raum – macht das Kammerspiel dabei so nachhaltig faszinierend.

Während der Funke bei Tarantino nicht übergesprungen ist, gibt es zahlreiche namhafte Regisseure, die „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ zu ihren absoluten Favoriten zählen: darunter Olivier Assayas („Personal Shopper“), Abel Ferrara („Bad Lieutenant“), Ira Sachs („Passages“) und Peter Strickland („The Duke Of Burgundy“). François Ozon variierte den Stoff im Jahr 2022 sogar in seinem eigenen Film „Peter von Kant“.

Wenn ihr übrigens wissen wollt, welchen deutschen Film „Once Upon A Time... In Hollywood“-Star Brad Pitt verehrt, dann lest direkt im nachfolgenden Artikel weiter:

"Einer meiner absoluten Lieblingsfilme": Brad Pitt liebt dieses epische Abenteuer-Meisterwerk – die Dreharbeiten sind genauso legendär wie der Film selbst!
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.
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