"Was zur Hölle war das?": Christopher Nolan wollte dieses Thriller-Meisterwerk vorzeitig abbrechen – zum Glück hat er sich dagegen entschieden!
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Christopher Nolan liebt Filme! Vor diesem Hintergrund überrascht es, dass der oscarprämierte Regisseur ein Noir-Thriller-Meisterwerk aus den 1990ern beinahe abgebrochen hätte. Hier erfahrt ihr den Grund.

Dank Blockbustern wie der „Dark Knight“-Trilogie, „Inception“ oder „Interstellar“ ist Christopher Nolan einer der größten und erfolgreichsten Regisseure der Gegenwart – dem es wie sonst wohl nur Quentin Tarantino regelmäßig gelingt, allein mit seinem Namen ein großes Publikum ins Kino zu locken.

Während Tarantinos gern augenzwinkernd in der Popkultur-Historie wildernde Genre-Hommagen und Nolans mit großem Ernst umgesetzte High-Concept-Stoffe stilistisch kaum weiter voneinander entfernt sein könnten, haben die beiden Filmemacher aber noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sind glühende Verfechter des klassischen Kinoerlebnisses.

Umso überraschender ist Nolans Enthüllung, dass ihn ein Film beinahe aus dem Kinosaal getrieben hätte – und zwar nicht irgendeiner, sondern ein Mystery-Thriller von Meisterregisseur David Lynch, der gemeinhin als Meisterwerk der 1990er-Jahre zählt und auch in der offiziellen FILMSTARTS-Kritik mit der seltenen Höchstwertung von fünf Sternen geadelt wurde! Die Rede ist von „Lost Highway“, einem der betörendsten ungelösten Rätsel der Kinogeschichte.

Lost Highway
Lost Highway
Starttermin 10. April 1997 | 2 Std. 15 Min.
Von David Lynch
Mit Bill Pullman, Patricia Arquette, Balthazar Getty
Pressekritiken
3,3
User-Wertung
4,1
Filmstarts
5,0

Nolan sah sich den Film als Inspiration an, als er am Drehbuch zu seinem rückwärts erzählten Thriller „Memento“ (2000) schrieb – doch Lynchs surrealistischer Stil und seine radikale Absage an herkömmliche Erzähllogiken brachten den Oscar-Preisträger („Oppenheimer“) an seine Grenzen.

„Ich bin ein Lynch-Fan“, gab Nolan in einem Interview zu Protokoll (via IMDb). „Aber ich saß da und dachte: ‚Was zur Hölle war das?‘ Es fühlte sich zu seltsam an, zu lang. Ich war kurz davor, ihn nicht zu Ende zu schauen. Und etwa eine Woche später erinnerte ich mich an den Film, als würde ich mich an einen meiner eigenen Träume erinnern.“

Der Brite erklärt weiter, wie die Seherfahrung von „Lost Highway“ in seinem Kopf weitergearbeitet hat: „Mir wurde klar, dass Lynch die Form eines Films geschaffen hatte, der in meinem Gedächtnis einen Schatten wirft – in der Gestalt eines Traums. Es ist wie ein Hyperwürfel: der Schatten eines vierdimensionalen Objekts in unserer dreidimensionalen Welt.“

Lynchs Filme werden oft als traumähnlich beschrieben, und „Lost Highway“ war in dieser Hinsicht noch einmal konsequenter als alles, was der „Twin Peaks“-Macher bis dahin gedreht hatte. Schon eine Inhaltsangabe zu schreiben ist eine Herausforderung: Der Jazzmusiker Fred Madison (Bill Pullman), der des Mordes an seiner Frau verdächtigt wird, verwandelt sich im Gefängnis in den jungen Mechaniker Pete Dayton (Balthazar Getty). Dieser beginnt eine Affäre mit Alice (Patricia Arquette), die der toten Frau von Fred verblüffend ähnelt – und dann sind da auch noch der mephistophelische „Mystery Man“ (Robert Blake) sowie eine Reihe von geheimnisvollen, verunsichernden Videobändern.

Wie die verschiedenen Ebenen des Films zusammenhängen, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Entscheidender ist ohnehin die eigentümlich irrationale, unser Unterbewusstsein anzapfende Sogwirkung der „apokalyptische[n] Reise jenseits aller filmischen Regeln“ (Zitat aus der FILMSTARTS-Rezension) – was nach anfänglicher Irritation schließlich auch Nolan verstanden hat.

Welchen Action-Blockbuster der „Die Odyssee“-Regisseur dagegen auf Anhieb großartig fand, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

"Ein verdammt guter Film": Christopher Nolan liebt diesen Actionthriller, der zu den unterschätztesten Einträgen in ein absolutes Kult-Franchise gehört!

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