Christopher Nolans „Die Odyssee“ quillt geradezu über vor Stars. Jede noch so kleine Rolle wurde mit einem namhaften Darsteller oder einer bekannten Darstellerin besetzt. Leider sind zumindest meiner Meinung nach dabei auch einige Schauspieler*innen völlig verschenkt, wie beispielsweise Charlize Theron („Atomic Blonde“) oder Zendaya („Dune“), deren Rollen kaum Möglichkeiten zur schauspielerischen Entfaltung bieten. Und dann wäre da noch Elliot Page – der zwar eine solide Leistung bringt, aber schlichtweg für die falsche Figur gecastet wurde – mehr dazu könnt ihr hier lesen:
Elliot Page spielt in "Die Odyssee" NICHT Achilles – und das ist ein großes ProblemDoch die größte Fehlbesetzung ist für mich Tom Holland als Odysseus' Sohn Telemachos. Dieser schafft es meiner Meinung nach weder, die nötige Intensität für die Rolle zu kreieren, noch aus seinen Szenen einen erinnerungswürdigen Moment zu erschaffen, der einem nachhaltig im Gedächtnis bleiben würde. Zumeist wirkt er leider einfach schrecklich deplatziert – und hat dabei die Ausstrahlung eines schnöseligen College-Studenten, der viel zu lange auf der Uni geblieben ist. Denn auch Tom Holland ist inzwischen um die 30 - und damit eigentlich zu alt für die Rolle des 20-jährigen Telemachus.
Gerade im Zusammenspiel mit seinen Co-Stars Anne Hathaway und Robert Pattinson wird deutlich, dass Holland hier definitiv nicht seine besten Drehtage erwischt hat, denn von denen wird er gnadenlos gegen die Wand gespielt. Während Pattinson aus dem hinterlistigen Freier einen herrlich fiesen Cartoon-Bösewicht macht, kann Hathaway insbesondere in den Szenen begeistern, in denen sie mit ihrem eigenen Schicksal hadert - und ihre Rolle als verwitwete Königin und ihre gesellschaftliche Stellung als Frau knallhart hinterfragt.
Auch andere Seiten strafen Tom Holland gnadenlos ab
Natürlich ist eine solche Beurteilung zu einem gewissen Grad auch immer von subjektiven Faktoren geprägt. Doch im Falle der Einschätzung von Tom Holland scheine ich zumindest nicht ganz allein dazustehen. Auch die Kolleg*innen von Variety haben sich die Mühe gemacht, die Leistung aller bekannten Schauspieler*innen in „Die Odyssee“ zu bewerten – und auch hier belegt Tom Holland den letzten Platz. Variety urteilt:
„Christopher Nolans Darstellung von Telemachos, dem Sohn des Odysseus, dessen Vater noch, als er ein Säugling war, in den Trojanischen Krieg zog, ist weitaus unreifer als die in Homers Erzählung, und er durchläuft im Finale, in dem die Freier getötet werden, keine so tiefgreifende heldenhafte Wandlung.
Über weite Teile von Nolans Film hinweg fällt es Holland schwer, Telemachos’ Qualen über die Abwesenheit seines Vaters und seine Frustration sowohl über das Werben der Freier um seine Mutter Penelope als auch über deren Versuche, sie in Schach zu halten, einzufangen. Fast jeder Satz wird ohne Überzeugung vorgetragen, und erst gegen Ende, als ihm beim Anblick seines Vaters die Tränen in die Augen steigen, gelingt es ihm, emotionale Tiefe zu vermitteln.“
Den ersten Platz in diesem Ranking wird hier übrigens von Samantha Morton belegt, die als Hexe Circe auch nach meiner Meinung eine wirklich gute Figur macht. Wer mehr über unsere Gedanken zu „Die Odyssee“ wissen möchte, der kann einfach in dieses Video schauen. Hier besprechen wir Christopher Nolans Fantasy-Epos äußerst detailiert. Aber Achtung - es wird gespoilert: