Jede Sekunde ist überflüssig: Diese Figur in "Spider-Man: Brand New Day" hätte man sich sparen sollen

„Spider-Man: Brand New Day“ erobert nicht nur die Herzen der Comic-Fans, sondern lässt es auch am Box Office krachen. FILMSTARTS-Redakteur Pascal Reis hatte jedoch seine Probleme mit dem Film – vor allem ein Gastauftritt ist mehr als überflüssig.

Dass „Spider-Man: Brand New Day“ ein riesiger Kassenerfolg werden würde, war von vornherein klar. Dass das neueste Abenteuer rund um die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft (mit „Die Odyssee“-Star Tom Holland in seinem mittlerweile vierten Solo-Abenteuer) in den USA allerdings sogar den Rekordstart von „Avengers: Doomsday“ übertreffen würde, dürfte dennoch nicht jeder erwartet haben. Doch genau das ist letztlich eingetreten.

Auch bei den Marvel-Fans scheint weitgehend Einigkeit zu herrschen: „Spider-Man: Brand New Day“ wird als hervorragender Sommer-Blockbuster gefeiert, der das emotionale Ende von „Spider-Man: No Way Home“ konsequent weiterdenkt, mit packenden Action-Sequenzen aufwartet und insgesamt frischen Wind in die Spidey-Saga bringt. Ich fand den Film keineswegs schlecht, hatte allerdings meine Probleme mit der stellenweise überladenen und dadurch nicht immer ausgereiften Geschichte. Besonders deutlich zeigt sich dieser Schwachpunkt an einer Figur. Achtung, es folgen Spoiler!

Diesen Gastauftritt hätte man sich sparen können!

In „Spider-Man: Brand New Day“ gibt es gleich mehrere prominente Gastauftritte. Manche davon funktionieren hervorragend, wie Jon Bernthal als Punisher. Andere sind zumindest mit einem zugedrückten Auge noch sinnvoll in die Handlung eingebunden, etwa Mark Ruffalo als Bruce Banner alias Hulk. Wieder andere dienen in erster Linie als netter Fanservice für Comic-Fans – beispielsweise Scorpion oder Tombstone. Und dann wäre da noch eine Figur, die für mich überhaupt nicht funktioniert und die Geschichte sogar spürbar ausbremst: Florence Pugh („Oppenheimer“) als Yelena Belova alias Black Widow.

Spider-Man sucht das Mitglied der New Avengers in einem russischen Badehaus mitten in New York City auf, das gleichzeitig als Büro der Heldin dient. Er erhofft sich von ihr Hilfe bei der Suche nach einer mysteriösen neuen Bedrohung. Während Black Widow bereits im Becken auf den Wandkrabbler wartet, bekommt Spidey zunächst noch einen durchaus gelungenen Gag spendiert: Er steigt nicht nur mit Unterhose, sondern auch mit seiner Maske ins Wasser. Schließlich soll niemand erfahren, wer sich tatsächlich hinter dem netzschießenden Hochhausschwinger verbirgt.

Danach wird die Szene allerdings erstaunlich schnell belanglos. Denn die Hilfe, die sich Spider-Man von Black Widow holt, hätte er problemlos auf anderem Wege bekommen können. Yelena muss im Grunde nur ein paar Stichworte zum mysteriösen V-Max liefern. Zwar verfügt sie über Erfahrung im Hacken und hat auch bereits mit Gedankenkontrolle zu tun gehabt, letztlich darf sie aber vor allem ein paar humoristisch eher lauwarm temperierte Sprüche zum Besten geben. Weder für die Spannung noch für das eigentliche Storytelling ist ihr Auftritt deshalb wirklich von Bedeutung.

Offensichtliches Kalkül

Für mich wirkt es dadurch ziemlich offensichtlich, dass Black Widow vor allem deshalb in „Spider-Man: Brand New Day“ auftaucht, um noch einen weiteren namhaften Star ins MCU-Abenteuer zu integrieren – idealerweise jemanden, der nicht zu den ursprünglichen Avengers gehört und bei den eingefleischten Fans trotzdem enorm beliebt ist. Das dürfte außerdem noch dem Zweck dienen, ein größeres Publikum über die Existenz der in dem von weit weniger Leuten geschauten MCU-Abenteuer „Thunderbolts*“ eingeführten New Avengers zu informieren, die demnächst nämlich auch für das Marvel-Großereignis „Avengers: Doomsday“ wichtig werden. Allzu viel Mühe scheint man in die Integrierung des Charakters in „Brand New Day“ dann aber nicht gesteckt zu haben.

Dabei ist Florence Pugh als Yelena Belova eigentlich eine der spannendsten Figuren des aktuellen MCU. Sowohl in „Black Widow“ als auch in „Thunderbolts*“ war sie für viele Marvel-Fans nicht nur das schauspielerische Highlight, sondern zugleich das emotionale Herz der jeweiligen Geschichte. In „Spider-Man: Brand New Day“ wird von diesem Potenzial allerdings kaum Gebrauch gemacht. Stattdessen verkommt sie zur Stichwortgeberin, die sich zusätzlich für einige eher müde Gags hergeben muss. Dabei hätte es sicherlich elegantere Möglichkeiten gegeben, eine Verbindung zwischen Spider-Man und den New Avengers herzustellen – ganz davon abgesehen, dass diese Verbindung für die eigentliche Handlung nicht wirklich notwendig war.

Ein weiterer Auftritt von Yelena im späteren Verlauf des Films unterstreicht diesen Eindruck sogar noch. Spider-Man und Black Widow facetimen, um sich gegenseitig über den aktuellen Stand ihrer Ermittlungen auf dem Laufenden zu halten. Als Ned (Jacob Batalon) das Gespräch mitbekommt, entfährt ihm völlig überwältigt: „Wow, das ist Black Widow!“

Genau diesen Effekt wollten die Macher von „Spider-Man: Brand New Day“ mit Florence Pugh vermutlich auch beim Publikum erzielen. Bei mir hat das allerdings nicht funktioniert. Im Gegenteil: Für mich verlängert der Auftritt den Film lediglich, ohne ihm erzählerisch wirklich etwas hinzuzufügen.

Bevor sich Spider-Man zu Black Widow ins Wasser gesellt, gibt es übrigens noch eine kleine Hommage an „Men In Black“ zu entdecken. Warum sich hinter dieser Szene allerdings mehr verbirgt als lediglich eine nette Verbeugung vor dem Kultfilm, erfahrt ihr im folgenden Artikel:

Sci-Fi-Megahit in "Spider-Man: Brand New Day": Hinter diesem Easter Egg steckt mehr als gedacht – auch wenn es für ein MCU-Problem sorgt
Pascal Reis
Pascal Reis
-Redakteur
Pascal liebt das Kino von „Vertigo“ bis „Daniel, der Zauberer“. Allergisch reagiert er allerdings auf Jump Scares, Popcornraschler und den Irrglauben, „Joker“ wäre gelungen.
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