Mit der 60er-Jahre-Serie „Mad Men” erlangte Schauspieler Jon Hamm größere Bekanntheit und wurde nach einem Nominierungsrekord schließlich in deren letzter Staffel für seine Rolle als Don Draper mit einem Primetime Emmy Award als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Nach Apple-TV-Produktionen wie „The Morning Show” und „Your Friends & Neighbors” widmet sich Hamm nun erneut einem historischen Kapitel der amerikanischen Geschichte – diesmal nach einer wahren Begebenheit.
In „American Hostage” spielt er den angesehenen Journalisten Fred Heckman, der lange als Nachrichtenchef des Radiosenders WIBC im US-Bundesstaat Indiana arbeitete. Im Februar des Jahres 1977 wurde dieser selbst zur Schlüsselfigur seiner eigenen Berichterstattung, als Tony Kiritsis (hier von „Sneaky Pete” und „Friends”-Schauspieler Giovanni Ribisi verkörpert) einen mit einer Schrotflinte verbundenen Draht um den Hals von Hypothekenmakler Richard Hall legte und ihn damit als Geisel nahm. Sollte Kiritsis etwas zustoßen oder Hall versuchen zu fliehen, würde das Gewehr über diesen Mechanismus ausgelöst werden. Über einen Zeitraum von 63 Stunden rief Kiritsis wiederholt bei WIBC an und verlangte, live mit Heckman über das Motiv seiner Tat zu sprechen.
Sony Pictures Television
Aus dem Trailer geht hervor, dass diese Forderung Heckman vor ein moralisches Dilemma stellt: Inwiefern würde er sich durch die Ausstrahlung eines Verbrechens selbst daran mitschuldig machen? Besonders brisant wird es, als andere Anrufer*innen zugeschaltet werden und eine von Heckmans Kolleginnen ihm mitteilt, dass die Hörer*innen scheinbar auf eine Eskalation der Geiselnahme hinfiebern.
Die MGM+-Serie „American Hostage”, die im September 2026 beim Toronto International Filmfestival Premiere feiert, dürfte also spannende Fragen über den Zusammenhang zwischen Berichterstattung (sowie Konsum) und Straftaten stellen.
Das von Shawn Ryan („S.W.A.T.”, „The Night Agent”) und Eileen Myers entwickelte Format basiert auf der gleichnamigen Amazon-Original-Podcastserie von 2022, in der Jon Hamm bereits die Sprechrolle des Fred Heckman übernahm. In deren Opening wird unheilvoll auf den kurz zuvor vom Fernsehsender NBC eingeführten siebensekündigen Delay bei Live-Sendungen verwiesen, ein Detail, das im Falle eines Todes „on air” von entscheidender Bedeutung sein könnte.
Nicht die erste Verfilmung des Stoffes
Dass berühmte Kriminalfälle gleich mehrfach verfilmt werden, ist nichts Neues. Ungewöhnlich ist allerdings, wenn derselbe Fall innerhalb eines Jahres mehrere Adaptionen bekommt. Der oscarnominierte Ausnahmeregisseur Gus Van Sant („Good Will Hunting”, „Milk”) stellte beim Filmfestival in Venedig 2025 seinen Film „Dead Man’s Wire” vor, der dieselbe Geschichte erzählt und erst kürzlich auf deutschen VOD-Plattformen landete. Darin spielt „Pennywise”-Darsteller Bill Skarsgård den Geiselnehmer. Der Radiomoderator wird hier leicht fiktionalisiert und als „Fred Temple” tituliert von Colman Domingo („Disclosure Day”, „Euphoria”) dargestellt.
ARP
Auch in diesem Jahr widmen sich in Venedig einige Filme dem Thema des reißerischen Journalismus, darunter der Eröffnungsfilm „Ink” von Danny Boyle und der heißerwartete Robert-Pattinson-Thriller „Primetime”. Zu letzterem erschien bereits ein erster Trailer:
Robert Pattinson will "größer als 'Lost'" werden: Im Trailer zum Thriller "Primetime" ist der "Die Odyssee"-Star auf der Jagd