Hochmut kommt vor dem Fall. Das dürfte sich auch der eine oder andere Action-Aficionado gedacht haben, als Produzent Bill Kong verkündete, an einem Film zu arbeiten, „der die Welt erschüttern wird“ und im selben Atemzug versprach: „Wenn wir scheitern, wird es nur so gut wie ‚The Raid‘.“ Bereits im Vorfeld derart große Töne zu spucken, kann sich am Ende eigentlich nur rächen. Eigentlich.
Doch der Erfolgsproduzent aus Hongkong, den Martial-Arts-Enthusiasten für Filme wie „Tiger & Dragon“, „Kung Fu Hustle“ und „Fearless“ kennen dürften, hatte den Mund nicht zu voll genommen. Ob „The Furious“ den direkten Vergleich mit „The Raid“ gewinnt, sei einmal dahingestellt (und ist am Ende auch ein Stück weit Geschmackssache). Doch „The Furious“ ist ein außergewöhnliches Kampfkunst-Feuerwerk, das in zahlreichen vollen Kinosälen dieser Welt für ein mitreißendes Gemeinschaftserlebnis sorgte und selbst alteingesessenen Genre-Hasen Fights um die Ohren pfefferte, die sie so wohl noch nie gesehen haben.
Dass dieser Film eine derart breite Kino-Ausspielung spendiert bekommen hat, ist ebenso besonders wie erfreulich – und Verleiher Capelight Pictures zu verdanken, der nun selbstredend auch hinter der heutigen Streaming-Premiere des Films steckt:
Für alle, die das FSK-18-Brett auf der Leinwand verpasst haben und seitdem nur darauf warten, ihn im Heimkino nachzuholen, ist das die perfekte Gelegenheit, das Knochenbrecher-Spektakel endlich von der Watchlist zu streichen. DVD und Blu-ray* sowie die limitierten Auflagen – in Form von Mediabook A* sowie Mediabook B* und Steelbook* – lassen derweil noch bis 8. Oktober auf sich warten.
"The Furious": Ein klassischer Action-Thriller…
Wer unbedingt nach einem Haar in der Suppe suchen will, wird bei einem flüchtigen Blick auf das Drehbuch auch schon fündig. Um am Ende nämlich tatsächlich Meisterwerk-Status zu erlangen, hätte es wahrscheinlich etwas mehr gebraucht als ein simples Storygerüst, das seit einer gefühlten Ewigkeit als Basis für Einer-gegen-alle-Actioner fungiert:
Im Zentrum steht der vermeintlich einfache Handwerker Wang Wei (Miao Xie), dessen Tochter (Enyou Yang) eines Tages gekidnappt wird. Auf die zu großen Teilen korrupten Behörden kann der besorgte Vater bei der Suche nach dem Mädchen allerdings nicht setzen, also nimmt er das Gesetz kurzerhand selbst in die Hand – und stößt schon bald auf eine erste Spur. Offenbar steckt hinter der Entführung eine riesige kriminelle Organisation, die in der Unterwelt nach Belieben waltet und schaltet. Doch Wang Wei will dem dubiosen Treiben ein für alle Mal ein Ende setzen, das Verbrecher-Netzwerk zerschlagen und seine Tochter zurückholen – und sei es mit seinen bloßen Fäusten!
… mit unfassbaren Action-Schauwerten!
Martial-Arts-Kenner sind natürlich dran gewöhnt, inhaltlich mit dem Minimum abgespeist zu werden – und nehmen das in der Regel auch gerne in Kauf, solange die Story-Versatzstücke zumindest eine solide Grundlage für Actionszenen legen, in denen es am Ende auch um etwas geht. Und da das hier der Fall ist, haut „The Furious“ richtig rein, wenn es hier ans Eingemachte geht.
Regisseur Kenji Tanigaki spielt die Erfahrung, die er als Actionchoreograph und Stuntkoordinator am Set von Filmen wie „Blade 2“, „Raging Fire“ sowie zuletzt „City Of Darkness“ sammeln konnte, voll aus – und lässt Kämpfe von der Leine, wie man sie noch nie gesehen hat. Ohne an dieser Stelle zu viel zu verraten: Wer sich etwa an den Klassikern von Jackie Chan und Co. seit jeher stört, dass die Widersacher zumeist nacheinander, aber nie auf einen Schlag gemeinsam angreifen, dürfte an den Kloppereien hier seine Freude haben.
Hauptdarsteller Miao Xie zeigt dabei, was er schon im Kindesalter an der Seite von Größen wie Jet Li („Master der Shaolin“) und Chow Yun-Fat („Hard Game“) eindrucksvoll unter Beweis stellte: Auch mit über 40 verbindet er eine beeindruckende Physis mit einer einnehmenden Leinwandpräsenz – und ist als „The Furious“-Held damit perfekt besetzt. Selbiges gilt für die nicht minder talentierten „The Raid“-Stars Joe Taslim und Yayan Ruhian.
Angehende Kameraleute dürfen sich indes über reichlich Inspiration freuen, wenn es darum geht, dynamische Actionsequenzen fernab der immergleichen Einstellungen zu bebildern. Denn Kameramann Meteor Cheung gelingt es, mit ungewöhnlichen Bewegungen eine eigenwillige Dynamik zu entfachen, die die Kämpfe immer wieder spürbar auflädt. Dabei vollbringt er das Kunststück, dem Publikum einerseits das Gefühl zu geben, mittendrin zu sein, und die ausgefallenen, zum Teil wilden und unvorhersehbaren Choreographien andererseits stets übersichtlich einzufangen.
Ihr kriegt von originell inszeniertem Gekloppe sowieso nie genug? Dann dürft ihr euch auch schon auf das nächste Genre-Highlight freuen, das in Kürze auch bei uns erscheint:
Endlich kommt einer der Actionfilme des Jahres nach Deutschland – mit dem Comeback einer Martial-Arts-Legende*Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.