"Das Ende der Sterne" bringt mir endlich fast verloren geglaubte Kino-Magie zurück

Ridley Scotts „Das Ende der Sterne“ ist nicht perfekt, dennoch lohnt sich ein Ticketkauf – zumindest nach Meinung von FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler. Schließlich macht das Endzeit-Drama Amerika endlich wieder zu einem faszinierenden Ort.

Für mich war Nordamerika lange ein Sehnsuchtsort – was natürlich auch an der medialen Darstellung lag. Wenn ich an Filme und Serien denke, mit denen ich in meiner Kindheit und Jugend aufgewachsen bin, dann denke ich an kleine verschlafene Vorstädte („Gremlins“, „E.T.“, „Simpsons“), belebte Metropolen („Ghostbusters“, „Godzilla“) – und an wunderschöne Landschaftsaufnahmen. Letztere sind besonders eng verbunden mit dem Western, der wohl amerikanischsten Filmgattung überhaupt. Wenn auf Kabel 1 am Wochenende Genre-Klassiker wie „Der mit dem Wolf tanzt“, „Erbarmungslos“ oder „Open Range – Weites Land“ gezeigt wurden, dann war das eine gute Möglichkeit, zumindest ein bisschen Farbe in das sonst so graue Berlin zu holen. Gleiches gilt übrigens auch für die Klassiker von Sergio Leone oder viele Spaghetti-Western, die zumeist in Europa gedreht wurden, jedoch dennoch eine stimmige Amerika-Interpretation lieferten.

Natürlich lösten solche Bilder direkt ein Fernweh in mir aus. Die schier unendliche Weite des Landes mit seinen majestätischen Wäldern, saftigen Graslandschaften und lebensunfreundlichen Steppenwüsten weckte einen Entdeckerdrang und machten die USA zu einem geradezu magischen Ort. Das moderne amerikanische Kino bedient diese Sehnsucht auf der Leinwand allerdings viel zu selten. Im aktuellen Blockbusterkino ist zwischen Marvel-Helden und CGI-Schlachten eigentlich kein Platz mehr für die Erhabenheit und Ruhe der Natur. Statt sich in fremde Länder zu träumen, gibt es nur noch computeranimierte Dauerbeschallung.

Umso schöner, dass mit Ridley ScottsDas Ende der Sterne“ endlich wieder eine große Kino-Produktion die Lichtspielhäuser erreicht, die genau dieses Gefühl zurückbringt.

"Das Ende der Sterne": Ein melancholischer Naturtraum

Auch „Das Ende der Sterne“ ist in gewisser Weise ein Western. Ein Endzeit-Western, wenn man so möchte, in dem das einfache (Über)leben im Mittelpunkt steht. Ridley Scott nimmt sich die Zeit, seinen Protagonisten einen Alltag zu schenken, indem er sie bei ganz gewöhnlichen Arbeiten beobachtet. Hig kümmert sich um seine Pflanzen und mäht den Rasen – und natürlich fühlt man sich sofort an das Leben der ersten europäischen Kolonisten in Amerika erinnert.

Ridley Scott hat auch ein wunderbares Gespür für wunderschöne Naturbilder. Gerade wenn Hig in seine Cessna steigt und die Umgebung erkundet, öffnen sich dem Publikum majestätische Landschaftspanoramen: Grünem dichte Wälder, einladend blaue Flüsse und eindrucksvolle Berge. Und wer ganz genau hinschaut, kann sogar Tiere oder einen Staudamm in der Ferne entdecken, der als letztes Überbleibsel vom einstigen Versuch der Menschheit berichtet, diese unbezwingbare Natur zu zähmen.

Es sind genau diese Bilder, die hier mit träumerisch-melancholischer Folk-Musik unterlegt werden, die den Abenteuer-Traum von Amerika auf der Leinwand wieder lebendig werden lassen. Es zahlt sich spürbar aus, dass Ridley Scott hier größtenteils in der Natur gedreht hat. Dass viele der Aufnahmen dabei gar nicht in den USA, sondern in Europa (hauptsächlich Italien) entstanden sind, ist dabei fast egal – und in der Scheinwelt Hollywoods fast erwartbar. Doch das ändert nichts daran, dass man im Kinosessel endlich wieder von einem Leinwand-Amerika träumen kann, wie man es schon lange nicht mehr gesehen hat.

Auch im FILMSTARTS-Podcast Leiwandliebe haben sich Pascal und Stefan über „Das Ende der Sterne“ unterhalten. Wenn ihr unsere Gedanken dazu hören wollt, dann klickt einfach hier:

Stefan Geisler
Stefan Geisler
-Redakteur
Stefan liebt Film. Er vermisst die wöchentlichen Besuche in der Videothek, denn das ziellose Umherirren in den Gängen hat ihm Seherfahrungen wie "Donnie Darko" oder "Fear and Loathing in Las Vegas" beschert.
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