Wie sein Sohn Ian Miller verkündete, ist der bekannte Drehbuchautor Victor Miller am Montag, dem 31. August 2026, im kalifornischen Alameda verstorben. Er wurde 86 Jahre alt und ist vor allem für sein Skript zum Slasher-Klassiker „Freitag der 13.“ berühmt. Mit dem 1980 veröffentlichten Werk schuf er einen der einflussreichsten Horrorfilme seiner Zeit. Der von Sean S. Cunningham inszenierte Slasher spielte bei einem Budget von deutlich unter einer Million Dollar weltweit fast 60 Millionen Dollar ein und begründete so eine Reihe, die bislang zwölf Kinofilme umfasst. An den weiteren Werken war Miller aber nicht mehr beteiligt, auch wenn er als Erfinder der grundlegenden Figuren immer im Abspann steht.
Die genauen Hintergründe der Franchise-Schöpfung und ihres Kult-Killers sind jedoch kompliziert. Denn obwohl Millers Name untrennbar mit Jason Voorhees verbunden ist, hat er den Hockeymasken-Killer in seiner uns heute bekannten, ikonischen Form gar nicht selbst erdacht.
Millers anderer Ansatz: Der erste Jason war noch kein Killer
Denn wie Horror-Fans natürlich wissen, ist Jason im ursprünglichen „Freitag der 13.“ gar nicht der Mörder. Hinter den grausamen Todesfällen im Camp Crystal Lake steckt seine Mutter Pamela Voorhees (Betsy Palmer). Sie will sich an den Betreuerinnen und Betreuern rächen, die einst miteinander beschäftigt waren, anstatt auf ihren Sohn aufzupassen, woraufhin dieser im See ertrank.
Victor Miller erfand zwar sowohl Pamela als auch Jason Voorhees, dessen Tod die gesamte Handlung in Gang setzt. Doch für ihn war Jason immer lediglich ein Kind in Rückblenden. Er hatte nie geplant, ihn zum unverwüstlichen Hauptgegner einer ganzen Filmreihe zu machen. So fehlt seinem Originalskript auch der legendäre letzte Schockmoment, in dem Jason aus dem Wasser auftaucht und die auf einem Kanu treibende Überlebende Alice (Adrienne King) in den See zieht. Sein Drehbuch hatte ein ruhiges Happy End für Alice.
Erst beim Dreh wurde der letzte Jump-Scare als Hommage an das Ende von Brian de Palmas Horror-Klassiker „Carrie - Des Satans jüngste Tochter“ ersonnen. Noch heute ist umstritten, wer dafür verantwortlich war. Make-Up-Spezialist Tom Savini erklärte immer wieder, es sei seine Idee gewesen. Laut Regisseur Cunningham war es dagegen eine Forderung der Geldgeber, das Publikum mit einem letzten großen Knall aus dem Kino zu entlassen. Andere Quellen behaupten, dass Autor Ron Kurz, der ohne Nennung das Skript noch mal überarbeitete, das neue Finale entwarf.
Miller selbst war davon übrigens gar nicht begeistert. Er stellte klar, dass für ihn Jason immer ein Opfer gewesen sei und dessen Rolle als Bösewicht seiner Vision widerspreche. Trotzdem machte „Freitag der 13. - Jason kehrt zurück“ 1981 aus Jason einen erwachsenen Serienkiller und veränderte die ursprüngliche Vorgeschichte massiv. Ab „Und wieder ist Freitag der 13.“ aus dem Jahr 1982 trug er schließlich auch seine berühmte Hockeymaske.
Victor Miller bekam drei Emmys für seine Arbeit im Fernsehen
Victor Millers Karriere beschränkte sich übrigens nicht auf „Freitag der 13.“ Er schrieb vor allem für US-amerikanische Seifenopern wie „All My Children“, „One Life To Live“, „Another World“, „Guiding Light“ und „General Hospital“. Als Teil des Autorenteams von „All My Children“ wurde er dreimal mit einem Daytime Emmy ausgezeichnet.
Sein mit Abstand größtes Vermächtnis bleibt dennoch Camp Crystal Lake. Ohne Victor Miller gäbe es weder Pamela Voorhees noch Jason und damit wohl auch keines der langlebigsten und berühmtesten Horror-Franchises. Das geht auch heute noch weiter, wenn auch demnächst nicht im Kino, sondern auf dem heimischen TV-Bildschirm. Denn mit „Crystal Lake“ startet in Kürze eine Prequel-Serie, die sogar wieder näher an Millers Vision ist. Denn hier rückt erneut Pamela Voorhees (gespielt von Linda Cardellini) ins Zentrum. Nachfolgend haben wir einen ersten Teaser für euch: