Heute Abend im TV: Eine erstaunlich bissige Fantasy-Neuverfilmung vom "Wednesday"-Macher – 170 Millionen US-Dollar Budget!

„Wednesday“-Macher und „Sleepy Hollow“-Regisseur Tim Burton nimmt einen Disney-Zeichentrickklassiker, überträgt ihn ins Realfilm-Metier und zeigt dem Entertainmentkonzern die lange Nase: Heute Abend läuft Burtons „Dumbo“ im Free-TV.

Das Original ist ein kunterbunter Zeichentrick-Meisterstreich, der eine simple Geschichte nutzt, um super effizient und temporeich von kindlicher Lebensfreude über tiefen Kummer hin zu einem surrealen Farb- und Klangrausch zu düsen. Die Real-Neuverfilmung von „Dumbo“ ist wiederum ein Clash aus Zirkus-Familiendramödie, Fantasy-Kuriosität und überraschend gepfefferten Seitenhieben auf einen Entertainment-Giganten.

Ein weiteres Glanzlicht in seiner Vita hat „Edward mit den Scherenhänden“-Regisseur Tim Burton damit zwar nicht geschaffen, im Meer aus sich uninspiriert an ihrer Vorlage klammernden Realfilm-Remakes großer Disney-Trickfilme sticht sein „Dumbo“ von 2019 jedoch zweifelsohne heraus. Verschafft euch selbst einen Eindruck: „Dumbo“ läuft heute, am 3. September 2026, ab 20.15 Uhr im Disney Channel und ist (ebenso wie das Original*) bei Disney+ abrufbar.

Darum geht es in "Dumbo"

1919: Der Kriegsveteran Holt Farrier (Colin Farrell) hat im Einsatz einen Arm verloren, in seiner Heimat ist unterdessen seine Frau gestorben. In seinen alten Job als Westernreiter kann er nicht zurückkehren, da sein Chef, der Zirkusdirektor Max Medici (Danny DeVito), alle Pferde verkauft hat. Also müssen sich Holt und seine Kinder Milly (Nico Parker) und Joe (Finley Hobbins) neu orientieren. Zähneknirschend lässt sich Holt auf eine Stelle als Elefantenpfleger ein. Als eine Elefantendame Nachwuchs bekommt, sorgt ihr Baby Jumbo Jr. alias Dumbo für Staunen:

Er hat unfassbar riesige Ohren, mit denen er fliegen kann. Eine Sensation! Der finanziell bedrohte Zirkus scheint gerettet! Doch dann wird der Unternehmer V.A. Vandevere (Michael Keaton) auf Dumbo aufmerksam und will in seinem gigantischen Vergnügungspark Dreamland eine gewaltige Show mit dem Elefanten und der Trapezkünstlerin Colette Marchant (Eva Green) aus dem Boden stampfen. Also macht Vandevere ihnen ein Angebot, das Max nicht ausschlagen kann...

Da denkt man doch an Disney!

Keatons Kreativ-Großunternehmer Vandevere hat seinen eigenen, stark frequentierten Themenpark mit verschiedenen Themenbereichen von Nostalgie über Abenteuer bis (Retro-)Futurismus, ist ein gewiefter Geschäftsmann und kultiviert haarklein sein Image: Der frühere „Batman“-Darsteller gibt in „Dumbo“ eine Art Bizarro-Walt-Disney und macht als solcher ungeheuerlichen Spaß.

Dass Vandevere wenig eigene Ideen hat, wohl aber ein Händchen dafür, die Talente und unterstützenswerten Ideen anderer Leute ausfindig zu machen und auf die große Bühne zu hieven, lässt sich glatt als weitere Parallele zu Walt Disney verstehen. War er doch als Regisseur und Drehbuchautor weitaus weniger brillant als in der Rolle des engagierten Produzenten und Studiochefs, unter dessen Führung Adaptionen bereits existierender Stoffe sich zu kulturellen Meilensteinen entfalteten.

Vandevere ist aber vor allem (ob gewollt oder nicht) eine wandelnde Satire auf den Disney-Konzern unter Ex-CEO Bob Iger: Vandevere kauft kleinere Talent- und Ideenschmieden auf, um an ihre wichtigsten Aushängeschilder zu gelangen, und schmeißt reihenweise kleinere Leute raus. Das erinnert frappierend daran, wie sich der Disney-Konzern unter Iger immer wieder andere Firmen und Studios einverleibt hat – mit anschließenden Personalkürzungen.

Dieser „Beiße die Hand, die dich füttert“-Humor in „Dumbo“ gerät zwar nie so schonungslos wie etwa in einigen Episoden der harsch gegen ihre eigene Konzernmutter austeilenden Kult-Sitcom „Die Dinos“*, trotzdem fällt er zwischen den zahlreichen riskoscheuen Disney-Neuverfilmungen der 2010er und 2020er auf wie ein bunter Hund. Oder halt wie ein Elefant mit Ohren so groß, dass er mit ihnen fliegen kann. Und falls ihr nach „Dumbo“ einen weiteren Fantasyfilm schauen möchtet, folgt doch diesem Streamingtipp:

Fantasy-Kult wird nach fast 30 Jahren im Kino fortgesetzt – das Original könnt ihr jetzt bei Disney+ streamen

*Bei diesem Link zu Disney+ handelt es sich um einen Affiliate-Link. Mit dem Abschluss eines Abos über diesen Link unterstützt ihr FILMSTARTS. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.

Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Sidneys Lieblingsfigur ist Donald Duck, sein erster Kinofilm war Disneys „Aladdin“ und bereits in der Grundschule las er eine Walt-Disney-Biografie. Wenn er könnte, würde er ins Disneyland auswandern, aber da das nicht geht, muss ihn seine Disney-Sammlung bei Laune halten.
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