Heute im TV: Ein nervenzerfetzender Horror-Thriller mit 1960er-Superstar – von einem Blockbuster-Genie!

Am späteren Abend läuft ein richtig spannender und intensiver Thriller im Free-TV. FILMSTARTS-Autor Oliver Kube empfiehlt euch dringend, einzuschalten. Denn nicht nur ist das Ganze schön kompakt (85 Minuten ohne Abspann), sondern auch noch werbefrei.

Der deutsche Titel des in den USA als „See No Evil“ und in Großbritannien als „Blind Terror“ veröffentlichten Thrillers mag zunächst etwas ungelenk anmuten. Schaut man sich den Film dann allerdings an, ergibt er Sinn und ist auch cleverer gewählt als die etwas arg generisch anmutenden Namen der englischsprachigen Fassung:

Arte zeigt „Stiefel, die den Tod bedeuten“ am heutigen 7. September 2026 um 22.10 Uhr. Eine Wiederholung wird nicht angeboten. Dafür steht der Film aber noch für einige Zeit als Gratis-Stream in der Mediathek des Senders zur Verfügung. Wer bereit ist, ein paar Euro zu investieren, kann terminunabhängig auf ein Video-on-Demand ausweichen:

Mia Farrow wurde extrem gefordert

US-Regisseur Richard Fleischer war ein Genie seiner Zunft. Seine Karriere umfasste über 40 Jahre und er inszenierte bereits reihenweise Blockbuster, bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Dabei war der 1916 geborene New Yorker auf kein Genre festgelegt. Er drehte sowohl Western, Crime-Thriller und Komödien als auch Abenteuer-, Historien- und Fantasy-Epen sowie Horror- oder Science-Fiction-Reißer. Zu seinen größten Hits zählten „20.000 Meilen unter dem Meer“, „Die Wikinger“, „Soylent Green“ und „Conan - Der Zerstörer“.

Dabei war Fleischer auch nicht exklusiv auf Großproduktionen abonniert. Zwischendurch kam er nämlich immer wieder auf seine erste Liebe zurück: intime, dabei mit ungeheurer Suspense geladene Thriller, die oft dem B-Film-Sujet zugeordnet wurden. Ein solcher ist auch der zwischen dem Weltkriegs-Spektakel „Tora! Tora! Tora!“ und dem heute als Sci-Fi-Klassiker angesehenen „Soylent Green“ im Jahre 1971 entstandene „Stiefel, die den Tod bedeuten“.

Fleischer arbeitete gern spontan. Wenn ihm ein Skript gefiel, wollte er es umsetzen. Und das am liebsten umgehend. Als er das Drehbuch zu „Stiefel, die den Tod bedeuten“ angeboten bekam, sagte er sofort zu. Dass er den Streifen aus Kostengründen komplett in England mit einer ihm unbekannten Crew und fast ausschließlich lokalen Schauspieler*innen realisieren sollte, war für ihn kein Hindernis. Eher machte er sich Sorgen um den physischen Zustand seiner Hauptdarstellerin. In einem Zeitungsinterview zum damaligen Start in den USA sagte er: „[Drehbuchautor Brian Clemens] gab uns eine gute Geschichte – eine, mit der ein Regisseur sehr gut arbeiten konnte, auch wenn sie für den Star hart war.“

Die Rede ist von Mia Farrow, die 1968 mit „Rosemaries Baby“ zum Superstar avanciert war. „Stiefel, die den Tod bedeuten“ war ihr erster Film seit der Geburt ihrer Zwillinge zwei Jahre zuvor. Über Farrows Professionalismus und ihre Nehmerqualitäten sagte Fleischer damals: „Mia Farrow ist aus purem Stahl – sowohl im Geist als auch im Körper. Ich habe sie extrem gefordert, aber sie hat sich nicht einmal beschwert.“

Stiefel, die den Tod bedeuten
Stiefel, die den Tod bedeuten
1 Std. 29 Min.
Von Richard Fleischer
Mit Mia Farrow, Dorothy Alison, Robin Bailey
User-Wertung
3,0

Der Verfasser dieses Artikels kann euch „Stiefel, die den Tod bedeuten“ nicht nur wegen der großartigen Mia Farrow, sondern auch wegen der enorme Spannung generierenden Machart wärmstens empfehlen. Da die Protagonistin blind ist, haben wir als Zusehende immer einen Wissensvorsprung. Und gerade dieser ist es, der den Film so involvierend macht. Während die Hauptfigur sich ahnungslos durch das Haus tastet, sehen wir die Gefahr, auf die sie sich zubewegt, und wollen ihr zurufen, dass sie bloß schnell wegrennen möge.

Klugerweise greift Fleischer dabei auf einen sehr effektiven Kniff zurück. Denn das Gesicht des Killers bekommt auch sein Publikum erst in der letzten Szene des Films zu sehen. Ansonsten ist der Mann nur von den Knien abwärts zu erkennen, bekleidet mit Jeans und den titelgebenden Lederstiefeln.

"Stiefel, die den Tod bedeuten": Das ist die Story

Nachdem sie bei einem Reitunfall ihr Augenlicht verloren hat, ist Sarah (Mia Farrow) auf dem Landsitz ihres Onkels George (Robin Bailey) und seiner Familie zu Besuch. Während eines auswärtigen Abendessens mit ihrem Freund Steve (Norman Eshley) entgeht sie dem Schicksal ihrer Verwandten, die von einem offenbar psychopathischen Killer in ihrem Heim brutal ermordet werden. Die heimgekehrte Sarah verbringt die Nacht in ihrem Schlafzimmer – ahnungslos, dass drei Leichen in verschiedenen Räumen des Hauses liegen.

Am nächsten Tag entdeckt Sarah durch Zufall die Toten. Völlig aufgeregt findet sie dann auch noch den Gärtner Barker (Brian Rawlinson) schwerverletzt vor. Der Angeschossene klärt sie über die Geschehnisse auf und berichtet ihr zudem, dass er eine Rückkehr des Mörders erwarte. Schließlich habe dieser ein Armband zurückgelassen. Barker weist Sarah noch auf dessen Fundort hin, bevor er seinen Verletzungen erliegt. Die Frau nimmt das Armband an sich und entdeckt, dass auf ihm ein Name eingraviert wurde, der den Täter identifizieren dürfte …

Falls ihr nach „Stiefel, die den Tod bedeuten“ noch Lust auf einen nahezu komplett anderen Film haben solltet, dann können wir euch das im folgenden Artikel vorgestellte Werk ans Herz legen:

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Oliver Kube
Oliver Kube
-Freier Autor & Kritiker
Oliver Kube ist seit den 1990ern als Journalist/Kritiker in Sachen Film, TV, Musik, Literatur & Technik tätig. Für FILMSTARTS schreibt er seit 2018.
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