Mit „X-Men“ sollte Bryan Singer („Die üblichen Verdächtigen“) das Superhelden-Kino nicht nur massenkompatibel gestalten, sondern es auch zurück auf die große Blockbuster-Karte bringen – und das auf höchst sehenswerte Weise. Der Nachfolger „X-Men 2“ konnte den Vorgänger sogar überbieten und zählt bis heute zu den besten Comic-Verfilmungen überhaupt, da sich Spektakel und Charakter-Momente hier ganz wunderbar die Waage hielten.
Dementsprechend groß waren natürlich die Erwartungen an „X-Men: Der letzte Widerstand“ – vor allem, da die letzte Szene von „X-Men 2“ bereits andeutete, dass wir uns in Richtung der legendären „Dark Phoenix Saga“ bewegen. Tatsächlich wurde für den Abschluss der Trilogie auch richtig gewaltig aufgefahren, was allerdings nicht dafür sorgte, die bisherige Qualität der Reihe beizubehalten. Einen Blick könnt ihr dennoch riskieren, zum Beispiel bei Disney+, wo „X-Men: Der letzte Widerstand“ zum Abruf bereitsteht:
Darum geht's in "X-Men: Der letzte Widerstand"
Die X-Men unter der bewährten Führung von Charles Xavier (Patrick Stewart) stehen vor ihrer bisher größten Herausforderung: Ihre tot geglaubte Kollegin Jean Grey (Famke Janssen) kehrt als Dark Phoenix zurück. Mit ihren unvorstellbaren Kräften stellt sie nicht nur eine Gefahr für sich selbst, sondern auch für die Mutanten und die gesamte Menschheit dar. Während die X-Men versuchen, einen Weg zu finden, Jean zu retten, spitzt sich die Lage zwischen Mutanten und Menschen weiter zu.
Als ein Mittel entdeckt wird, das genetische Mutationen kontrollieren und sogar beseitigen kann, droht ein neuer Konflikt zu eskalieren. Magneto (Ian McKellen) und seine Brotherhood sowie das menschliche Militär wollen diese Möglichkeit nutzen, um Mutanten ihrer Kräfte zu berauben – auch gegen ihren Willen. Für die X-Men, zu denen unter anderem Wolverine (Hugh Jackman) und Storm (Halle Berry) gehören, beginnt ein Kampf um die Freiheit und die körperliche Integrität aller Mutanten.
Teurer, aber nicht besser
Mit einem Budget von 210 Millionen US-Dollar sollte „X-Men: Der letzte Widerstand“ 2006 zum bis dato teuersten Film überhaupt avancieren. Zum Vergleich: Während der erste Teil noch vergleichsweise überschaubare 75 Millionen US-Dollar kostete, beliefen sich die kolportierten Produktionskosten von „X-Men 2“ auf 110 bis 125 Millionen US-Dollar. „X-Men: Der letzte Widerstand“ hat also gut 100 Millionen US-Dollar mehr verschlungen als der Vorgänger – und anhand dieses Budgets lässt sich auch schon das große Problem des Films ableiten.
Denn „Rush Hour“- und „Roter Drache“-Regisseur Brett Ratner, der den Regieposten von Bryan Singer übernahm, weil dieser sich um (den völlig unterschätzten) „Superman Returns“ kümmern wollte, ist kein Filmemacher, der ein besonders ausgeprägtes Gespür für Charakterorientierung besitzt. Dafür beherrscht er glatt produziertes, unterhaltsames Blockbusterkino. Im Grunde ist das erst einmal in Ordnung, da „X-Men: Der letzte Widerstand“ schließlich auch Popcorn-Kurzweil bieten soll. Gerade im Vergleich zum Vorgänger ist diese rein der Oberfläche verschriebene Herangehensweise dann aber doch etwas schade.
Disney und seine verbundenen Unternehmen
„X-Men: Der letzte Widerstand“ hat erzählerisch immer wieder Probleme damit, die Handlungsstränge rund um die Figuren straff zu halten und ihren neuen wie alten, inneren wie äußeren Konflikten gerecht zu werden. Da gibt es Momente, die wirklich gut funktionieren, etwa Magnetos Verrat an Mystique. Gleichzeitig werden Entscheidungen getroffen, die sich schlicht falsch anfühlen, wie beispielsweise der Umgang mit Cyclops. Seltsam ist auch, dass zu Beginn des Films mit Angel (Ben Foster) ein neuer Mutant prominent eingeführt wird, sich „X-Men: Der letzte Widerstand“ im weiteren Verlauf aber kaum noch für diese Figur interessiert. Über weite Strecken gerät sie sogar vollständig in Vergessenheit.
Eigentlich hätte „X-Men: Der letzte Widerstand“ die Kernfrage der „X-Men“-Reihe zu einem ebenso berührenden wie brachialen Abschluss führen sollen: Beherrscht du deine Kräfte oder beherrschen sie dich? Leider ist stattdessen größtenteils ein flacher Blockbuster entstanden, der zwar kein totaler Reinfall ist, seinem Potenzial aber nicht gerecht wird. Die bisherigen Stars und Neuzugänge wie der von Kelsey Grammer gespielte Beast sind ungemein charismatisch. Auch die Action darf ordentlich krachen – gerade für das Alcatraz-Finale wurde in Sachen Schauwerte noch einmal richtig aufgefahren. Ein Quäntchen mehr Substanz hätte dem Film dennoch gutgetan, insbesondere nach dem fantastischen „X-Men 2“.
Warum genau „X-Men 2“ ein so grandioser Film ist, könnt ihr im nachfolgenden Streaming-Tipp noch einmal ausführlich nachlesen:
Streaming-Tipp: Einer der besten Blockbuster überhaupt – so grandios können Fortsetzungen sein!*Bei diesem Link zu Disney+ handelt es sich um einen Affiliate-Link. Mit dem Abschluss eines Abos über diesen Link unterstützt ihr FILMSTARTS. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.