Hautnah an der größten Betrügerin Silicon Valleys: Der erste lange Trailer zur Doku "You Can See Everything“ wirkt wie ein Psychothriller
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„You Can See Everything“ dürfte eine Doku werden, wie man sie noch nie gesehen hat. Über Jahre hinweg wich ein Filmteam der wohl berühmtesten Betrügerin jüngerer Geschichte nicht von der Seite – dabei mutet bereits der Trailer an wie ein Horrorfilm:

Von Louis Verheyen

Drei Jahre lang drehten Comedian Nathan Fielder und Dokumentarfilmer Lance Oppenheim ihr neues Projekt im Geheimen, ohne dass auch nur eine Information darüber an die Öffentlichkeit sickerte. Erst durch eine Überraschungsvorführung beim Telluride Film Festival im September 2026 erfuhr man erstmals von der Existenz von „You Can See Everything“.

Dass der Film so lange erfolgreich vor der Welt unter Verschluss gehalten werden konnte, grenzt schon an ein Wunder – schließlich erhalten wir darin intimste Einblicke in das Leben der verurteilten Milliarden-Betrügerin Elizabeth Holmes.

Auf engstem Raum mit einer Meister-Manipulatorin

In „You Can See Everything“ begleitet eine Filmcrew den Familienalltag der Tech-Unternehmerin Elizabeth Holmes – exakt 34 Tage vor ihrem elfjährigen Haftantritt. Der Grund für das Urteil: Ein 2013 von ihr veröffentlichtes Gerät, das angeblich mit nur wenigen Tropfen Blut umfassende medizinische Untersuchungen durchführen konnte. Mit dieser vermeintlich revolutionären Erfindung stieg sie im Silicon Valley zum Star und zeitweise zur jüngsten Selfmade-Milliardärin der USA auf. Tatsächlich funktionierte ihr System aber gar nicht wie versprochen und führte zu etlichen, teils gefährlichen Fehldiagnosen – und das mit dem vollen Wissen von Holmes.

Ursprünglich als einmonatiges Porträt vor ihrer Inhaftierung geplant, entwickelte sich das Projekt zu einer dreijährigen, bisweilen surrealen Menschenstudie, die auch Holmes’ Zeit im Gefängnis beleuchtet. Stets erlaubte sie der Crew, ganz nah dabei zu sein. Vermutlich beabsichtigte sie damit, ihr Bild in der Öffentlichkeit nach eigenen Bedingungen zurechtzurücken. Der Film hingegen versucht über seine Laufzeit von knapp drei (!) Stunden, irgendwie schlau aus einer Frau zu werden, die einst die ganze Welt täuschen konnte.

Die genialen Köpfe hinter "You Can See Everything"

Für die Doku haben sich Nathan Fielder und Lance Oppenheim zusammengetan, zwei der derzeit spannendsten Provokateure im Dokumentar- bzw. Reality-Bereich. Fielder wurde etwa mit Formaten wie „Nathan For You“ oder „The Rehearsal“ bekannt, in denen er die Grenzen zwischen Fernsehen und Realität regelmäßig auf bizarren Wegen verschwimmen ließ. Oppenheim macht derweil mit seinem ebenfalls in diesem Jahr startenden Biopic „Primetime“ Schlagzeilen, in dem Robert Pattinson die kontroverse Fernsehpersönlichkeit Chris Hansen verkörpert.

Mit diesen zwei Filmemachern vor und hinter der Kamera besteht kein Zweifel daran, dass wir in „You Can See Everything“ absurdeste Einblicke in menschliche Abgründe zu sehen bekommen werden. Die Spannung speist sich schon in der Vorschau aus jeder Nahaufnahme von Holmes’ Gesicht, in dem noch jede kleinste Regung Teil einer kalkulierten Fassade sein könnte.

Erste Zuschauerreaktionen versprechen ein Jahres-Highlight

Zumindest beim kleinen Publikum, das den Film bei der Überraschungspremiere bereits sehen durfte, hat dieses Faszinosum vollends eingeschlagen: Auf der Kritikensammelseite Metacritic verzeichnet das Werk aktuell grandiose 95 Punkte, wobei von einer gleichermaßen unangenehmen wie bahnbrechenden Dokumentation gesprochen wird.

In den USA kommt „You Can See Everything“ im Oktober 2026 in die Kinos. Einen deutschen Starttermin gibt es bislang noch nicht.

Übrigens: Unangenehm kann bekanntlich auch Horror-Regisseur Ari Aster – dessen nächstes Projekt nimmt nun durch die Besetzung eines Marvel-Stars weiter Form an:

Neuer Film vom "Hereditary"-Macher nimmt weiter Form an: Neben Scarlett Johansson ist nun noch ein Marvel-Star an Bord
Louis Verheyen
Louis Verheyen
-Freier Autor
Genießt alle Facetten des Kinos und lässt sich von „Mulholland Drive“ ebenso gern verstören wie von „Call Me By Your Name“ verzaubern. Hofft immer noch wehmütig darauf, dass Richard Kelly mal wieder einen Film dreht.
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