Nach teils heftigen Verrissen für Tom Cruises neuen Film: Warner greift zu ungewöhnlichem Werbe-Trick
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Viele hofften, dass „Digger“ mit Tom Cruise einer der Kinohöhepunkte des Jahres wird. Doch die Kritik ist tief gespalten, teilweise sind die Besprechungen vernichtend. Das kontert Verleih Warner jetzt geschickt mit einer ungewöhnlichen Werbekampagne.

Von Björn Becher

Mit „Digger“ hat Tom Cruise ein besonders ambitioniertes Projekt in Angriff genommen. Erstmals seit langer Zeit steht der „Mission: Impossible“-Star nicht als Actionheld vor der Kamera, sondern spielt einen exzentrischen Öl-Milliardär, der die Menschheit vor einer von ihm selbst ausgelösten Umweltkatastrophe retten soll. Inszeniert wurde die schwarze Komödie von Alejandro González Iñárritu, der mit „Birdman“ und „The Revenant“ gleich zwei Oscar-prämierte Filme ablieferte.

Auch die weitere Besetzung kann sich unter anderem mit Sandra Hüller, Riz Ahmed und John Goodman sehen lassen. Das sind beste Voraussetzungen für ein neues Kino-Highlight, das es aber zumindest nach meiner Meinung nicht geworden ist. „Wenig Biss, kaum Humor und kein Herz“ sowie „eine überraschend leblose, dröge Angelegenheit“ heißt es allein im Fazit meiner offiziellen FILMSTARTS-Kritik. Nur 1,5 Sterne gebe ich dort.

Ich war sehr gespannt, wie die übrige internationale Presse den Film sieht. Zeitgleich mit meiner Kritik sind am gestrigen 29. September weltweit weitere Rezensionen erschienen und diese zeichnen ein wunderbar breit gefächertes Bild. Zwischen überschwänglichem Lob und heftigen Verrissen wie von mir selbst ist praktisch alles vertreten. Und genau diesen Umstand macht sich Warner auf überraschende Weise zunutze: Das Studio nutzt explizit auch die schlechten Kritiken, um für den Film zu werben.

Von "Meisterwerk" bis "unerträglich": So macht Warner mit den Verrissen Werbung

Aufgrund der ersten Reaktionen in den sozialen Medien zeichnete sich die Spaltung ab, deswegen hatte Warner den passenden Werbespot womöglich schon vorbereitet. Kurz nach Veröffentlichung aller Kritiken brachte der Verleih das Kurzvideo dann heraus. In diesem werden begeisterte und ausgesprochen negative Stimmen direkt gegenübergestellt. Nach einem einleitenden Zitat, laut dem dieser Film polarisieren werde, treffen immer wieder gegensätzliche Rezensionspaare aufeinander. Da heißt es „Meisterwerk“ und „unangenehm“ oder „großartig“ und „unerträglich“.

Dazu kommen der Verweis „Derselbe Film, verschiedene Wahrheiten“ sowie ein Zitat, man solle vorab möglichst wenig über die Handlung wissen. Unterstrichen wird das durch Ausschnitte aus dem Film selbst. Als Cruises Figur Digger Rockwell mit Kritik konfrontiert wird, reagiert sie mit einem derben „Scheiß auf diese Leute!“. Clever versucht Warner so, die negativen Kritiken abzutun und das Publikum aufzufordern, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Die Kritik ist gespalten: Deswegen sollte man für "Digger" ins Kino

Dem kann ich mich anschließen. Ja, von mir stammt eine besonders negative Kritik, mit der ich nicht alleine stehe. Im Spiegel schreibt Hannah Pilarczyk sogar von den „schrecklichsten 128 Minuten“, die sie 2026 bislang im Kino verbracht hat. Und im renommierten Hollywood Reporter spricht Chef-Filmkritiker David Rooney ausgesprochen blumig von einer „qualvollen Ermüdung“, die sich einstelle, während man dabei zusehe, wie der Film „in seinem eigenen Arsch verschwindet“.

Allerdings stehen dem auch sehr positive Stimmen gegenüber. Die Nachrichtenagentur Associated Press etwa würdigt den Mut hinter der ungewöhnlichen Produktion und hebt ihre eindrucksvolle Bildsprache hervor. Bei Time Out lobt man den Film als „bombastisch“ und rät der eigenen Leserschaft, „auf niemanden zu hören, der erzählt, dass es nicht lustig sei.“

Die Uneinigkeit zeigt sich auch auf den größten Kritikensammelportalen. Bei Rotten Tomatoes wird rund die Hälfte aller Kritiken als positiv und die andere Hälfte als negativ eingestuft. Bei Metacritic wird ein Durchschnittswert von 44 Punkten angezeigt, wobei die Einzelkritiken zwischen 0 und 91 Punkten liegen. Deshalb lautet unsere Empfehlung in diesem Fall ganz besonders: Macht euch ein eigenes Bild. Dazu habt ihr bereits ab dem morgigen 1. Oktober die Chance, wenn die ungewöhnliche Tom-Cruise-Komödie in den deutschen Kinos startet.

Übrigens lehnte ein Regisseur gerade eine Zusammenarbeit mit Tom Cruise ab, um lieber einen Marvel-Film zu machen. Mehr dazu gibt es im folgenden Artikel:

Für MCU-Horror: "Deadpool & Wolverine"-Regisseur lehnte Regie bei Action-Blockbuster ab, obwohl Tom Cruise ihn unbedingt wollte

Björn Becher
Björn Becher
-Mitglied der Chefredaktion
Seit mehr als 25 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" und alles, was gerade im Kino läuft.
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