Neben einem euphorisch über die Sitzreihen kletternden Roberto Benigni („Das Leben ist schön“) und Will Smiths Ohrfeige für Chris Rock zählen die finalen Augenblicke der Academy Awards 2017 sicherlich zu den berühmtesten Momenten der Oscar-Geschichte. Auch zehn Jahre später kann sich wohl noch so ziemlich jede*r ganz genau daran erinnern, die oder der das Ganze damals live mitverfolgt hat.
Denn als es schließlich zur Verleihung in der Kategorie Bester Film kam, war zunächst kaum jemand überrascht, dass Faye Dunaway und Warren Beatty „La La Land“ als Sieger verkündeten. Das Musical mit Ryan Gosling und Emma Stone hatte zu jenem Zeitpunkt schließlich schon sechs Goldjungen eingeheimst – und war als Liebeserklärung an die Traumfabrik geradezu prädestiniert, auch den Hauptpreis zu erhalten. Doch Pustekuchen! Beatty hatte versehentlich den falschen Umschlag erhalten. Tatsächlich wurde „Moonlight“ zum besten Film des Jahres 2016 gewählt, wie wenige Sekunden später klargestellt wurde.
Des einen Freud, des anderen Leid. Was alle Beteiligten jedoch einte, war die wohl wildeste emotionale Achterbahnfahrt ihres Lebens. Die durchaus Folgen nach sich zog, wie „Moonlight“-Macher Barry Jenkins nun verriet.
Der "Moonlight"-Regisseur verarbeitete den Oscar-Skandal in einer Therapie
Neben Hauptdarsteller Mahershala Ali („Green Book“) hatte Jenkins bereits den Goldjungen für das beste adaptierte Drehbuch erhalten. Das Hin-und-her um die begehrte Trophäe für den besten Film habe den heute 49-jährigen Amerikaner aber dennoch nachhaltig beschäftigt, wie er nun im Gespräch mit Vanity Fair enthüllte.
Dass sein Film gewann, sei für ihn nach wie vor eine Überraschung, auf die er gerne zurückblicke. Zugleich habe der besagte Abend in ihm jedoch nicht nur Stolz ausgelöst. „Erst durch ein wenig Therapie und die Aufarbeitung der Geschehnisse wurde mir bewusst, dass ich tatsächlich ein Trauma erlitten hatte“, so Jenkins. Dies sei ihm erst nach den darauffolgenden Oscars durch professionelle Hilfe klar geworden.
Seit "Beale Street" ist alles wieder gut
Ein weiteres Jahr später hätte das Trauma dann durchaus noch einmal von vorne losgehen können, schließlich ging Jenkins mit „Beale Street“ einmal mehr ins Oscar-Rennen. Für eine Auszeichnung reichte es letztlich zwar nicht, doch immerhin habe er damals schon gemerkt, die Ereignisse von 2017 gänzlich verarbeitet zu haben. Aber gut, schließlich ging er letztlich ja auch als Sieger aus der ganzen Farce hervor.
Seitdem ist längst der Alltag eingekehrt. Barry Jenkins bescherte uns so etwa noch die für sieben Emmys nominierte Serie „The Underground Railroad“ sowie seinen ersten waschechten Mainstream-Blockbuster: „Mufasa: Der König der Löwen“. Und wir sind uns sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der in Florida aufgewachsene Filmemacher erneut im Oscar-Geschehen mitmischt. Vielleicht ja mit seinem Film „Be My Baby“, in dem Superstar Zendaya zur legendären Sängerin Ronnie Spector wird:
Die Dreharbeiten könnten noch im Herbst beginnen: Gewinnt Zendaya für diesen Film ihren ersten Oscar?