Viele dürften sich mit Schaudern an den Deutschunterricht zurückerinnern, an mittelhochdeutsche Verse und eine Geschichte, die „Game Of Thrones“ eigentlich in nichts nachsteht: Die Rede ist vom „Nibelungenlied“*, das um 1200 niedergeschrieben wurde und als eines der bedeutendsten Heldenepen der deutschen Literatur bis heute weltweit bekannt ist. Seit 2009 gehört eine Handschrift des Werks sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Die Story hat es in sich und bietet mit Drachen, Liebe, Rache, Blut, Verrat genau den Stoff, aus dem epische Leinwand-Abenteuer gemacht werden. Kein Wunder also, dass das Nibelungenlied bereits mehrfach verfilmt wurde. Bereits 1924 setzte Fritz Lang („Metropolis“) mit seinem Zweiteiler ein filmisches Denkmal, in den 60ern folgte Harald Reinls farbenprächtige Adaption und 2004 wagte sich schließlich Uli Edel („Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“) an seine Adaption „Die Nibelungen – Der Fluch des Drachen“.
Dabei fuhr er einen hochkarätigen Cast auf: Neben Benno Fürmann („Die Känguru-Verschwörung“) in der Rolle des Titelhelden Erik bzw. Siegfried tritt Kristanna Løken („Terminator 3“) als wallende Walküre mit wehenden Haaren auf, und auch Julian Sands („Boxing Helena“), Max von Sydow („Der Exorzist“) und 007-Schurke Götz Otto („Der Morgen stirbt nie“) sind mit von der Partie. Der größte Star auf der Besetzungsliste war damals allerdings noch völlig unbekannt: Babyface Robert Pattinson, der hier vier Jahre vor seinem Durchbruch als kantiger Vampir Edward Cullen zu sehen ist!
Was bei diesem sehr ambitionierten Unterfangen herauskam, könnt ihr euch heute Abend um 20.15 Uhr auf TELE 5 ansehen – und zwar gut drei Stunden lang, denn gesendet werden beide Teile der aufwändigen TV-Produktion, die damals auf Sat.1 ihre Erstausstrahlung hatte. Alternativ könnt ihr beide Teile im ALLSTARS-Channel streamen:
Siegfried, der Drachentöter
Als Kind muss der Königssohn Siegfried (Benno Fürmann) mitansehen, wie seine Eltern ermordet werden. Er selbst entkommt und wächst ohne Erinnerung an seine Herkunft als Sohn des Schmiedes Eyvind (Max von Sydow) auf.
Jahre später schlägt ein Meteorit ein – und am Rande des brennenden Kraters trifft er die schöne Brunhild (Kristanna Løken). Die beiden verlieben sich sofort, doch bald trennen sich ihre Wege wieder. Siegfried verschlägt es an den Hof der Burgunder, wo er einen Drachen tötet und dadurch in Besitz des sagenumwobenenen Nibelungenschatzes gelangt – auf dem allerdings ein Fluch lastet.
Auch Prinzessin Kriemhild (Alicia Witt) hat es auf den Drachentöter abgesehen, während ihr Bruder Gunther (Samuel West) ganz eigene Ziele verfolgt. Und so kommt es, dass Siegfried immer weiter in einem Netz aus Liebe, Verrat und Intrigen gerät…
Ein bisschen viel gewollt
Dass Uli Edel sichtlich bemüht war, das muss man ihm lassen: Er verbindet Motive des mittelalterlichen Nibelungenlieds mit nordischen Sagen und Richard Wagners Opernzyklus „Ring des Nibelungen“, das alles im Versuch, ein zugängliches Fantasy-Abenteuer zu schaffen. Dass er sich dabei Freiheiten gegenüber der literarischen Vorlage nimmt, dürfte wenig überraschen – und dass aus einem Budget von rund 23 Millionen kein „Herr der Ringe“ wird, ebenso wenig.
Die Effekte sind schlecht gealtert und waren zum Teil bereits zu Zeiten der Erstausstrahlung dürftig (siehe Spiegel-Kritik von 2004). Die Farben sind übersättigt, die Blicke der Darsteller*innen bedeutungsschwanger aufgeladen, hinzu kommen Dialoge irgendwo zwischen Pathos und unfreiwilliger Komik.
So bleibt „Die Nibelungen“ ein TV-Zweiteiler, der vieles will, aber längst nicht alles schafft. Was als großes Fantasy- und Helden-Spektakel angelegt war, erinnert heute vielmehr an einen Abenteuerfilm aus den 1970ern. Wer sich aber auf Drachen, Schwerter, ein bisschen Blut und eine gute Portion Trash einlassen möchte, dürfte heute auf seine Kosten kommen.
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