Dieses Fantasy-Abenteuer hat über 3,2 Millionen Menschen in die deutschen Kinos gelockt – heute läuft der temporeiche Hit im TV
von Sidney Schering
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Til Schweiger, die deutsche Stimme von Tom Hanks und ein antikes Griechenland voller 90er-Jahre-Sarkasmus sowie 60er-Jahre-Rhythmus: „Hercules“ ist eine fantasievolle, schmissige Gute-Laune-Bombe im Disney-Kanon. Heute wird sie im Free-TV gezündet.

In den 1990ern feierten die Disney-Trickstudios Hit nach Hit: Die traditionsreiche Animationsschmiede holte sich von 1990 bis 1999 zehn Goldene Leinwände – eine begehrte Branchenauszeichnung für publikumsträchtige Kinofilme! Teil dieses Erfolgsreigens war eine temporeiche, stylische Fantasy-Musicalkomödie, die griechische Mythologie und dramaturgische Versatzstücke aus „Superman“ sowie „Rocky“ zum schmissig-zeitgemäßen Comedy-Hybriden vereint.

Die Rede ist von „Hercules“, einem durch Musik im Stil von Motown, R&B und Gospel angefeuerten Zeichentrickblockbuster, der in der deutschen Synchronfassung einen validen Kandidaten auf den Titel „Lustigster Til-Schweiger-Film“ darstellt! Das lockte 1997 allein hierzulande mehr als 3,2 Millionen Menschen in die Kinos.

Heute, am 23. Oktober 2026, läuft „Hercules“ ab 20.15 Uhr im Disney Channel. Außerdem ist der Knaller der „Aladdin“-Regisseure John Musker und Ron Clements via Disney+ abrufbar:

Darum geht es in "Hercules"

Als Göttervater Zeus (Stimme im Original: Rip Torn / deutsche Stimme: Wolfgang Dehler) und seine göttliche Gattin Hera (Samantha Eggar / Viktoria Brams) ihren Sohn Hercules (Josh Keaton / Dominik Auer) bekommen, ist Hades (James Woods / Arne Elsholtz) außer sich: Dem Herrscher der Unterwelt wurde prophezeit, dass nur dieser Spross seinen Plänen im Weg steht, den Olymp an sich zu reißen. Also befehligt der aschfahle Gott mit blauem Flammenhaar seinen Untergebenen Pech (Bobcat Goldthwait / Stefan Jürgens) und Schwefel (Matt Frewer / Mirco Nontschew), Hercules zu entführen, durch ein Elixier sterblich zu machen und zu töten.

Pech und Schwefel vermasseln jedoch ihren Auftrag. Hercules behält nahezu göttliche Stärke und wird von einem sterblichen Ehepaar großgezogen. Als ungeschickter Jugendlicher führt er ein Dasein als Außenseiter, doch als ihm Zeus eines Tages offenbart, welche Herkunft er hat und dass er als wahrer Held auf den Olymp zurückkehren könnte, gewinnt er an Perspektive:

Hercules lässt sich vom Heldentrainer Philoctetes (Danny DeVito / Mogens von Gadow), einem mürrischen Satyr, ausbilden und tingelt als Erwachsener (nun: Tate Donovan / Til Schweiger) von Notlage zu Notlage, um den Tag zu retten. Eines Tages begegnet er der sarkastischen Megara (Susan Egan / Jasmin Tabatabai), einer Jungfrau in Nöten, die jegliche Hilfe ablehnt. Mit dieser Attitüde erobert sie Hercules' Herz, aber sie hat ein Geheimnis, durch das sein Herz zerbrechen könnte...

Von "The Wall" zum Chicken McNugget

Zwar setzt „Hercules“ die in den 1990ern bewährte Disney-Erfolgsformel fort, Humor, Emotion und Melodien des Oscar-Preisträgers Alan Menken zu verbinden, visuell geht er jedoch eigene Wege: Um den Figuren einen unverkennbaren Stil zu verleihen, holten sich Clements & Musker den britischen Karikaturisten Gerald Scarfe ins Team, der unter anderem durch seine Mitwirkung an Pink Floyds „The Wall“ Ruhm erlangte.

Außerdem ist der Look des Films reich an ästhetischen Verweisen auf antike, griechische Kunst – so hat Megara eine Statur wie eine schmucke, altgriechische Säule. Der Humor des Films ist dagegen ein bewusster Gegenpol: Schnippische 90er-Jahre-Komik durch und durch! Hades mausert sich mit seiner eloquenten Abfälligkeit gegenüber allem und jedem zum lustigsten Disney-Animationsschurken überhaupt.

In der deutschen Synchro funktioniert er für den Verfasser dieses TV-Tipps dank Elsholtz‘ vollblütig-genüsslicher Stimmperformance sogar noch besser als im Original. Das Synchrotalent, das Tom Hanks‘ Stammstimme war, kostet es zum Beispiel komplett aus, als genervter Unterweltgott seine bockige Helferin im ironischen Komplimente-Singsang abwertend als „mein Chicken McNugget“ zu bezeichnen – ein Spruch, der ein gewaltiges Loch in „Hercules“ reißen müsste, den Film in seiner Absurdität aber wundersam bereichert.

Kein Ironie-Overkill

Schließlich schmettern die Musen hier auch ein von Motown-Hits inspiriertes Loblied auf den Halbgott Hercules, während er in einer „Rocky“-artigen Montage seinen Aufstieg feiert. Und Megaras gesungene Erkenntnis, dass sie verliebt ist, trieft textlich vor modernem „Ich bin zu gut für Romantik“-Sarkasmus. Selbstredend, ohne ihre Schwärmerei zu negieren.

Denn unter all der ablehnenden Distanz sind die Gefühle in „Hercules“ echt. Das gilt insbesondere für die inbrünstig geschmetterte Ballade des Titelhelden, in der er sich selbst Mut macht, gut genug zu sein. Und selbst wenn Hercules für diese Aussage blumigere Worte gewählt hat: Inhaltlich funktioniert das 2026 erwiesenermaßen immer noch so gut wie 1997!

Falls ihr nach diesem gezeichneten Disney-Blockbuster wissen möchtet, was seine Regisseure rund ein Jahrzehnt zuvor so abgeliefert haben: Im folgenden Artikel stellen wir euch einen nicht genug gewürdigten 80er-Jahre-Krimispaß der „Hercules“-Macher vor:

Jedes Kind der 80er und 90er kennt diesen Film – doch 40 Jahre nach seinem Kinostart ist er fast vergessen!

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Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Sidneys Lieblingsfigur ist Donald Duck, sein erster Kinofilm war Disneys „Aladdin“ und bereits in der Grundschule las er eine Walt-Disney-Biografie. Wenn er könnte, würde er ins Disneyland auswandern, aber da das nicht geht, muss ihn seine Disney-Sammlung bei Laune halten.
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