2023 hat es „Im Westen nichts Neues“ nach „Das Leben der Anderen“ aus dem Jahre 2006 mal wieder geschafft, den Oscar nach Deutschland zu holen. Warum sich der Antikriegsfilm von Edward Berger nicht nur bei den Zuschauer*innen, sondern auch bei der Kritik einer derart großen Beliebtheit erfreuen durfte, wird sogar dadurch deutlich, wenn man sich die Academy Awards anschaut, die „Im Westen nichts Neues“ neben der Auszeichnung für den Besten internationalen Film noch gewinnen konnte. Da gab es nämlich außerdem Preise für die Beste Kamera, die Beste Filmmusik und das Beste Szenenbild.
Ja, „Im Westen nichts Neues“ ist ein brachial in Szene gesetztes Kriegsepos, welches sich definitiv konkurrenzfähig mit amerikanischen Produktionen erweist. Auf handwerklicher (wie auch schauspielerischer) Ebene, ist Edward Berger hier eine urgewaltige Seherfahrung gelungen, die das vom Kugelhagel umwitterte Chaos in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges körperlich fast greifbar macht. Dass sich der Film dadurch auch einen gewissen Spektakelcharakter aneignet, darf man ihm vorwerfen. Beeindruckend ist das Ergebnis dennoch.
Ein Muss für alle "Im Westen nichts Neues"-Fans
Falls ihr euch „Im Westen nichts Neues“ angeschaut und nun noch mehr Lust habt, in das Genre des Kriegsfilms einzutauchen, dann gibt es einen ganz besonderen Tipp: „Stalingrad“ aus dem Jahre 1993. Nicht nur handelt es sich hier ebenfalls um eine deutsche Produktion, die in Sachen technischem Aufwand und Detailversessenheit wirklich die für ihre Zeit ganz großen Geschütze aufgefahren hat. Auch thematisch bewegt sich Regisseur Joseph Vilsmaier („Schlafes Bruder“) mit „Stalingrad“ nah an „Im Westen nichts Neues“. Es geht um das Grauen des Krieges, den unschätzbaren Wert von echter Kameradschaft und die Verurteilung tumben Militarismus.
Ihr habt „Stalingrad“ bislang noch nicht gesehen? Dann könnt ihr euch als Abonennt*innen den Kriegsfilm aktuell ohne Zusatzkosten in den Flatrate-Programmen der Streaming-Services ARD Plus, MagentaTV und filmfriend anschauen. ARD Plus könnt ihr entweder über die hauseigene App oder als Zusatzkanal via Amazon Prime Video abonnieren*. An gleicher Stelle ist es allen Filmfans ohne Abo möglich, den Streifen für ein paar Euro als Video-on-Demand zu streamen:
Alternativ könnt ihr natürlich auch auf die (4K-)Blu-ray*-Version des Filmes ausweichen, die euch dank digitaler Überarbeitung und neu abgetastetem Sounddesign über gut 140 Minuten Laufzeit das perfekte Heimkinoerlebnis garantiert.
Darum geht’s in "Stalingrad"
Ostfront, im Winter des Jahres 1942: Die 6. Armee ist mit knapp 600.000 Mann in der völlig zerbombten Stadt Stalingrad eingekesselt worden. Die Temperaturen sinken dabei zeitweise bis auf minus 50 Grad. Für Fritz (Dominique Horwitz), Hans (Thomas Kretschmann), Rollo (Jochen Nickel) und GeGe (Sebastian Rudolph) hat der Kampf ums nackte Überleben begonnen. Kugelhagel und Stalinorgeln sind nur ein Teil des absoluten Schreckens.
Die meisten Männer hier verlieren den Kampf gegen den Hunger und die Kälte. Die Durchhalteparolen des Führers haben nach und nach keinerlei Bedeutung mehr, denn vor ihren Augen bricht zusehends alles zusammen, woran sie einst geglaubt haben, bis letztlich nur noch ein Wunsch existiert: von dem Leid endlich erlöst zu werden...
Ein Erlebnis, das unter die Haut geht
Auch wenn „Stalingrad“ in Sachen Inszenierung letztendlich nicht ganz so wuchtig auffährt wie „Im Westen nichts Neues“, gelingt es Joseph Vilsmaier von Beginn an, die Zuschauer*innen mit beeindruckenden Kulissen und durchaus druckvoll in Szene gesetzten Kampfsequenzen zu fesseln. Wichtig dabei ist, dass „Stalingrad“ in jeder Sekunde Wert darauf legt, das Kriegsszenario mit einer durch und durch kritischen, ablehnenden Haltung zu betrachten. Militarismus und Faschismus werden hier dekonstruiert, bis nichts mehr übrig bleibt, außer hohle Phrasen und tote Körper.
Eurovideo
„Stalingrad“ macht den Schrecken des Krieges aber nicht nur mittels audiovisueller Kraft deutlich, sondern kommt zuvorderst über die charakterliche Ebene. Die Dynamik unter Fritz, Hans, Manfred und GeGe ist das Herzstück des Films und vergleichbar mit der Beziehung von Paul Bäumer (Felix Kammerer), Stanislaus Katczinsky (Albrecht Schuch) und Co., die der Geschichte von „Im Westen nichts Neues“ letztlich ihre emotionale, tragische Tiefe verleihen konnten. Gerade Dominique Horwitz sticht als Fritz schauspielerisch heraus, weil an ihm die Wandlung vom unbescholtenen Patrioten zum Verdammten des Krieges am deutlichsten (und schmerzhaftesten) zum Ausdruck gebracht wird.
Und auch wenn „Stalingrad“ mit Sicherheit nicht der subtilste Vertreter seines Genres und handlungstechnisch eher auf bekannten Pfaden unterwegs ist, so erweist sich Joseph Vilsmaier jedenfalls hierzulande zum Klassiker avancierter Kriegsfilm als ungemein wirkungsvoll und erbarmungslos. Der Blick ist auf das Wesentliche gerichtet: Die eisige Hölle von Stalingrad, in der es den Soldaten letztlich gar nicht mehr unbedingt darum geht, es irgendwie lebendig aus Russland nach Hause zu schaffen. Es geht nur noch darum, dass das Grauen endlich aufhört. In „Stalingrad“ gibt es keine Gewinner.
Auch ein anderer Kriegsfilm schrieb Filmgeschichte und beeindruckte sein Publikum auf teilweise ganz spezielle Weise:
Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.
*Bei diesen Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder dem Abschluss eines Streaming-Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.