Die Verbindung von Kriegs-Action mit Justiz-Thrillern hat einige echte Kino-Highlights hervorgebracht. An erster und zweiter Stelle sind da für mich wohl „Eine Frage der Ehre“ und „Die Caine war ihr Schicksal“ zu nennen. Ein richtig guter, weil schön spannender, dann aber auch nachdenklich machender Vertreter dieses Sujets ist zudem der mit jeder Menge Topstars bevölkerte „Mut zur Wahrheit“ (Originaltitel: „Courage Under Fire“) aus dem Jahre 1996. Die Inszenierung übernahm „Blood Diamond“- und „Last Samurai“-Regisseur Edward Zwick:
„Mut zur Wahrheit“ könnt ihr aktuell im Flatrate-Programm von Disney+* streamen. Alternativ ist der FSK-12-Titel für ein paar Euro bei diversen anderen Anbietern wie Amazon Prime Video, Apple TV oder MagentaTV als Video-on-Demand zu haben:
"Mut zur Wahrheit": Das ist die Story
1991: Der zweite Golfkrieg geht in die Bodenkampfphase über. Lieutenant Colonel Nathaniel Sterling (Denzel Washington) hat den Auftrag, eine Panzerbrigade nach Kuwait zu führen. Unter schwerem Beschuss durch die Iraker befiehlt er, ein Ziel zu zerstören, das wie ein feindlicher, auf sie feuernder Panzer aussieht. Als sich das Chaos etwas lichtet, stellt sich jedoch heraus, dass er ein von einem alten Freund (Tim Ransom aus „Blond“) kommandiertes US-Fahrzeug zerstört und dessen Besatzung getötet hat. Die internen Ermittlungen der Army sprechen Sterling zwar von jeder Schuld frei, doch der Vorfall lässt ihn nicht mehr los.
Monate später soll Sterling den Kriegseinsatz von Captain Karen Walden (Meg Ryan) untersuchen und bewerten. Denn die einen Sanitäts-Helikopter fliegende Offizierin wurde als erste Frau in der Geschichte der US-Streitkräfte für die Medal of Honor nominiert – die höchste militärische Auszeichnung des Landes. Die Verleihung müsste indes posthum erfolgen, da Walden, als sie und ihr Team zu evakuierende Personen schützten, ums Leben kam. Zunächst sieht das Ganze wie ein Routinefall aus. Doch dann ergeben sich bei Sterlings Befragungen der Hubschrauberbesatzung und der Bodentruppen massive Ungereimtheiten …
So gut ist "Mut zur Wahrheit"
„Mut zur Wahrheit“ war nach dem Bürgerkriegsepos „Glory“ die zweite Kollaboration zwischen Regisseur Edward Zwick und Oscargewinner Denzel Washington („Training Day“). Das Ganze erinnert ein wenig an den Kurosawa-Klassiker „Rashomon“. Denn auch hier muss sich die Hauptfigur die tatsächlichen Vorgänge aus teilweise stark widersprechenden Aussagen zusammenreimen, während wir sämtliche Varianten anschauen und uns ein eigenes Bild darüber machen können, wer lügt und wer die Wahrheit spricht.
Auch wenn man mittlerweile sogar in großen Teilen der US-Bevölkerung anders auf den zweiten Golfkrieg (1990/91) blickt, bleibt der Film bis heute nicht nur unterhaltsam, sondern regt auch zum Nachdenken und Mitknobeln an. Zumal Zwick und sein Drehbuchautor Patrick Sheane Duncan („Gegen die Zeit“) trotz einiger in einem solchen Szenario wahrscheinlich unvermeidlicher Patriotismus-Momente keinerlei Stellung dazu beziehen, ob dieser Krieg gerechtfertigt war oder nicht.
Besonders gelungen ist hier der nahtlose Übergang zwischen den Genre-Elementen einer Detektivstory, eines intimen Charakterdramas, inklusive der Sucht- und psychischen Probleme des Protagonisten, sowie der Schlachtfeld-Action. Alles passt homogen zusammen und ergibt eine exzellent fließende Geschichte. Dieses Ergebnis ist sicher auch der wie üblich brillanten Arbeit von Chef-Kameramann Roger Deakins (oscarprämiert für „1917“) und Zwicks Stamm-Cutter Steven Rosenblum („Blood Diamond“) zu verdanken.
Fox 2000 Pictures
Bleibt noch die Leistung der Stars: Denzel Washington liefert absolut zuverlässig ab und trägt den Film mit seiner jederzeit glaubhaften Performance. Und auch Meg Ryan („Sleepless In Seattle“) überzeugt, indem sie hier einmal gegen ihre sonst so typisch quirlige Art anspielt, was zur Abwechslung sehr erfrischend ist.
In weiteren Parts erwarten euch zudem unter anderem Matt Damon („Der Marsianer“), Michael Moriarty („Holocaust“), Lou Diamond Phillips („Young Guns“), „The Wire“-Veteran Seth Gilliam und Sean Astin aus der „Herr der Ringe“-Trilogie. Der gesamte Cast gibt grundsolide bis richtig gute Vorstellungen, sodass es auch diesbezüglich eigentlich keine Beanstandungen geben dürfte, wenn ihr euch den Film anschaut.
In „Mut zur Wahrheit“ sind Denzel Washington und der damals noch sehr junge Matt Damon in gemeinsamen Szenen zu sehen. Ein paar Jahre später entwickelte Washington dann fast schon missgünstige Gefühle gegenüber dem „Die Odyssee“-Superstar. Wie es dazu kam, erfahrt ihr im folgenden Artikel:
"Das hat mich genervt": Denzel Washington war neidisch auf Matt Damon – der Grund dafür dürfte sich mittlerweile erledigt haben!*Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.