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    "Hass": Fortsetzung des Kultfilms von Mathieu Kassovitz weiter im Gespräch

    Mit seiner zweiten Regiearbeit "Hass" schuf Mathieu Kassovitz 1995 einen Meilenstein des modernen französischen Kinos, der heute als absoluter Kultfilm gilt. Nun weckte der Regisseur in einem Interview neue Hoffnung auf eine Fortsetzung.

    StudioCanal

    Vor 20 Jahren drehte Mathieu Kassovitz mit "Hass" (Originaltitel: "La Haine") einen thematisch bis heute höchst aktuellen wie brisanten Film über die schwierigen Lebensumstände junger Menschen in den französischen Vorstädten. Anlässlich des runden Jubiläums beschäftigt sich der Filmemacher schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken an eine Fortsetzung zu seinem Werk. Schon im Oktober 2014 stellte er sich im Interview mit dem französischen Magazin L'Express die Frage, ob er es wirklich tun solle oder nicht. Doch wenn er sich tatsächlich dazu entschließen wolle, dann auf jeden Fall 2015. Eine Aussage, die er später wieder in einem Gespräch mit dem Filmmagazin Première relativierte, in dem er sagte, dass er mit dem Filmemachen aufhören sollte, weil er ohnehin den Erstling niemals übertreffen könne.

    Jetzt hat aber der Schweizer Sender Joiz in einem Interview, das Kassovitz mit dem Sender France Inter geführt hat, herausgehört, dass die Pläne für eine Fortsetzung sehr wohl noch in dessen Kopf herumgeistern. Der terroristische Anschlag auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" vom 7. Januar 2015, bei dem insgesamt 12 Menschen getötet worden sind, gab Anlass zu einem hitzigen Gespräch, in dessen Verlauf auch "Hass" zum Thema wurde. Die Frage, ob denn nicht der richtige Zeitpunkt für eine Fortsetzung gekommen sei und er sie jetzt endlich angehen möchte, bejahte der "Die purpurnen Flüsse"-Macher, schob aber noch scherzhaft nach, dass er sich sofort nach Beendigung des Interviews daran setzen werde. Zwar bleibt damit offen, ob er es wirklich ernst damit meint, doch wird deutlich, dass ein zweiter Teil nach wie vor ein Thema ist.

    Der Zeitpunkt könnte zudem wirklich nicht besser sein. Schon das Ursprungswerk von '95 wurde vor dem Hintergrund realer Unruhen gedreht und wies schon damals auf ernsthafte gesellschaftliche Probleme hin. Und auch zehn Jahre später, als im November 2005 ganz Frankreich durch massive Jugendproteste regelrecht in Flammen stand, waren Kassovitz und sein Film Teil des Diskurses über Jugendgewalt und verfehlte Integrationspolitik. Der Filmemacher selbst war sich nie zu schade, seine Meinung kundzutun; so veröffentlichte der Guardian seinerzeit ein langes Statement des Regisseurs, in dem er sich u. a. über den späteren Präsidenten Nicolas Sarkozy ausließ. Und im bereits erwähnten Interview mit France Inter stellte er auch fest, dass sich in den 20 Jahren seit der Veröffentlichung von "Hass" nicht viel geändert habe. Im Anbetracht der jüngsten Ereignisse, der allgemein vorherrschenden Angst vor dem Islam und der nach wie vor desolaten Situation in Frankreichs Vorstädten, würde eine Fortsetzung zu "La Haine" sicher Sinn ergeben.

    In "Hass" folgte der Zuschauer den Freunden Vinz (Vincent Cassel), Said (Said Taghmaoui) und Hubert (Hubert Koundé) 24 Stunden lang durch ihren tristen Alltag in einer Pariser Vorstadt, der geprägt ist von Drogen und Gewalt. Für den komplett in schwarz-weiß gedrehten Film gewann Mathieu Kassovitz 1995 den Regiepreis von Cannes.

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