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    Die besten Gangsterfilme aller Zeiten
    23.07.2021 um 18:00
    Benjamin Hecht
    Benjamin Hecht
    -Redakteur
    Weil Hayao Miyazaki ihn träumen lässt, Sergio Leone ihm den Schweiß auf die Stirn treibt und Stanley Kubrick seinen Grips fordert: Dafür liebt Benjamin das Kino!

    Von „Der Pate“ bis „Pulp Fiction“, von „Scarface“ bis „Der eiskalte Engel“: Die Faszination für das Leben außerhalb des Gesetzes wird im Kino oft und gerne ausgelebt. Hier findet ihr eine vielseitige Mischung der besten Gangsterfilme aller Zeiten.

    20th Century Fox
    Die besten Gangsterfilme – Platz 30:
    Miss Bala (2011)

    Regie: Gerardo Naranjo

    Mit: Stephanie Sigman, Noé HernándezIrene Azuela

    Laura (Stephanie Sigman) ist 23 Jahre alt und hat das Pech, in einer armen Gegend von Mexiko zu leben. Sie möchte den erdrückenden Verhältnissen in ihrem Zuhause entkommen und fährt deswegen in die mexikanische Grenzstadt Tijuana zu einem Schönheitswettbewerb, scheitert jedoch bereits bei der Aufnahmeprüfung – und wird bald darauf zum Werkzeug von Polizei und Kartell im korrupten, Mafia-dominierten Mexiko. Lose basierend auf den wahren Erlebnissen der Schönheitskönigin Laura Zuniga zeichnet Regisseur Gerardo Naranjo in „Miss Bala“ das Bild eines kaputten Staates, dessen Bürger*innen hier keinen Schutz erwarten können – und erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Gangsterin.

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    „Bala“ heißt (Gewehr-)Kugel, aber die Miss Bala im Film will eigentlich überhaupt keine Gangsterin sein. Sie hat nichts gemein mit Bonnie aus „Bonnie und Clyde“ und auch nichts mit den vielen männlichen Filmgangstern, die ihr Leben und ihre Macht als Outlaws in coolen Posen genießen. Laura wird eine Gehilfin des Kartells, weil sie keine andere Wahl hat und ihre Arbeit ist weder Vergnügen noch gelebte Freiheit, sondern eine reine Überlebensmaßnahme. Und es ist schwer, in einem Mexiko zu überleben, in dem Menschenleben beim Kampf der Kartelle so wenig zählen. „Miss Bala“ ist ein grimmiger, ungeschönter Gangsterfilm ohne Coolness, aber mit durchschlagender Wucht.

    Die besten Gangsterfilme – Platz 29:
    Jack rechnet ab (1971)

    Regie: Mike Hodges

    Mit: Michael Caine, Ian HendryBritt Ekland

    Die Kaltschnäuzigkeit, mit der Michael Caine in „Jack rechnet ab“ als schneidig-geradliniger Nadelstreifengangster auf der Suche nach den Mördern seines entfremdeten Bruders durch eine nordenglische Kleinstadt wütet, vermag noch heute zu schocken. Ein Blick in die toten Schlitzen, die hier mitleidslos und fast ohne Gefühl ihre hässliche Umwelt registrieren, durch Kontrahenten hindurchstarren und blitzschnell die Welt in Opfer und Täter einteilen, und man weiß, dass dieser Mann nicht am allgemeinen Wohlsein interessiert ist.

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    Mit Tempo, beißendem Witz, harter Action und einem Faible fürs Abseitige schüttelte Mike Hodges diesen Klassiker des britischen Crime-Kinos aus dem Ärmel, der noch immer gefährlicher und bösartiger wirkt, als vieles, was heute über die Leinwände flimmert. Hodges Film wird von einer Aura der Misanthropie umweht, die frösteln lässt. Während er eher nebenbei ein ernüchternd deprimierendes Bild vom Leben in den trostlosen Industriestädten Englands zeichnet, zeigt er mit seiner Inszenierung zwischenmenschlicher Interaktion eine Welt, die vor die Hunde geht und in der sich ein Mensch nur als Wolf des anderen über Wasser halten kann.

    Erst in dem Moment, in dem Jack der Verschwörung um den Tod seines Bruders auf die Schliche kommt und erkennt, das seine Nichte Doreen (Petra Markham), die in seinen Augen eine letzte Bastion der Unschuld war, eine sehr tragische Rolle darin spielt, zeigt er das erste Mal, dass es noch Gefühle hinter seiner steinernen Maske gibt. Als auch diese verletzt werden, kippt die Stimmung vom spöttischen Augenzwinkern in einen nackten, fatalistischen Amoklauf, aus dem es kein Entkommen für Niemanden gibt.

    Die besten Gangsterfilme – Platz 28:
    Boyz N The Hood (1991)

    Regie: John Singleton

    Mit: Cuba Gooding Jr., Laurence FishburneIce Cube

    Die Ghetto-Folklore vom Leben im Viertel, dem schnellen Dollar durch Dealen und dem Heldentod beim Drive-By-Shooting, wird auch heute noch gern in Hip-Hop-Videos abgefeiert und von manch armer Seele als Karriereplanung in Betracht gezogen. In „Boyz N the Hood“ erzählt der später auf Actionfilme spezialisierte John Singleton die Geschichte des bei seinem strengen Vater (Laurence Fishburne) aufwachsenden Tre (Cuba Gooding Jr.), der versucht, seinen Weg in der Welt zu gehen, während er mitansehen muss, wie manche seiner Weggefährten sich im Kreislauf von Gewalt und Tod verlieren.

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    „Boyz N the Hood“ mag von den einfach gestrickten Naturen wohl immer noch als Glorifizierung des „Gangzta“-Lifestyles betrachtet werden. In Wahrheit jedoch ist Singletons frühes Meisterwerk ein Film über Hoffnung, Selbstachtung und den Wunsch, die Waffen schweigen zu lassen und eben nicht den einfachen Weg des Verbrechens zu gehen. Diese Botschaft mag für viele Menschen im sozialen Abseits ein frommer Wunsch sein, doch verleiht „Boyz N the Hood“ ihm ehrlichen Nachdruck.

    Die besten Gangsterfilme – Platz 27:
    Graveyard Of Honor (2002)

    Regie: Takashi Miike

    Mit: Ryo Amamiya, Narimi ArimoriYoshiyuki Daichi

    Normalerweise sind Remakes von anerkannten Klassikern eher ein Grund zur Fremdscham und bedeuten nicht selten eine Verwässerung des ursprünglichen Kerns. Aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel. Wenn Brian De Palma den Capone-Mythos von „Scarface“ in die kokainschwangeren 80er überträgt oder Martin Scorsese aus dem unterkühlten Crime-Yin-Yang „Infernal Affairs“ ein katholisches Bacchanal der Sündhaftigkeit im korrupten Bush-Amerika macht („Departed“), zeigt sich, dass eine Neuauflage nicht immer nur ein Abklatsch sein muss.

    So gelingt es auch dem japanischen Enfant Terrible Takashi Miike, den Gangsterfilm-Klassiker „Graveyard Of Honor“ von Kinji Fukasaku nicht nur adäquat zu updaten, sondern sogar zu bereichern. So verlegt er die Story vom Aufstieg und endlosen Niedergang des von Gewalt, Jähzorn und Paranoia beseelten Yakuza Ishimatsu (Goro Kishitani) vom Nachkriegsjapan in die Zeit der Wirtschaftskrise zu Beginn der Neunziger.

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    So ist es hier nicht nur Ishimatsu, der sich und seine Umwelt in nackter Verzweiflung zerfleischt. Vielmehr scheint sich das ganze Land auf einem Crashkurs zu befinden. Was bei Fukasaku bereits eine äußerst harte Angelegenheit war, gerät unter Miikes Regie zu einem wahren Inferno zerstörerischer Gewalt durch die Hand eines Dämons in Menschengestalt, der schon sehr früh weiß, dass es ein böses Ende mit ihm nehmen wird und in seiner Raserei alle mit sich in ein blutrotes Nichts zieht.

    „Graveyard of Honor“ ist ein reißender Strudel des Todes, der aufgrund von Miikes Talent, dem engagierten Spiel Kishitanis und Kôji Endôs bitter-melancholischem Jazz-Score dennoch zu Herzen geht. Wenn am Ende des Weges ein kurzer rückblickender Moment auf dem lachenden Gesicht des totbringenden Berserkers in einem fröhlichen Augenblick verweilt, ist dies der größte Schock in diesem rabiaten Meisterwerk des modernen Gangsterfilms.

    Die besten Gangsterfilme – Platz 26:
    Bube, Dame, König, grAs (1998)

    Regie: Guy Ritchie

    Mit: Jason Flemyng, Vinnie JonesJason Statham

    Das Einzige, das noch brutaler, gemeiner und gefährlicher ist als das organisierte Verbrechen, ist das schlecht organisierte Verbrechen. Wo Leinwandgangster in den USA oft tragische Helden, skrupellose Souveräne des Verbrechens oder gebrochene Helden sind, sind die Gestalten in den Filmen von Guy Ritchie zumeist überforderte Chaoten, die oft schon mit dem Alltag überfordert zu sein scheinen. Was ihnen an krimineller Energie im Blut liegt, scheitert regelmäßig an der Idiotie in ihrem Hirn. Und das sehr zur Freude des Publikums.

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    Mit dieser günstig produzierten, mit Freunden besetzten und mit schmissigem Soundtrack versehene Ganovenposse katapultierte sich der junge Wilde Ritchie in die erste Riege des europäischen Genre-Kinos und bewies dabei enormes Fingerspitzengefühl. Immerzu behält er hier trotz allgegenwärtigem Chaos die Übersicht über das illustre Ensemble und variiert gekonnt den Grundton von grimmiger Brutalität, mörderischer Spannung und krudem Witz. Später sollte er sein Erfolgsrezept mit „Snatch“ und „Rock N Rolla“ wiederholen und verfeinern. Doch den Überraschungseffekt von „Bube, Dame, König, Gras“ erreichte er nie wieder.

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