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    "House Of Gucci" mit Lady Gaga: Darum ist die echte Familie so sauer auf den Film und droht sogar mit Klage
    03.12.2021 um 18:00
    Björn Becher
    Björn Becher
    -Mitglied der Chefredaktion
    Ob Lachen mit „Jack & Jill“, Weinen mit „Bambi“ oder Hochspannung in „Heat“. Björn Becher liebt die Kraft des Kinos, ihn zu bewegen.

    Seit dem 2. Dezember läuft „House Of Gucci“ in den Kinos. Ridley Scotts gigantische Soap-Opera über die Familie, die einst hinter dem Mode-Imperium stand, kommt bei dieser aber nicht gut an. Vor allem eine Sache stört die Guccis...

    Universal Pictures

    Die Guccis sind sauer – und zwar auf Ridley Scott und seinen neuen Film „House Of Gucci“. In einem offenen Brief kritisierten die Erben von Aldo Gucci (im Film gespielt von Al Pacino), dass die Mitglieder der Familie ihrer Ansicht nach völlig falsch dargestellt werden. Der Film verpasse ihnen einen Ton und eine Attitüde, die sie nie im Leben gehabt hätten. „House Of Gucci“ sei „eine Beleidigung“ und man behalte sich deswegen weitere Schritte vor, was natürlich die Drohung mit einer Klage ist.

    Vor allem eine Sache bringt die Guccis auf die Palme: die Figur Patrizia Reggiani (gespielt von Lady Gaga). So kritisieren sie besonders heftig, dass diese im Film als „Opfer, das in einer Männer- und männlich-chauvinistischen Firmenkultur zu überleben versuche“, dargestellt werde. In den Augen der Guccis ist Reggiani natürlich kein Opfer, sondern die Täterin, welche die Familie zerstört hat. Zudem könne auch die in diesem Zusammenhang vorgenommene Zeichnung der Firma als Männerclub nicht weiter weg von der Wahrheit sein. Denn Gucci sei damals schon ein sehr inklusives Unternehmen gewesen, in dem Frauen Führungspositionen hatten.

    Das Unternehmen Gucci, das – wie auch im Film gezeigt wird – mittlerweile nicht mehr der Familie gehört, hat übrigens keine Probleme mit dem Film. Im Gegenteil: Das Modehaus kooperierte mit Scott und seinem Team, gab ihnen umfangreichen Zugang zu den Archiven, um sich dort für Kostüme und Ausstattung zu bedienen.

    Und was sagt Patrizia Reggiani?

    Die im Mittelpunkt des Films stehende Patrizia Reggiani hat sich zwar noch nicht zum Film selbst geäußert, aber auch schon ein klein wenig Kritik geübt. Sie kritisierte allerdings nur, dass sie von Lady Gaga und Ridley Scott nicht vorher kontaktiert wurde. Das wäre eine Sache des Respekts gewesen. Die Macher stellten allerdings klar, dass sie nicht den Anschein erwecken wollten, als hätte Reggiani etwas mit dem Film zu tun. Schließlich soll es nicht so wirken, als würden sie ihre Verbrechen gutheißen.

    Ridley Scott kann wohl ohnehin über alle Vorwürfe nur lächeln. Schon vor der Veröffentlichung des neuesten Briefes machte er deutlich, dass ihn solche Sachen nicht interessieren. Wer Dinge, wie die Guccis in aller Öffentlichkeit mache, müsse auch seiner Meinung nach damit leben, wenn es dann öffentliche Auseinandersetzungen (wie z. B. Filme) darüber gebe. Eine Klage gegen den Film dürfte auch ohnehin kaum eine Chance haben.

    "House Of Gucci": Ein wilder, kein korrekter Film

    Zumal Scott nie behauptet, die wirkliche Geschichte der Guccis zu erzählen. Sein Film ist nur inspiriert von den damaligen Ereignissen, nimmt sich aber sehr viele Freiheiten. Er lässt nicht nur zahlreiche Nebenfiguren weg und verdichtet viele Sachen ungemein. Er erzählt zum Beispiel auch von einem zwischenzeitlichen Leben von Patrizia und ihrem Mann Maurizio (Adam Driver) in einfachen Verhältnissen, das es in Wirklichkeit nie gab. Es bietet aber Raum für eine wilde Bauwagen-Sexszene ...

    ... und wild ist auch der Film, wie nicht nur wir in unserer FILMSTARTS-Kritik feststellen, wo wir „House Of Gucci“ als „köstlich amüsierende Luxus-Seifenoper“ bezeichnen. Lachen musste übrigens auch eine Person, die im Film vorkommt, sehr oft: Tom Ford, einst Gucci-Designer, mittlerweile auch Regisseur („A Single Man“, „Nocturnal Animals“), veröffentlichte im Magazin Air Mail eine Kritik. Dort schreibt Ford allerdings, dass er sich unsicher ist, ob das Lachen erwünscht sei. Eine Frage, die wir übrigens auch in unserem Podcast Leinwandliebe diskutieren, wo wir auch darüber rätseln, ob allen klar war, was für einen Film sie da machen.

    Sicher sind wir uns aber darin, dass Jared Leto genau wusste, was er für eine Show abziehen will. Seine Figur ist übrigens die, die Tom Ford am wenigsten gefällt. Während er für Lady Gaga, die Bilder und Kostüme viel Lob übrig hat, bemängelt er: Der von Leto gespielte Paolo sei ganz sicher exzentrisch gewesen und habe verrückte Dinge gemacht. Aber er sei sicher nicht so verrückt und auch minderbemittelt gewesen, wie es die Darstellung im Film andeute.

    Über all diese Dinge wird in den nächsten Wochen sicher noch ausführlich diskutiert werden, denn eins kann man jetzt schon sagen: Das Interesse an „House Of Gucci“ ist groß. Nachdem der Film schon in den USA über den Erwartungen anlief, werden auch aus Deutschland trotz des Starts nun mitten in der vierten Corona-Welle herausragende erste Zahlen gemeldet. Bis Sonntag könnten rund 150.000 Kinotickets verkauft werden – ein Ergebnis, das wohl kaum jemand angesichts der aktuellen Situation erwartet hat.

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