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    TV-Warnung: In dieser Free-TV-Premiere geben sich Superstars die Klinke in die Hand – um eine lahme Seifenoper auzuführen
    06.08.2022 um 13:30
    Sidney Schering
    Sidney Schering
    -Freier Autor und Kritiker
    Sein erster Kinofilm war Disneys „Aladdin“. Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

    Selbst Oscar Isaac, Olivia Wilde und Samuel L. Jackson greifen gelegentlich tüchtig daneben: Das kitschige Drama „So ist das Leben – Life Itself“ ist nicht nur ein wahrer Star-Auflauf, sondern auch einer der schlechtesten Filme seines Jahrgangs.

    +++ Meinung +++

    Selbst TV-Muffel dürften es intuitiv verstehen, dass es für Free-TV-Premieren gewisse Größenordnungen gibt. Kostspielige, erfolgreiche oder schlichtweg prestigeträchtige Produktionen debütieren auf RTL, ProSieben und Konsorten. Also auf den großen Sendern, die man üblicherweise weit vorne auf der Fernbedienung einprogrammiert hat. Insofern: Es dürfte Warnung genug sein, wenn ein stargespicktes Drama seine Free-TV-Premiere auf einem Kanal feiert, bei dem sich die meisten fragen werden: „Moment, auf welchem Programmplatz habe ich den denn?“

    Genau das passiert heute: ServusTV zeigt ab 20.15 Uhr als Free-TV-Premiere das Drama „So ist das Leben – Life Itself mit den Marvel- und „Star Wars“-Stars Oscar Isaac & Samuel L. Jackson, den namhaften Schauspielerinnen Olivia Wilde & Annette Bening sowie den Urgesteinen Mandy Patinkin & Antonio Banderas. Verantwortlich ist Dan Fogelman, Schöpfer der Hit-Dramaserie „This Is Us“ und Executive Producer der Streaming-Sensation „Only Murders In The Building“. Dieser Film erinnert aber viel mehr an tumbe Seifenopern...

    "Life Itself": Fogelmans liebste Tricks, völlig verkitscht

    In „Life Itself“ webt Fogelman einen generationenübergreifenden Teppich aus romantischen, sich überkreuzenden Handlungsfäden. Als Erzähler dient derweil Samuel L. Jackson. Er berichtet vom Drehbuchautor Will Dempsey (Oscar Isaac), der nicht darüber hinwegkommt, dass seine Ehefrau Abby (Olivia Wilde) nicht mehr Teil seines Lebens ist. Daher nimmt er Therapiesitzungen bei Dr. Cait Morris (Annette Bening). Auf einer spanischen Farm engt Vincent Saccione (Antonio Banderas) wiederum seinen sich nach Freiheit sehnenden Sohn und seine Ehefrau Isabel (Laia Costa) ein. Und die junge Metal-Musikerin Dylan (Olivia Cooke) hat an ihrem 21. Geburtstag einen wichtigen Auftritt – und legt sich mit einem Pöbler aus dem Publikum an...

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    Zwar war Dan Fogelmann zwischenzeitlich im Animationsfilm zuhause und wirkte unter anderem am Drehbuch zum Disney-Märchenmusical „Rapunzel – Neu verföhnt“ mit. Doch vor allem dürfte er Filmfans aufgrund seiner Drehbücher zu Projekten bekannt sein, die schmachtende Emotionen, Kummer und Witz vereinen. Wie die Ensemble-Romantikkomödie „Crazy, Stupid, Love.“, in der zahlreiche vermeintlich für sich stehende Handlungsfäden nach und nach zusammenfinden. Das trieb er später (mit wesentlich mehr Herzschmerz sowie auf mehreren Zeitebenen) in seiner Hitserie „This Is Us“ auf die Spitze.

    Mit „Life Itself“ schien sich Fogelman selbst übertreffen zu wollen – und so kam es zu einem Over-the-Top-Kitschunfall: In seiner Tragödie werden die Figuren durch Schicksalsschläge gescheucht, als würde Fogelman im Schnelldurchlauf ein Jahr an Daily-Soap-Plots durchspielen. Missbrauch, emotionale Zusammenbrüche, fatale Unfälle, Alkoholsucht, schmerzliche Trennungen, Krebs-Diagnosen und Suizid prasseln in diesen Geschichten auf einen ein, dass man allem Tränenzieherduktus zum Trotz nur noch abstumpfen kann.

    Und falls diese Schlagzahl an Tiefschlägen nicht bereits genügt, um ins ungläubige Kichern zu geraten, so dürfte die gleichermaßen verkrampfte wie tüchtige Dosis Esoterik einem den Rest geben. Erschwerend kommt hinzu, dass die übertriebene Rührseligkeit des Films, anders als in „This Is Us“, zu keinem Zeitpunkt aufrichtig wirkt: Durch flache Charakterisierungen, platte Dialoge und ein Übermaß an inszenatorischen Gimmicks verspielt die Leidensparade jegliche Chance, die einfühlsame Herzlichkeit auszuleben, nach denen sich ihre Figuren sehnen.

    Selbst die Stars trösten nicht über das Skript hinweg

    Nicht einmal das große Schaulaufen an Stars schafft es, „Life Itself“ nennenswert aufzuwerten. Denn die Stars sind zu sehr damit beschäftigt, die sperrigen Dialoge aufzusagen und auf die niederschmetternden Geschichten zu reagieren, die ihnen aufgezwungen werden. Platz, um diese Rollen mit Leben zu füllen, bleibt da nicht. Um aus unserer 1,5-Sterne-Kritik zu zitieren: „Wie soll man auch in Räumen befreit aufspielen, die von Drehbuch und Regie zuvor schon komplett mit Schmalz gefüllt wurden?

    Kein Wunder also, dass „Life Itself“ zu den schlechtesten Filmen seines Jahrgangs gezählt wird: Hierzulande kam er 2020 als DVD-Premiere heraus, in den USA lief er aber bereits 2018 an – und war mit einer Durchschnittsnote von 21/100 Punkten bei Metacritic, damit ist er die fünftgrößte Gurke des Jahres. Eure morbide Neugier, welche Filme damals noch mieser davonkamen, könnt ihr im nachfolgenden Artikel stillen...

    Mit historischem Tiefstwert: Das sind laut Metacritic die schlechtesten Filme 2018
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