Vom Rockstar zum Killer: Der Fall Bertrand Cantat
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Karin F
Karin F

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Serienkritik
5,0
Veröffentlicht am 28. März 2025
Achtung – Spoilerwarnung
Es ist unfassbar – und zutiefst verstörend – wie wenig das Leben von Frauen in dieser Geschichte wert zu sein scheint. Diese Dokumentation legt nicht nur die Taten von Bertrand Cantat offen, sondern auch das Schweigen und die Komplizenschaft seines Umfelds. Vom Plattenlabel bis zu den Bandmitgliedern – so viele Menschen haben aktiv dabei geholfen, seine Karriere nach dem Tod von Marie Trintignant wieder aufzubauen und haben später geschwiegen, als Kristina Rady sich das Leben nahm. Zwei brillante, kreative Frauen sind tot – und er steht immer noch auf der Bühne, wird beklatscht, bekommt wieder und wieder eine Plattform.

Was mich am meisten schockiert hat: Er hat Marie so brutal geschlagen, dass sie später an den Folgen starb – und bekam dafür vier Jahre. Vier Jahre. Für das Zu-Tode-Schlagen eines Menschen. Und noch schlimmer: Er rief nicht einmal sofort Hilfe. Er wartete sechs Stunden, bevor er irgendetwas unternahm. Sechs Stunden. Er legte sie ins Bett und überlegte, was er tun sollte. Sie hätte vielleicht überlebt, wenn er einfach einen Krankenwagen gerufen hätte. Diese Entscheidung – sie einfach liegen zu lassen, sich um sich selbst zu kümmern, anstatt um die Frau, die er fast totgeschlagen hatte – sagt alles darüber aus, wer er ist.

Die Dokumentation zeigt nicht nur die Fakten, sondern auch die systemischen Probleme dahinter: Wie Ruhm, männliches Privileg und die Verklärung des "gequälten Künstlers" jemanden vor Konsequenzen schützen können. Wie die Medien berichtet haben, wie Leute ihn verteidigt oder sogar romantisiert haben – es ist erschreckend. Und es hörte mit Marie nicht auf. Kristina Radys tragischer Suizid Jahre später war ein zweites, lautes Alarmsignal. Ihre letzten Nachrichten und Anrufe zeigen eine Frau in Angst – umgeben von Menschen, die weggesehen haben.

Diese Serie ist schwer anzusehen. Aber sie zwingt uns, einer unbequemen Wahrheit ins Gesicht zu schauen: Wir leben in einer Welt, in der ein Mann töten und trotzdem gefeiert werden kann, während die Frauen, die er verletzt hat, zu Fußnoten gemacht werden. Es ist eine Geschichte über Gewalt – aber auch über das Schweigen. Das Schweigen von Freund:innen, Kolleg:innen, der Musikindustrie – und oft auch der Gesellschaft.

Schaut sie euch an, diese Dokumentation Lasst sie euch wütend machen. Lasst sie euch das Herz brechen. Und dann: Sprecht darüber. Denn Schweigen ist Teil des Problems.