Vincenzo ist eine wunderbar unterhaltsame und originelle Serie über die Kraft der Gemeinschaft, sich gegen ungerechte Interessen zu wehren. Dabei wird der Wandel, eigene Ziele dem Wohl aller unterzuordnen humorvoll thematisiert.
Im Zentrum der Serie stehen ein scharfsinniger italienischer Mafia-Anwalt, eine ehrgeizige und zunächst leicht überspannte Kollegin, ein unscheinbares Gebäude voller exzentrischer Bewohner – und eine skrupellose Firma, die genau dieses Gebäude für sich beansprucht.
Der Mafia-Anwalt Vincenzo Cassano stößt nach turbulenten Tagen in Italien aus reinem Eigennutz auf ein unscheinbares Gebäude. Um seine Ziele zu erreichen, muss er zahlreiche Hindernisse aus dem Weg räumen – und verstrickt sich dabei in etwas weit Größeres, als er erwartet hat. Song Joong‑ki verkörpert ihn mit einer solchen berauschenden Leichtigkeit, dass ich mir in vielen Szenen dachte: „So möchte ich sein.“ Im Verlauf der Geschichte durchläuft Vincenzo eine beeindruckende Wandlung – vom zynischen Opportunisten hin zu einem Rächer im Namen der Gerechtigkeit, der dabei auch seine eigenen Gefühle neu entdeckt.
Jeon Yeo-been verkörpert die Anwältin Hong Cha-yeong auf sehr besondere Weise. Anfangs ist sie eine exzentrische, leicht überspannte Anwältin in einer angesehenen Kanzlei, die vor allem äußeren Erfolg anstrebt und dabei nicht hinter die Kulissen blickt. Im Verlauf der Handlung macht diese Figur einen fulminanten Wandel zur moralischen Teamplayerin mit Herz durch, sodass es dem Publikum schwerfällt, sie nicht fest ins Herz zu schließen. Eine sehr süße und zugleich erstaunlich reife schauspielerische Leistung.
Zu den beiden Protagonisten gesellen sich die wunderbar gezeichneten Bewohner der Geumga Plaza. Jeder von ihnen hat eine weit spannendere Vergangenheit, als man auf den ersten Blick vermuten würde, und sie nutzen ihre Fähigkeiten in herrlich exzentrischen Szenen, um ihr Zuhause zu verteidigen. Besonders hervorzuheben ist Im Chul-soo, der mit seinen wechselnden Rollen und Verwandlungen dem Esprit der Serie zusätzlichen Schwung verleiht.
Die Serie bewegt sich gekonnt zwischen Drama und Action, findet immer wieder leise, fast poetische Momente und streut einen Hauch Romantik ein. Dabei verliert sie den roten Faden des Actionthrillers mit seinem Kampf um Recht und Rache nie aus den Augen. Durch eine beinahe sarkastische Färbung wird die teils explizit dargestellte Gewalt in einen ironisch verharmlosenden Mantel gehüllt – auch, weil die Gegenspieler grotesk überzeichnet böse sind. Eine klare Moralaussage möchte ich der Serie nicht zuschreiben; dafür ist sie, so scheint es, schlicht nicht gemacht.
Vincenzo ist eine Serie, die das Publikum auf eine fesselnde Reise mitnimmt – voller Spannung, Witz und Stil – und dabei schlicht perfekt unterhält.