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Kopfgeld - Perrier's Bounty
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Kopfgeld - Perrier's Bounty
Von Lars-Christian Daniels
Wer „Bube, Dame, König, grAs" schon viel zu häufig gesehen hat, die „Brügge sehen... und sterben??"-DVD längst sein Eigen nennt und die kultverdächtigen Zitate aus „Bang Boom Bang" alle auswendig mitsprechen kann, darf sich freuen: Mit „Kopfgeld – Perrier's Bounty" steht für Freunde der turbulenten Thrillerkomödie frischer Nachschub in den Videotheken. Wenngleich der deutsche Titel zunächst Assoziationen an „Kopfgeld - Einer wird bezahlen" wecken mag, hat Ian Fitzgibbons aberwitziger Film mit Ron Howards „Menschenraub"-Remake in etwa soviel gemeinsam wie dessen Hauptdarsteller Mel Gibson mit Atheismus. Statt auf Geballer und Storytwists setzen die irischen Filmemacher erfolgreich auf ein buntes Ensemble skurriler Figuren und punkten mit einer ganzen Reihe amüsanter Einfälle. Erst auf der Zielgeraden geht dem kurzweiligen Gangsterstreifen ein wenig die Puste aus.

Der Tag fängt denkbar schlecht an für Taugenichts Michael McCrea (Cillian Murphy). Als er morgens mit einem höllischen Kater aufwacht, stehen bereits zwei tatendurstige Berufsschläger in seinem Zimmer. Sie kommen im Auftrag von Kredithai Darren Perrier (Brendan Gleeson), der ein dickes Kopfgeld auf seinen mittellosen Schuldner ausgesetzt hat. Als die beiden Michael an den Kragen wollen, springt ihm unverhofft seine depressive Nachbarin Brenda (Jodie Whittaker) zur Seite und erschießt einen der beiden Brutalos in Notwehr. Als hätte der arme Michael damit nicht schon genug Ärger am Hals, steht plötzlich auch noch sein Vater Jim (Jim Broadbent) auf der Matte und berichtet aufgeregt, der Sensenmann persönlich habe vor ihm gestanden und ihm sein nahendes Ende angekündigt. Da sich bald die halbe Unterwelt von Dublin formiert, um das ungewöhnliche Trio zur Strecke zu bringen, ergreifen die drei Hals über Kopf die Flucht...

Mit Michael, Jim und Brenda schickt DrehbuchautorMark O'Rowe („Boy A") gleich drei sympathische Anti-Helden in den vermeintlich aussichtslosen Kampf gegen Perriers gnadenloses Verbrechersyndikat, das wahrlich nicht zu Späßen aufgelegt ist. Vom Skript kann man dies freilich nicht behaupten, schließlich kommen dank durchgehend hoher Gag-Trefferquote und handwerklich sauber inszenierter Action nicht nur Fans des typischen Guy-Ritchie-Cocktails auf ihre Kosten. Der Humor fällt schwarz aus, nicht ganz so tiefschwarz wie bei den dänischen Kollegen Lasse Spang Olsen („In China essen sie Hunde") oder Anders Thomas Jensen („Adams Äpfel"), doch auch in „Kopfgeld" ergibt sich der Unterhaltungswert direkt aus den schrillen Charakteren. Das amüsante Loser-Trio auf der einen, die Fleisch gewordene Coolness Darren Perrier und seine Handlanger auf der anderen Seite.

Die raue Gangart der Halunken wird durch entwaffnende Selbstironie und fast absurde Anflüge von Sentimentalität immer wieder augenzwinkernd aufgebrochen. Auch die Running Gags sitzen, seien es nun die berüchtigten irischen Parkkrallen (wer schon einmal auf der Insel war, kennt das Leid der Falschparker) oder die stümperhaften Französischversuche von Michaels aufgekratztem Vater.

„Auf die Knie, aber tout de fucking suite!"

Überhaupt mausert sich Jim McCrea schnell zum heimlichen Publikumsliebling. Da er panische Angst vor dem Einschlafen und einer erneuten Begegnung mit dem Leibhaftigen hat, schüttet er sich das braune Instant-Kaffee-Pulver gläserweise in den Rachen und verzichtet einfach auf das lästige Anmischen mit heißem Wasser. Mehr als einmal stiehlt er dem verängstigten Michael und der an Liebeskummer leidenden Brenda die Szene. Spaß macht auch das homosexuelle Schlägerpärchen, das sich so gar nicht tuntig benimmt, sondern Michael gönnerhaft die Wahl lässt, welchen seiner zahlreichen Knochen man ihm denn zuerst brechen solle. Finger und Zehen natürlich ausgeschlossen.

TV-Regisseur Ian Fitzgibbon, der mit seiner erfrischenden Low-Budget-Komödie „A Film with Me in It" auch über die britischen Inseln hinaus auf sich aufmerksam machte, inszeniert „Kopfgeld" angenehm routiniert und verzichtet bei den Actionsequenzen auf optische Spielereien. Als fast störend entpuppt sich jedoch sein handlungsbegleitender Erzähler, der sich wiederkehrend zu Wort meldet und dem Zuschauer allerlei Weisheiten mit auf den Weg gibt. Seine Philosophie To Go stimmt nie wirklich nachdenklich und verleiht dem Plot kaum zusätzlichen Tiefgang. Stattdessen hinterlässt sie insbesondere im ohnehin etwas zu sentimental geratenen Finale einen kitschigen Nachgeschmack.

Fazit: Wer an „Snatch" & Co. Gefallen findet, kann mit Fitzgibbons spaßiger Thrillerkomödie nichts verkehrt machen. Dank subtilem Humor, schrägen Vögeln im Überfluss und authentisch-dunstiger Irish-Pub-Atmosphäre dürften allerdings auch weniger genreaffine Zuschauer bei „Kopfgeld – Perrier's Bounty" auf ihre Kosten kommen.
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