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Your Highness - Schwerter, Joints und scharfe Bräute
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Your Highness - Schwerter, Joints und scharfe Bräute
Von Ulf Lepelmeier
Das Mittelalter großer Märchenerzählungen mit all seinen Helden, reizenden Burgfräulein und magischen Geschöpfen hält her als Kulisse für die Fantasy-Komödie „Your Highness" von David Gordon Green („Ananas Express", „Snow Angels"), der mit lustlosen Anspielungen auf diverse Fantasyfilme und endlosen Kiffer- und Sex-Zoten an die legendären „Die Ritter der Kokosnuss" anknüpfen will und dabei kläglich scheitert. Selbst die oscargekrönte Natalie Portman und der oscarnominierte James Franco, die hier immerhin sichtbar bespaßt freidrehen, können das lahme Skript der Genre-Verballhornung nicht überspielen. Hätte ein Hoffnarr seinem Herrn ein ähnliches komödiantisches Versagen dargeboten, wäre er wohl hochkant davongejagt worden.

Der Zauberkraut-affine Schwerenöter Prinz Thadeous (Danny McBride) ist, anders als sein heroischer Bruder Fabious (James Franco), ein Nichtsnutz sondergleichen. Während Fabious eine Heldentat nach der anderen vollbringt, betrinkt sein Bruder sich lieber und umgibt sich mit leichten Mädchen. Doch als der durchtriebene Zauberer Leezar (Justin Theroux) Fabious‘ Braut Belladonna (Zooey Deschanel) entführt, um diese bei Aufgang des Doppelmondes zu schwängern, stellt der König seinem faulen Sohn ein Ultimatum: Entweder, er hilft Fabious dabei, Belladonna zu retten, oder er wird vor das Burgtor gesetzt. Widerwillig macht sich der selbstgefällige Tunichtgut mit seinem Bruder auf den von arglistigen Rittersleuten und dämonischen Kreaturen bevölkerten Weg. Immerhin können sie dabei auf die Kriegerin Isabel (Natalie Portman) zählen...

Bewies Regisseur David Gordon Green bei „Ananas Express" noch ein Händchen für die Verquickung von Komödien- und Action-Elementen, erweist sich „Your Highness" als vulgäre Fantasy-Klamotte, bei der Humor unterhalb der Gürtellinie an der Tagesordnung ist. Im Minutentakt hagelt es anachronistische Obszönitäten, ohne dass den flachen Figuren und Fabelwesen, die an den „Kampf der Titanen" oder „Die Braut des Prinzen" angelehnt sind, irgendeine Art von Profil oder Bedeutsamkeit verliehen wird. So werden sich wohl nur Freunde derber Schenkelklopfer über den dauergeilen Minotaurus oder das pädophil veranlagte Yoda-Orakel amüsieren. Während das von Judd Apatow, Seth Rogen und Evan Goldberg erstellte Skript zu „Ananas Express" noch genügend witzige Einfälle bot, verpuffen die meisten Pointen in „Your Highness" ebenso schnell, wie die grell-bunten und bestenfalls solide animierten Zauberblitze, mit denen da permanent umhergeworfen wird.

Auch die Versuche Greens, sein pubertäres Werk mit kleinen Splatter-Einlagen und ein paar Kämpfen zum Action-Spaß auszubauen, sind aufgrund der uninspirierten Inszenierung nicht von Erfolg gekrönt. Natalie Portman („Thor", „Freundschaft Plus'>"), die für ihre Tour de Force in „Black Swan" gerade erst den Oscar als beste Darstellerin entgegennehmen durfte, macht in ihrer Amazonenkluft zwar eine optisch äußerst ansprechende Figur, kann der getriebenen Kriegerin Isabel aber nichts Interessantes abgewinnen. Immerhin steht sie zum albernen Stoff und spielt ohne falsche Scheu drauflos, als stünde sie inmitten einer vergnüglichen Schultheater-Aufführung. Darstellerisch ebenfalls unterfordert muss sich auch James Franco („Spider-Man", „Milk") vorgekommen sein, der für seine Leistung in „127 Hours" eine Oscar-Nominierung einheimste und nun gelangweilt als naiver Held Fabious nebenher gockelt.

Danny McBride („Stichtag"), der zusammen mit Franco unter der Regie von David Gordon Green in „Ananas Express" bereits ausgiebig Kifferspäßchen praktizierte, scheint sich hingegen gut mit der Rolle des ewig eifersüchtigen, nichtsnutzigen Kraut-Liebhabers und notorischem Lästermauls Thadeous arrangiert zu haben. Während Zooey Deschanel („(500) Days Of Summer") kaum mehr als hysterische Kreisch-Arien abspulen darf, rifft der von Justin Theroux („Inland Empire") verkörperte böse Zauberer Leezar auf Alan Rickmans irrsinnigem Sheriff von Nottingham aus „Robin Hood - König der Diebe" herum. Trotz angemessen hemmungslos chargierender Darsteller erweist sich „Your Highness" aber letzten Endes als müdes Fantasy-Possenspiel mit blutigen Einlagen, das weder mit seinen derben Zoten, noch mit seinen Schwertkampf-Szenen ansprechend unterhält. Monty Pythons Meisterwerk „Ritter der Kokosnuss" bleibt auch rund 35 Jahre später einsamer Spitzenreiter im Sektor der sketchlastigen Mittelalter- und Fantasy-Späße.
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