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    Arthur Weihnachtsmann
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Arthur Weihnachtsmann
    Von Christoph Petersen
    Als „Flutsch und weg" 2006 in die Kinos kam, war der Filme eine leise Enttäuschung. Zwar erwies sich das Kanalisations-Abenteuer um eine Maus auf den Spuren von James Bond als recht kurzweilig, aber vom ersten Ausflug der Aardman Studios ins Reich der Computeranimation hatte man sich doch ein wenig mehr erwartet. Schließlich haben uns die für ihre Knetmasse-Animationen berühmten Briten zuvor solche oscargekrönten Klassiker wie „Wallace & Gromit unter Schafen" oder „Wallace & Gromit: Die Techno-Hose" beschert. Trotz dieses Rückschlags (auch finanziell war der Film ein Flop) haben die Aardman-Verantwortlichen sich aber nicht aus dem zukunftsträchtigen Segment der computergenerierten Animation vertreiben lassen, sondern wagen mit Sarah Smiths „Arthur Weihnachtsmann" nun einen zweiten Anlauf. Und der Erfolg gibt ihnen recht: Genau wie „Flutsch und weg" bietet „Arthur Weihnachtsmann" wieder jede Menge temporeiche Animations-Action, aber darüber hinaus wartet das Festtags-Abenteuer eben auch mit einer großen Portion jenes britischen Charmes auf, der Aardman-Produktionen einst so unverwechselbar machte.

    Bei zwei Milliarden Kindern auf der Welt kann der Weihnachtsmann (Stimme: Jim Broadbent) nicht mehr mit seinem Schlitten von Haus zu Haus fliegen und sich durch enge Schornsteine zwängen. Längst ist die Geschenkauslieferung deshalb straff durchorganisiert und die Elfen brauchen im Schnitt gerade einmal 18,14 Sekunden pro Haushalt, um die Präsente unter dem Weihnachtsbaum zu platzieren. Am Ende der Nacht haben alle Kinder ihre Geschenke bekommen, nur ein einzelnes kleines Mädchen in England wurde vergessen. Während der für die Organisation zuständige Weihnachtsmann-Sohn Steve (Hugh Laurie) die Zustellrate von annähernd 100 Prozent als großen Erfolg verkauft, ist sein Bruder Arthur (James McAvoy), der trotz all der modernen Strukturen noch immer fest an die Magie des Weihnachtsfestes glaubt und in der Postabteilung Wunschzettel beantwortet, ganz anderer Meinung: Gemeinsam mit Opa-Weihnachtsmann (Bill Nighy) entwendet er einen eingemotteten alten Schlitten, um auch das letzte Geschenk noch auszuliefern. Aber weil es mit der Navigation bei Opa nicht mehr so gut hinhaut wie früher, gibt es zunächst noch einige unfreiwillige Abstecher, etwa in die afrikanische Steppe, wo die Schlittenreisenden von einem Rudel hungriger Löwen begrüßt werden...

    Der Film beginnt mit einer groß angelegten Geschenkemission, bei der der Weihnachtsmann mit seiner S-1 und einer Million Elfengehilfen um die Erde fliegt und Präsente verteilt. Dabei lässt das schlittenförmige Fluggerät selbst die Enterprise wie eine Nussschale aussehen: 1,16 Meilen breit, 2,08 Meilen lang und 920 Millionen Meilen in der Stunde schnell, verfügt die S-1 über eine ausgefeilte Tarnkappen-Technologie, dank der die Menschen über sich keinen gigantischen Schlitten, sondern nur einen klaren Sternenhimmel sehen. Die Elfen seilen sich dann in bester 007-Manier auf die Dächer ab, steigen in die Häuser ein und platzieren die Geschenke, wobei sie ein unglaubliches Tempo vorlegen. Der Höhepunkt ist die Entschärfung eines muhenden Plastikspielzeugs, um so das drohende Aufwachen eines schlummernden Kindes abzuwenden. So viele und vor allem so viele gute Ideen findet man sonst eigentlich nur in den besten Pixar-Produktionen („Toy Story 3", „Ratatouille") - um wirklich jeden kleinen Gag in diesen elfischen Wuselbildern zu entdecken, reicht ein einziges Sehen nicht aus.

    Nach der actionlastigen ersten halben Stunde, die eher an eine animierte Variante der „Mission: Impossible"-Blockbuster als an ein klassisches Weihnachtsmärchen erinnert, ist unklar, wie da noch festliche Stimmung aufkommen soll. Aber Sarah Smith und ihre Aardman-Elfen kriegen die Kurve: Selbst wer sich sonst auch Ende November noch darüber aufregt, dass die Supermarktregale schon so früh von Schokoladenweihnachtsmännern bevölkert werden, drückt Arthur auf seiner Mission schließlich die Daumen. Wie er mit seinem allzu farbenfrohen Strickpullover und seinem 365-Tage-Adventskalender in einem kleinen Kämmerlein hockt und Wunschzettel aus aller Welt beantwortet, ist einfach herzerwärmend, egal ob man das Fest im wahren Leben nun ungeduldig herbeisehnt oder es lieber schon hinter sich hätte.

    Nur weil Arthur Weihnachten unheimlich ernst nimmt, heißt das übrigens noch lange nicht, dass der Film deshalb in der zweiten Hälfte weniger lustig wäre. Für den Humor befinden sich schließlich zwei wunderbare Nebenfiguren mit an Bord des ausgemusterten Schlittens: Opa-Weihnachtsmann entpuppt sich als mürrischer alter Knacker, der auch wunderbar neben Jack Lemmon und Walter Matthau in die Komödie „Grumpy Old Men" (deutscher Titel: „Ein verrücktes Paar") gepasst hätte. Und die pflichtbesessene Verpackungselfe Bryony (Ashley Jensen), die alle 118 Geschenkschleifen beherrscht und für ein Präsent nie mehr als drei Streifen Tesafilm benötigt, stiehlt praktisch jede Szene, in der sie auftritt. Außerdem erkennt man an ihr deutlich den europäischen Einfluss von Aardman, denn in Hollywood hätte sich wohl kaum ein Studio an eine Weihnachtselfe mit Irokesenschnitt und Augenbrauenpiercing gewagt.

    Abschließend noch ein kleines Lob für die deutsche Synchronisation. Im Original werden die drei Weihnachtsmann-Generationen von den Schauspiel-Schwergewichten James McAvoy („X-Men: Erste Entscheidung"), Hugh Laurie („Dr. House"), Bill Nighy („Underworld") und Jim Broadbent („Another Year") gesprochen. Das Vorhaben, diesen geballten britischen Charme mit bekannten deutschen Namen aufzuwiegen, wäre von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Deshalb ist es begrüßenswert, dass bei „Arthur Weihnachtsmann" zum ersten Mal seit längerer Zeit bei einem großen Animationsfilm auf publicityträchtige deutsche Stars verzichtet und stattdessen ganz auf professionelle Sprecher gesetzt wurde. Die Synchronisation ist gut, lenkt nicht von der Geschichte ab und andere Verleiher dürfen es Sony gerne gleichtun.

    Fazit: Der stimmige Mix aus kurzweiliger Action und warmherziger Festtagsstimmung macht „Arthur Weihnachtsmann" zu einem unbedingt sehenswerten Weihnachtsabenteuer.
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