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Der wunderbare Garten der Bella Brown
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Der wunderbare Garten der Bella Brown
Von
Bereits im Jahr 2009 gesellte sich das Drehbuchdebüt des jungen Engländers Simon Aboud zu jenen vielgelobten, aber nicht produzierten Filmvorlagen, die oft jahrelang darauf warten, „adoptiert“ zu werden. Nach seinem Regiedebüt „Comes A Bright Day“ (2012, lief in der „Generation 14plus“ auf der Berlinale) kehrte der Schöpfer schließlich selbst zu seinem „ersten Kind“ zurück und drehte mit „Der wunderbare Garten der Bella Brown“ eine zurückhaltend-überdrehte Liebes- und Lebenskomödie um Ordnung und Chaos.

Bella Brown (Jessica Brown Findlay), eine in Einsamkeit aufgewachsene junge Frau, ist ein ordnungsfanatischer Sonderling, in ihrer kürzlich begonnenen Bibliothekstätigkeit alphabetisiert sie nun vor allem alte Folianten. Für jeden Wochentag hat sie eine eigene Zahnbürste, in hübschen Gläsern sammelt sie Dinge des Alltags wie Münzen, Gummibänder und die Abfallprodukte eines Bleistiftspitzers. In das Leben dieser scheuen und zurückgezogen lebenden Frau platzen jetzt gleich drei Männer, die sie in ein vor allem emotionales Chaos zu stürzen drohen. Während ihr grummeliger alter Nachbar Alfie Stevenson (Tom Wilkinson) empört und entsetzt dafür sorgen will, dass die „hortikulturelle Terroristin“ ihren verwilderten Garten auf Vordermann bringt, zieht der irische Koch Vernon (hier ganz lieb: „Sherlock“-Schurke Andrew Scott) mit seinen kleinen Zwillingstöchtern quasi in ihrer Küche ein. Und in der Bibliothek beobachtet Bella aufmerksam einen etwas spinnert wirkenden, aber attraktiven jungen Erfinder namens Billy (Jeremy Irvine, „Große Erwartungen“, „Gefährten“).



Eine Erzählerstimme, die sich erst später als die ihres Nachbarn Alfie offenbart, berichtet zu Beginn des Films über die Herkunft Bellas, die scheinbar als Baby an einem See ausgesetzt wurde, wo einige Enten sie durch ihre Körperwärme retteten (!), ehe der Säugling auf dem Gepäckträger des Fahrrads eines eigenartigen Greises landete. Das Märchenhafte à la „Nils Holgerson“ durchzieht den Film, in dem auffallend viele Witwer und Waisen, Mehrlinge, Frauen namens Milton, Bücherwürmer und Buchautoren auftauchen, sodass man durchaus das Gefühl hat, es existiere eine literarische Vorlage - womöglich mit Kochrezepten, Gartentipps und Illustrationen.

Auch kommt man nicht umhin, an Jean-Pierre Jeunets „Die fabelhafte Welt der Amélie“ erinnert zu werden, was durch den ganz ähnlichen Rhythmus des deutschen Titels (im Original heißt der Film „This Beautiful Fantastic“) noch verstärkt wird. Die als Sybil Crawley aus „Downton Abbey“ bekannte Jessica Brown Findlay hat denselben Bubikopf und fast so große Rehaugen wie Audrey Tautou, stolpert aber etwas verlorener durch den Film.

Die schönste Drehbuchidee ist hier, wie aus einem Geflecht von (nicht immer ehrlich ausgesprochenen) Neigungen und Abneigungen eine Zweckgemeinschaft aus Bella, Vernon und Alfie entsteht. Über die Themengebiete Gartenpflege und Kochkunst werden dabei exemplarisch jene sinnlichen, fast magischen Aspekte des Lebens betont, die in Bellas Leben bisher fehlten (in ihrem Wandschrank stehen hübsch sortiert lauter Konservendosen) oder aktiv gemieden wurden (ihre Angst vor der Natur, besonders der Flora, hätte man noch etwas besser erklären können). Für den Wandel steht auch die subtile und gerade deshalb wunderschöne winzige Szene, in der Bella, die sonst immer pedantisch bis pathologisch mehrfach überprüft, ob sie die Haustür verschlossen hat, diese Tür in einem besonders beschwingten Moment halb offen stehen lässt, was ihrer Umwelt nicht entgeht.

Der andere Erzählstrang um Billy (Jeremy Irvine übertreibt es mit dem Augenzusammenkneifen und dem Stottern ein wenig, aber man will wohl deutlich machen, dass er wie Bella ein Sonderling ist, dessen kreative Seele erst entdeckt werden muss) wirkt zunächst so, als ginge es mal wieder um die Entscheidung einer Frau zwischen zwei Männern. Aber wie Billys Faible für mechanische Tiere und insbesondere seine Kreation „Luna“ Bellas Fantasie wortwörtlich „beflügelt“ und so zu einer Metapher für einen weiteren, nicht unwichtigen Aspekt des Lebens wird, ist das eigentliche Herz des Films.

Neben Jessica Brown Findlays Bella steht aber Tom Wilkinson (oscarnominiert für „Michael Clayton“ und „In The Bedroom“) als Alfie überraschend deutlich im Zentrum des Films. Seine knarzige Interaktion mit Bella und Vernon sorgt für die witzigsten Stellen des Films, wenn er griesgrämig bis bösartig herummeckert oder bei einem Überraschungsbesuch in der Bibliothek von Bella, die seinen Koch Vernon „gekidnappt“ hat, spitzfindig zu jener Sektion geschickt wird, wo man Kochbücher mit Titeln wie „Dinner for One“ finden kann. Eine weitere hübsche Zutat ist die Bibliothekschefin Miss Bramble (Anna Chancellor), die argwöhnisch über die Regeln ihres Reiches wacht und gerne stumm über ihre kleine Tafel mit Magnetbuchstaben kommuniziert.

Natürlich muss man sich auf eine solch emotionale, dabei oft locker hinskizzierte und versponnene Märchenstory erst einmal einlassen, und nicht jeder wird an den entsprechenden Stellen zum Taschentuch greifen, aber der durchaus unterhaltsamen Zauberkraft dieses cineastischen Gartens kann man sich nur schwer gänzlich entziehen. Die inszenatorischen Mittel wirken manchmal etwas altbacken, wie der allzu konventionelle (aber nicht aufdringliche) Musikeinsatz oder die nicht zu übersehende symbolische Nutzung von hellen Farben oder Licht, die immer mehr in Bellas Leben eindringen, aber das passt auch irgendwie zur bewusst zeitlosen und nicht exakt verorteten Geschichte. Wenn man vom DVD-Regal in der Bücherei absieht, könnte die Geschichte auch in den 1960ern spielen - und das hat einen gewissen Reiz.

Fazit: In der märchenhaft-skurrilen Liebeskomödie „Der wunderbare Garten der Bella Brown“ wird mit großen Augen auf das Chaos des Lebens geschaut – ein etwas altmodischer Wohlfühlfilm irgendwo zwischen „Die fabelhafte Welt der Amélie“ und „Mary Poppins“.

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