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Hexe Lilli - Die Reise nach Mandolan
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Hexe Lilli - Die Reise nach Mandolan
Von Christian Horn
Eigentlich heißt es ja, dass ein Sequel immer ein wenig mehr von allem bietet. Bei „Hexe Lilli - Die Reise nach Mandolan", der Fortsetzung von „Hexe Lilli - Der Drache und das magische Buch" von 2009, verhält es sich nun aber genau umgekehrt – es gibt von allem leider ein bisschen weniger: weniger gute Ideen, weniger Spannung, weniger Charme... Regisseur Harald Sicheritz, dessen schwacher Alpen-Schwank „3faltig" am selben Tag wie „Hexe Lilli 2" in die deutschen Kinos kommt, scheitert bei dem Versuch, an die Qualität des Vorgängers von Stefan Ruzowitzky („Anatomie", Oscar für „Die Fälscher") anzuknüpfen und der Vorlage des Kinderbuchautors Knister mehr als ein paar vereinzelte nette Momente abzugewinnen. Einzig die sympathische Darstellung von Alina Freund als titelgebende Superhexe und der von Michael Mittermeier gesprochene Sidekick-Drache Hektor bewahren der lauwarmen Kindervorstellung ein gewisses Maß an Restcharme.

Die frischgebackene Superhexe Lilli (Alina Freund) führt ein recht normales, fast schon langweiliges Mädchenleben, als ein Brief aus dem orientalischen Königreich Mandolan ein neues Abenteuer verheißt: Der Thron von Großwesir Guliman (Jürgen Tarrach) stehe unter einem Zauberbann, schreibt Hofmagier Abrasch (Ercan Durmaz), und bittet Lilli um Hilfe. Gemeinsam mit dem Flugdrachen Hektor (Sprecher: Michael Mittermeier) bricht sie hilfsbereit nach Mandolan auf, wo ihr jedoch schnell dünkt, dass mit dem Großwesir und seinem Lakaien irgendetwas nicht stimmt. Der Waisenjunge Musa (Tanay Chheda, hatte eine kleine Rolle in „Slumdog Millionär") klärt die Superhexe auf: In Wahrheit ist Abrasch nicht auf ihre Hilfe, sondern auf Lillis Zaubersprüche aus...

Eine wichtige Konstante aus dem ersten Teil übernimmt auch das Sequel nahezu unverändert: Der gut animierte CGI-Drache Hektor, den Michael Mittermeier nach wie vor mit großer Begeisterung spricht, fungiert erneut als gleichwertig neben Lilli agierender Sidekick, der die junge Hexe durch seine ständige Fresssucht und seinen unbekümmerten Müßiggang regelmäßig in Schwierigkeiten bringt. Die Szenen zwischen Lilli und ihrem Begleiter, den sie oft im Rucksack versteckt, zählen deshalb definitiv zu den besten und humorvollsten des Films – aber auch sie reichen nicht immer an die gewitzten Dialoge des Vorgängers heran. Ein eher nerviger Nebenstrang gönnt Hektor sogar einen kleinen Urlaubsflirt mit dem schrecklich pinken CGI-Flaschengeist-Mädchen Suki (Sprecherin: Cosma Shiva Hagen, „7 Zwerge - Männer allein im Wald"). Eher am Rande tauchen Lillis Mutter (Anja Kling, „Hanni & Nanni") und die gute Hexe Surulunda (Pilar Bardem) auf – das neue Abenteuer spielt eben nicht mehr in Lillis alltäglichem Leben, sondern im fernen, märchenhaften Orient.

Schade ist, dass der Schauplatz Mandolan so fantasielos erscheint wie wohl kaum ein orientalisches Kinderfilm-Königreich zuvor: Sowohl visuell als auch erzählerisch setzt Harald Sicheritz abseits der beiden Hauptfiguren und jenseits der teils schrägen Kostüme kaum Akzente. Der dramaturgisch stets Mittel zum Zweck bleibende Waisenknabe Musa ersetzt Lillis Klassenkameraden aus dem ersten Teil nur unzureichend, die beiden langweiligen Bösewichte bleiben jederzeit harmlos und turbulente Szenen wie jene aus „Hexe Lilli", in der ein Zauberspruch das Klassenzimmer mit Wasser flutet, sucht man im Sequel vergebens. Zu guter Letzt fällt auch das Finale der Reise nach Mandolan im Vergleich zur kindlichen Schreckensversion (inklusive altersgerechter Zombies) von Stefan Ruzowitzky lau und ermüdend schwunglos aus.

Fazit: Nicht nur aufgrund der leidlich inspirierten Arbeit von Harald Sicheritz, sondern auch wegen des Skripts des Autoren-Duos Bettine und Achim von Borries („Mullewapp - Das große Kinoabenteuer der Freunde") kommt „Hexe Lilli - Die Reise nach Mandolan" nie auf einen grünen Zweig. Eine Kinderbuch-Verfilmung, die ebenfalls in der Filmographie der beiden Autoren auftaucht und ein selbstbewusstes Mädchen zur Heldin hat, ist „Die drei Räuber" von Hayo Freitag – ein rundum gelungener Kinderfilm, der Harald Sicheritz' verzichtbarem Ausflug ins Märchengenre in jedweder Hinsicht überlegen ist.
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