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Rampart
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Rampart
Von Lars-Christian Daniels
Zu seinem hochkarätigen Regiedebüt „The Messenger" kam der israelische Filmemacher Oren Moverman wie die Jungfrau zum Kinde: Nachdem nicht nur Star-Regisseur Sydney Pollack („Jenseits von Afrika"), sondern auch Ben Affleck („The Town") für die Inszenierung des Dramas abgesagt hatte, sprang der ursprünglich nur für das Skript vorgesehene Ex-Fallschirmspringer einfach selbst ein. Moverman, der bereits das Drehbuch zum Bob-Dylan-Biopic „I'm Not There" schrieb, gewann damit nicht nur den Silbernen Bären auf der Berlinale 2009, sondern wurde für sein Drehbuch gleich auch noch für den Oscar nominiert. Bei seinem zweiten Film „Rampart" setzt der Filmemacher auf eine Besetzung, die sich bereits bei seinem Debüt als Volltreffer erwies: Erneut sind Woody Harrelson (für „The Messenger" oscarnominiert), Ben Foster und Steve Buscemi mit an Bord. An ihnen liegt es also nicht, dass Moverman nicht ganz an seinen hervorragenden Erstling anknüpfen kann: Sein routiniert inszeniertes Cop-Drama punktet zwar mit starken Schauspielern, gewinnt dem Genre aber unterm Strich kaum neue Aspekte ab und erweist sich letztlich als zu spannungsarm.

LAPD-Officer Dave Brown (Woody Harrelson) ist nicht gerade zimperlich. Oft erledigt er deshalb die Drecksarbeit, für die sich seine Kollegen im Rampart Police Department zu schade sind. Weil seine Polizisten-Laufbahn nicht nur unzählige Disziplinarverfahren, sondern auch viele im Dienst erschossene Gangster kennzeichnen, steht er bei den internen Ermittlern ganz oben auf der Abschussliste. Als er nach einem Autounfall einen Flüchtigen auf offener Straße verprügelt und dabei dummerweise auf Video festgehalten wird, avanciert er unfreiwilligen zum Aufmacher der Sechs-Uhr-Nachrichten und seine Tage als Gesetzeshüter sind gezählt. Dave mutiert zum Aushängeschild für den in Verruf geratenen Polizeiapparat. Dem Getriebenen bleibt nichts anderes übrig, als in die düstere Unterwelt von Los Angeles abzusteigen und die Gerechtigkeit selbst in die Hand zu nehmen...

„Du sitzt im Büro, Baby!", verkündet Detective Alonzo Harris (Denzel Washington) in „Training Day" seinem verdutzen Kollegen Jake Hoyt (Ethan Hawke), ehe er seinen schwarzen Cadillac startet und zum Instrumental der Rap-Hymne „Still D.R.E." über die Straßen von Los Angeles brettert. Der Alltag von Dave Brown gestaltet sich in „Rampart" ähnlich: Der Cop lebt quasi in seinem Dienstwagen. Doch während Antoine Fuquas Cop-Thriller seinen Reiz aus dem schwelenden Konflikt zwischen den beiden Hauptfiguren bezieht, ist Movermans Protagonist ein Einzelgänger, wie er im Buche steht: Brown hat weder einen festen Partner, noch pflegt er Freundschaften auf der Wache. Dass der Cop bei Kollegen und Vorgesetzten nicht beliebt ist, wird schnell offensichtlich – bereits in der Exposition verdonnert er eine verschüchterte Kollegin in der Mittagspause dazu, gefälligst ihre Portion Fritten aufzuessen. Seine Verhörmethoden fallen genauso aus, wie man sie von einem Vorzeige-Arschloch erwarten würde: kompromisslos, brutal und ohne Rücksicht auf das Gesetz. Als Identifikationsfigur taugt der Cop damit zu keinem Zeitpunkt – aber das soll er ja auch gar nicht.

Die namhafte Besetzung mag durchaus zur Annahme verleiten, „Rampart" sei ein Crime-Drama im Stile von Martin Scorseses „Departed: Unter Feinden", der nicht nur dank seiner verschachtelten Figurenkonstellation zum modernen Klassiker wurde, sondern seinen zahlreichen Hollywood-Größen auch reichlich Möglichkeiten zur Entfaltung einräumte. Doch weit gefehlt: Der Auftritt von Leinwandlegende Steve Buscemi („Reservoir Dogs") kommt fast einem Cameo gleich. Und auch Sigourney Weaver („Alien") gestatten Moverman und Co-Autor James Ellroy („L.A. Confidential", „The Black Dahlia") nur wenige Minuten vor der Kamera. Ben Foster, der hier auch als Produzent in Erscheinung tritt, ist im Vergleich zu „The Messenger" ebenfalls deutlich weniger präsent, glänzt aber als rollstuhlfahrender Informant und nimmt im Verlauf der Geschichte eine unerwartete Schlüsselrolle ein. „Rampart" wird schnell zur One-Man-Show von Woody Harrelson, der in der Hauptrolle zwar keineswegs enttäuscht, aber doch weniger eindrucksvoll in Erinnerung bleibt als bei seinem Berserkergang in „Natural Born Killers" oder seiner oscarnominierten Leistung in „Larry Flynt (The People VS. Larry Flynt)".

Dave Brown ist schlichtweg zu schematisch entworfen, als dass er Harrelson echte Spielräume böte. Der von Frau und Kindern verlassene Cop ist ein Bilderbuch-Einzelgänger und Trinker, der den Halt im Leben ebenso verloren hat wie den Spaß am Beruf und die Achtung vor sich selbst. Der Film entwickelt sich vor allem in der zweiten Hälfte zu einer Mischung aus Charakterstudie und sozialkritischem Familiendrama, das dank der starken Nebendarsteller zwar über weite Strecken gut unterhält, aber nie auf einen echten Höhepunkt zusteuert. Zu selten schlägt die Spannungskurve spürbar nach oben aus. Wirklich neue Aspekte vermag Moverman dem rauen Cop-Milieu mit allgegenwärtiger Korruption, Falschaussagen und Gang-Problematik selten abzugewinnen. Beispielhaft dafür steht der müde Auftritt von Rapper Ice Cube („xXx2: The Next Level"), der als interner Ermittler Kyle Timkins den unter Verdacht stehenden Brown bei seinen Nachforschungen nie wirklich in Bedrängnis zu bringen vermag.

Fazit: „Rampart" ist eher Charakterstudie als knallhartes Cop-Drama und täuscht mit der prominenten Besetzung ein wenig über seine wahre Struktur hinweg – Woody Harrelson trägt Movermans zweite Regiearbeit nämlich quasi im Alleingang. Aufgrund eines zu konventionellen Drehbuchs kann Moverman dabei aber leider nicht an die Qualität seines starken Erstlings „The Messenger" anknüpfen.
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