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    Stromberg - Der Film
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Stromberg - Der Film
    Von Christoph Petersen
    Es wurde schon die Revolution der Filmfinanzierung ausgerufen, als Rob Thomas und Kristen Bell im Herbst 2013 auf dem Webportal kickstarter.com von ihren Fans mehr als 5,7 Millionen Dollar für den Kinofilm zu ihrer Kultserie „Veronica Mars“ zugeschossen bekamen. Aber an der Spitze dieser Entwicklung steht ausnahmsweise mal nicht Hollywood, denn die Macher der Pro7-Sitcom „Stromberg“ sammelten mit ähnlichem Crowdinvesting bereits ein Jahr zuvor innerhalb einer einzigen Woche eine Million Euro für die Produktion von „Stromberg – Der Film“. Solch leidenschaftliche Fans sorgen natürlich auch für gehörigen Druck, aber keine Sorge: Regisseur Arne Feldhusen und Autor Ralf Husmann vermeiden alle üblichen Kinoableger-von-TV-Serien-Fehler und liefern eine bittersüße Büro-Satire, die der kleinformatigen Vorlage in jeder Hinsicht gerecht wird und zudem die Stromberg’sche Spruchsammlung um eine ganze Latte unvergesslicher Bonmots erweitert. Oder um es mit den Worten unseres Lieblings-Schadensregulierers zu sagen: „Lass das mal den Papa machen, der Papa macht das gut!

    Für Sexismus ist die auch gar nicht mein Typ!
    -    Bernd Stromberg über Frauen

    Die Capitol Versicherung feiert ihr 50-jähriges Jubiläum mit einem bunten Abend in einem Tagungshotel und alle fahren hin… nur Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) bleibt lieber zu Hause und schickt stattdessen ein aufwendig choreographiertes Grußvideo. Seine Blockadehaltung ändert der Bruce Willis der Quartalsberichte erst, als er zufällig vom Hausmeister erfährt, dass seine Filiale bald dichtgemacht werden soll. Nun heißt es, die Chance zu nutzen und sich beim Vorstand für einen Job in der Zentrale ins Gespräch zu bringen. Aber Stromberg wäre nicht Stromberg, wenn er nicht zunächst einmal in jedes erdenkliche Fettnäpfchen treten würde. Doch dann entpuppt sich der bunte Abend als an Schnarchnasigkeit kaum zu übertreffende Bühnenpräsentation, die die anwesenden Versicherungsvertreter zu Tode zu langweilen droht. Also nutzt Stromberg die Gunst der Stunde und es heißt einmal mehr: „Lass das mal den Papa machen…“


    Sie sind so flexibel wie ein Taliban!
    -    Bernd Stromberg über den Zustand des Dienstleistungsgewerbes in Deutschland

    Wer zig Staffeln lang jeder neuen Folge entgegengefiebert hat, der will natürlich nicht, dass seine Lieblingsserie zu Ende geht. Trotzdem ist die seit Jahren schwelende Hoffnung auf Kinofilme zu Fan-Lieblingen wie „Friends“, „Arrested Development“ oder „Entourage“ eine zwiespältige Angelegenheit, denn am Ende können die Filme auch viel kaputtmachen. So sind etwa „Sex and the City 2“ oder „Mr. Bean macht Ferien“ nicht einfach nur schlechte Filme, sie haben auch dem Ruf der gesamten Serien ein Stück weit beschädigt. Aber zum Glück machen Feldhusen und Husmann mit Ausnahme eines uninspirierten Müllermilch-Product-Placements alles richtig und so reiht sich „Stromberg – Der Film“ nahtlos in die Reihe gelungener TV-wird-im-Kino-fortgesetzt-Beispiele wie „Die Simpsons – Der Film“ oder „Serenity“ ein. Dabei erweitert das Duo den konzentrierten Fokus der Vorlage (deren erste Episoden ausschließlich im Büro spielen) so, dass er die große Leinwand rechtfertigt, bleiben mit dem Ausflug ins Tagungshotel dem dokumentarischen Der-Zuschauer-darf-Mäuschen-im-Arbeitsalltag-spielen-Geist der Serie aber trotzdem treu.

    „Wenn man einen Mann feuert, erzeugt man einen Arbeitslosen.
    Wenn man eine Frau feuert, erzeugt man eine Hausfrau.“
    -    Bernd Stromberg über Rationalisierung

    Bei Kinoablegern von Comedy-Serien besteht immer die Gefahr, dass die Macher sich verpflichtet fühlen, im Kino einen lauteren und krachenderen Humor als auf dem kleinen Schirm präsentieren zu müssen. Oft wird so aber genau das Gegenteil erreicht und der Witz verpufft völlig (abschreckendes Beispiel: „Drei Engel für Charlie – Volle Power“). Doch dass die Produzenten von „Stromberg – Der Film“ sich auch an investitionsbereite Fans wenden mussten, hat gerade damit zu tun, dass sie nicht zu faulen Kompromissen bereit waren. Und tatsächlich: Der Humor ist immer noch derselbe und auch auf der großen Leinwand und in Spielfilmlänge nicht weniger schmerzhaft-lustig als in den Serienfolgen. Es wird nur eine einzige kleine Anpassung vorgenommen und so darf man Stromberg in der zweiten Hälfte seines Kinofilms, in der neben barbusigen Vorstands-Prostituierten auch einige überraschende berufliche Veränderungen auf den Papa der Nation zukommen, etwas mehr mögen als in einer typischen TV-Episode. Aber da der einzigartige Titelheld sich und seinem Ego trotz all der äußeren Veränderungen doch bis zur finalen Szene (inklusive eines großartigen Cameo-Auftritts) treubleibt, hat er sich diese Extraportion Sympathien nach fünf Staffeln voller purem Narzissmus auch redlich verdient. Fans brauchen also keine Angst zu haben, dass hier fürs große Publikum irgendetwas weichgewaschen wird: Stromberg bleibt Stromberg, bis der Abspann rollt!

    „Was ihm an Grips fehlt, das gleicht er mit seiner Blödheit wieder aus!“
    - Bernd Stromberg über Berthold „Ernie“ Heisterkamp

    Auch wenn Stromberg im Film noch deutlicher als in der Serie im Zentrum der Handlung steht, erhalten die übrigen Mitarbeiter der Capitol doch alle ihre eigenen Glanzmomente: So haben Ulf (Oliver Wnuk) und Tanja (Diana Staehly) inzwischen einen verhaltensauffälligen Teenager adoptiert, der an jeden möglichen und unmöglichen Ort Penisse kritzelt. Das hört sich erst mal doof an, nimmt aber im Film dermaßen absurde Züge an, dass es als Running Gag tatsächlich immer lustiger wird. Ernie (Bjarne Mädel) hat sich unterdessen ganz auf seinen Job als stellvertretender Abteilungsleiter konzentriert und dabei alle möglichen Wirtschaftsweisheiten aus den USA und Japan aufgeschnappt. Nun sorgt er mit seiner eigenwilligen Auslegung der Lehrsätze für einige trockene Pointen. Von den gänzlich neuen Figuren begeistert derweil vor allem Carsten Meyer (eigentlich kein Schauspieler, sondern als Komponist etwa für Bjarne Mädels Serie „Der Tatortreiniger“ tätig) als desillusionierter Hochzeits-DJ Günni, der sich sehnlich die Zeiten von Bernhard Brink zurückwünscht und mit Justin Biebers Schädel ziemlich unerhörte Dinge anstellen würde.

    Fazit: Der Papa kann auch Kino: „Stromberg – Der Film“ ist genauso lustig wie die Serie und wird dem TV-Kult absolut gerecht.



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    Kommentare

    • sky_erosion
      Genau das habe ich mir erhofft, meine Vorfreude ist nun stark gestiegen!
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